laut.de-Kritik
Sex-Style mit Charme, Humor und Blowjob-Fantasien.
Review von Stefan JohannesbergDie harten Zeiten für Key Glock sind vorbei. Sein Cousin und Mentor Young Dolph ruht in Frieden, die Straße liegt hinter ihm, und er genießt auf "Project X" das Leben als erfolgreicher Rapstar. "Hoes on hoes, they say I'm mannish / She gold on gold (Whew), I Trinidad it (Whew, whew, whew) / My life's a movie, lights, camera, action / Lil' petite bitch tryna get nasty".
Der Hook vom Opener "Mannish" rahmt Glocks neues Projekt inhaltlich wunderbar ein: Erfolg heißt, Zeit für Frauen zu haben. Die Produktion von Tay Keith, der unter anderem für Drake, Travis Scott und Lil Baby arbeitete und im Juni 2026 verstarb, verbindet dicke Filmmusik-Violinen mit minimalistischen Trap-Drums. Der Rapper selbst flowt aggressiv und kraftvoll, wie man es von Memphis-Trap seit jeher gewohnt ist. Überhaupt gehört Trap aus der Presley-Stadt auf den Mount Rushmore der Rap-Subgenres – zusammen mit G-Funk, Chicago-Drill und Detroits eigener Street-Rap-Schule. Nur mal so.
Den neben "Mannish" besten Beat nutzt er für "Big 5". Oh Ross und blazerfxme guckten anscheinend zu viel "James Bond jagt Dr. No" und holten sich dessen Filmmusik-Pathos in den Beat. Yannick erwähnte ja bereits Glocks Gespür und Lust für diesen Sound-Mix.
Wie es sich für den inoffiziellen Erben der Three 6 Mafia gehört, ist man Glock trotz fast monothematischem Bett-Talk genauso wenig böse wie einst Juicy J und Co. Der Sex-Style (Hallo, Kool Keith) überzeugt meistens mit einem sympathischen Mix aus Charme, Bodenständigkeit und Humor, der die Blowjob-Fantasien vor sexistischen Ekligkeiten rettet. Allen ist klar, was die Aufforderung "Face Down" heißt. Klugerweise lässt er die Hookline jedoch von einer Frau befehligen und nimmt ihr damit die Schärfe. Das sind so die kleinen Feinheiten, die Key Glock vom gemeinen Trap-Proll abheben. Auch die schöne Zeile "I don't give half a fuck (No) / I been busy addin' up, I told her (Yeah)" beweist, dass Key ein durchaus gewitzter Poet sein kann.
Trotzdem fragt man sich – à la Marcus Wiebusch einst –, warum manche Künstler ein ganzes Album lang "nur ein Thema haben"? Obwohl: Stimmt gar nicht, es sind ja zwei. Bei Blumentopf hieß es einst "Autos und Frauen", bei Key geht es neben den "50 Hoes" natürlich noch um "Cash, Money". Er "keep the commas comin'" ("Dummy") und "is chasing Benzos, never chasing freaks" ("Benzo"). Es freut uns natürlich, dass es ihm so gut geht. Bei stolzen 20 Tracks wirkt diese Eintönigkeit jedoch arg ermüdend. Immerhin sind die Songs kurz und knackig gehalten.
Am Ende droppt "Mister Stand on Business" auf "Project X" für seine Fans einen sommerlichen Soundtrack. Key Glock bleibt im Geschäft, erreicht aber nicht das "Glockaveli"-Niveau des Vorjahres.


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