laut.de-Kritik
Altbekanntes von den Essener Weltenkrushern.
Review von Franz Mauerer"Your Heaven, My Hell" – das denke ich mir immer, wenn die Katze meiner Verlobten sich auf meinen Allergikerschoß setzt. Kreators Frontmann Mille Petrozza geht es scheinbar ähnlich, ist das doch der Titel seiner 2025 erschienen, recht erfolgreichen Autobiographie. Mit "Hate & Hope" gab es letztes Jahr gar noch eine Doku über die Truppe. Die Herrschaften leben aber noch, Buch und Film brauchen also zumindest noch ein Addendum, wie unpraktisch. Das Lebenszeichen heißt "Krushers Of The World" und um es vorwegzunehmen: Es fällt besser aus als die in Gänze unschaubaren, treffsicher stupiden Musikvideos zu den Singles.
Die Weltenzerstörer liefern mit dem 16. Album solide Thrash-Genrekost mit der gewohnten Heavy Metal-Infusion in ihrer Post-"Violent Revolution"-Langzeitphase, das zeigen schon die Singles "Seven Serpents" und "Satanic Anarchy" ohne große Umschweife auf. Gerade die Schlangen bezeugen eine sympathisch konservative Herangehensweise, in der jeder Ton auf Minuten absehbar bleibt, aber dafür halt sitzt. Tut auch mal gut. Die satanische Anarchie versucht sich an mehr Melodie und überzeugt vor allem dann, wenn sie innehält, um Kraft zu holen – die dann aber eher verpufft, nach wie vor sitzt der Einbau der Heavy-Elemente in den Metal-Sound bei den Essenern nicht immer. Die dritte Single "Tränenpalast" profitiert sehr von der Gastsängerin Britta Görtz, die einen angenehmen Kontrast zu Petrozza setzt. Für den gilt wie eh und je: Muss man mögen, immer am Limit engagiert, dadurch oft mit der Tendenz, monoton zu geraten.
Der Titeltrack ist ein sehr vernünftiger Stampfer, der eine Minute zu lang ausfällt. "Barbarian" und "Blood Of Our Blood" bilden gemeinsam mit "Death Scream" die Höhepunkte des Albums, was auch daran liegen mag, dass sie die charakteristischsten sind innerhalb eines recht engen musikalischen Korridors, in dem Kreator ihr Handwerk nicht nur beherrschen, sondern fühlbar bespielen. Der Todesschrei arbeitet sich emsig nach vorne und Petrozza liefert in einem gurgelnd-zischenden Ton ab, der eine interessante Seite an ihm zeigt, bevor die Gitarren leider doch noch einfallslos gniedeln. Das Blut vom Blut nötigt schon Respekt ab, weil der weit Ü50er Ventor das scheinbar so spielen kann. Dazu kommt eine gewisse Loslösung zwischen Sänger und Band, ein leichter Versatz, der überaus gut tut. Der Barbare haut im Wesentlichen nur auf die Fresse.
"Combatants" verstolpert den angedeuteten Marsch durch Eintönigkeit, den "Psychotic Imperator" kennen wir alle. Der gut Druck aufbauende Song wird durch den verzagten, langen Schluss ebenso versaubeutelt wie durch die flachen, sprachlich mangelhaften Texte. Passt gut zum Closer "Loyal To The Grave", eine Mid-Tempo-Metal-Schmonzette ohne Daseinsberechtigung. Kann man das hören? Ja. Gibt es mehr Sinn, eine gut kuratierte Auswahl dieses und der letzten X Alben zu hören? Ja. Nur 2 Punkte wegen fehlender Experimente, die das Füllmaterial umso schmerzlicher vortreten lassen.


5 Kommentare mit einer Antwort
Klingt wie eine Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung von Phantom Antichrist. Ist okay, aber nach diesem Mehrteiler wünscht man sich auch mal wieder neue Hörerlebnisse.
Ich konnte auf jedes Album seit Phantom Antichrist verzichten.
Kommt nicht an die Schwere des Albums "Never Enough" der Hardcoreband Turnstile heran
Ich denke drei Sterne wären schon drin gewesen. Sind doch ein paar gute Songs drauf und die Platte hat eine angenehme Laufzeit.
Für die nächste Platte wäre eine andere Richtung oder eine Weiterentwicklung aber mal wünschenswert.
Stimme grundsätzlich @a_fly zu. Aber 2 Sterne… lachhaft! @laut.de In Zukunft keine Metal-Alben rezensieren!
Album des Monats bei Rockhard, Metal Hammer und metal.de! Und hier 2 (!) Punkte "wegen fehlender Experimente"?!? Ist nicht nachvollziehbar.