laut.de-Kritik

Buddeln in den tiefsten Gräbern der Death-Frühgeschichte.

Review von

"Das ist der Nullpunkt – wo alles begann: drei 15-jährige Jungs, die Death-Metal-Geschichte schrieben." Matt Harvey, Exhumed- und Gruesome-Sänger, spricht voller Ehrfurcht von der Anfangsphase von Death im Jahr 1984. War dies damals die offizielle Geburt des Death Metal-Genres oder gebührt die Ehre doch Possessed oder anderen Extrem-Metal-Pionieren jener Tage? Am Ende spielt die Antwort keine Rolle, auch wenn Ur-Mitglied Rick Rozz mit dem Debüt "Initium Mortis" seiner Death-Hommage-Band Left To Die, benannt nach dem "Leprosy"-Track, die ewige Diskussion neu entfacht. Die Truppe kommt mit Ex-Death-Bassist Terry Butler, Matt Harvey sowie Gruesome-Schlagzeuger Gus Rios wie eine echte Allstar-Truppe des Todesbleis daher und liefert auch genauso ab. Zehn Songs buddeln Left To Die aus den tiefsten Gräbern der Death-Frühgeschichte.

"Legion Of Doom", "Power Of Darkness" und "Death By Metal" stammen vom legendären "Death By Metal"-Demo, damals noch unter dem Namen Mantas. Das weitere Material verteilt sich auf frühe Rehearsals, Live-Tapes sowie die Death-Demos "Reign Of Terror" und "Infernal Death" aus den Jahren 1984 und 1985. "Archangel" etwa kommt vom "Infernal Death"-Demo, während "Witch Of Hell", "Summoned To Die" und "Slaughterhouse" auf "Reign Of Terror" zurückgehen.

Natürlich weicht die dreckige, brutale Rohheit der jugendlichen Kuttenträger von damals heuer einer top-produzierten, hochprofessionellen Nackenbrecher-Orgie. Walzte das Monsterriff von "Legion Of Doom" im Original noch tonnenschwer durch den breiigen Sound des Demos, während Deaths erster Shouter Kam Lee grunzte wie ein Großer, kontrollieren die heutigen Musiker das Chaos. Rios trommelt punktgenau seine Highspeed-Attacken, die Riffs von Rozz und Harvey fliegen gekonnt über dieses Fundament und Harvey klingt dabei verblüffend nach dem jungen Chuck, ohne an eigenem Charisma einzubüßen. Mehr als 40 Jahre haben diese Kompositionen mittlerweile auf dem Buckel und kaum etwas von ihrer Frische verloren.

Der Opener gibt die Richtung vor, wie Left To Die die alten Stücke interpretieren: harter Thrash-Speed-Metal mit Growls – und alle weiteren Stücke folgen. "Archangel" erinnert an frühe Sepultura, man spürt noch heute förmlich die Zeitenwende Mitte der Achtziger, als sich der Metal in eine neue, noch extremere Richtung entwickelte. Auch Hardcore-Anteile und jene Raserei, die wenig später im Grindcore eskalieren sollte, werden in den kurzen Tracks sichtbar. Teilweise fallen die Doppelgitarren-Leads zudem melodischer aus, als es das ursprüngliche Material verlangt hätte. Man ziehe sich nur das Instrumental "Zombie" rein, das in dieser Form wunderbar auf ein At The Gates-Album passen würde.

Für Non-Puristen und etwas softere Gemüter liegt hier jedoch die wahre Stärke von "Initium Mortis". Nicht selten entfleucht einem ein "Ausgebombt", so nah headbangen sich die Versionen von "Power Of Darkness" oder "Death By Metal" an frühen Thrash Metal heran. Auf "Rise Of Satan" fördern Left To Die mit fast gesungenen Strophen und eingängigen Hooks gar Chucks frühe Einflüsse von Motörhead zutage. Der Höhepunkt ist aber "Mantas". Wieder drückt die Band aufs Gaspedal, wieder stehen die Gitarristen breitbeinig auf der Bühne und wieder wird mitgegrölt, dass der Metal-Club wackelt. Wer diesen Style liebt, checkt bitte zeitnah mal das Album "Onward To Mayhem" der Kieler Combo Bonehouse.

Am Ende fehlt hier natürlich jenes bedrohliche Chaos sowie die brutale Rohheit der ursprünglichen Demos. Trotzdem symbolisiert das Album perfekt, wie ein mögliches Debüt vor "Scream Bloody Gore" hätte klingen können. Genau so lässt sich nachvollziehen, wie aus Thrash, Speed Metal, Hardcore, Venom- und Slayer-Einflüssen langsam etwas Eigenes entstand. Matt Harvey selbst bezeichnet "Initium Mortis" treffend als eine Art "Alternate-Universe"-Version der "Scream Bloody Gore"-Tracklist.

Trackliste

  1. 1. Legion Of Doom
  2. 2. Archangel
  3. 3. Power Of Darkness
  4. 4. Zombie
  5. 5. Witch Of Hell
  6. 6. Rise Of Satan
  7. 7. Summoned To Die
  8. 8. Mantas
  9. 9. Slaughterhouse
  10. 10. Death By Metal

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