laut.de-Kritik
Monolithischer Doom aus Florenz.
Review von Markus SeibelDie Doom-Alchemisten Lord Elephant aus Florenz kehren diesen Winter mit ihrem donnernden zweiten Album "Ultra Soul" zurück. Schon der Titel deutet an, dass hier keine halben Sachen gemacht werden. Das Trio bewegt sich tief im Doom- und Psychedelic-Rock, ohne sich dabei stilistisch einengen zu lassen. Stattdessen verschmelzen sie Einflüsse aus den 70er-, 90er- und 2000er-Jahren zu einem eigenen, schwer atmenden Klangkosmos. "Ultra Soul" ist ein Album, das auf Wucht setzt, aber nie plump wirkt. Jeder Ton scheint bewusst gesetzt und auf maximale Wirkung ausgelegt zu sein. Dabei entsteht eine dichte Atmosphäre, die von Beginn an in ihren Bann zieht. Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass Lord Elephant hier einen großen Schritt nach vorne machen.
Auf dem prall gefüllten Sieben-Track-Album entfaltet das Trio einen Sound, der zugleich gewaltig, furchteinflößend und psychedelisch ist. Die Songs bauen sich meist langsam auf, lassen Spannung entstehen und entladen sich in massiven Riffs. Verzerrte Gitarrenlinien wälzen sich schwerfällig voran und werden von einer stoischen Rhythmus-Sektion getragen. Dabei wirkt das Gebräu stets säuregetränkt, roh und ungeschliffen. Dennoch verlieren Lord Elephant nie die Kontrolle über ihre Kompositionen. Trotz aller Klangwucht bleiben die Stücke fokussiert und zielgerichtet. Es ist genau diese Balance aus Chaos und Struktur macht "Ultra Soul" so packend. Die Band versteht es, ihre Hörer langsam tiefer in den Sound hineinzuziehen.
Der unkanalisierte Geist vergangener Jahrzehnte schwebt permanent über dem Album. Man hört den schweren Blues der 70er ebenso heraus wie die hypnotische Monotonie der 90er. Gleichzeitig blitzen moderne Doom- und Stoner-Elemente auf, die den Sound im Hier und Jetzt verankern. Lord Elephant zitieren ihre Einflüsse jedoch nie bloß, sondern formen daraus etwas Eigenständiges. Die Musik wirkt wie ein dunkles Ritual, das sich stetig steigert. Psychedelische Passagen öffnen den Raum und sorgen für ein leicht entrücktes Gefühl. Danach ziehen die Riffs die Stimmung wieder gnadenlos nach unten. Dieses Wechselspiel sorgt für eine permanente Spannung innerhalb der Songs.
Fans von Bands wie Earthless dürften sich sofort heimisch fühlen. Auch Anhänger von Belzebong oder Black Bombaim werden an "Ultra Soul" ihre Freude haben. Lord Elephant bewegen sich in einer ähnlichen Schnittmenge aus Jam-Charakter und drückender Schwere. Gleichzeitig bewahren sie sich eine eigene Handschrift. Das Album verlangt Geduld und Aufmerksamkeit. Wer sich darauf einlässt, wird jedoch reich belohnt. Die Songs entfalten ihre volle Wirkung vor allem in hoher Lautstärke. Dann entwickelt sich die Musik zu einem beinahe körperlichen Erlebnis.
"Ultra Soul" ist kein Album für den schnellen Konsum zwischendurch. Es fordert Zeit, Offenheit und eine gewisse Leidensfähigkeit. Dafür bietet es eine intensive Reise durch düstere Klanglandschaften. Lord Elephant beweisen hier eindrucksvoll ihr Gespür für Atmosphäre und Dynamik. Das Trio wirkt eingespielt, selbstbewusst und hungrig. Jeder der sieben Tracks trägt zum Gesamtbild bei. Schwächen sind kaum auszumachen. Somit ist "Ultra Soul" ein starkes Statement und ein Pflichtalbum für Doom- und Psychedelic-Fans.


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