laut.de-Kritik
Weibliche Wut ist legitim - und tanzbar.
Review von Magdalena GregoriIch kann alles, denkt sich Lùisa und releast ihren ersten vollständig selbst produzierten Langspieler. Fünf Jahre nach ihrem letzten Album "New Woman" setzt die Hamburgerin ihren Weg des Empowerments fort und beschäftigt sich noch intensiver mit der heutigen Welt, die nach wie vor auf Männer zugeschnitten ist. Auslöser dafür ist der Vorschlag von männlichen Beratern, sich für die neue Platte einen erfolgreichen, ebenfalls männlichen Musikproduzenten zu suchen. Nein, danke.
In den neun Tracks vermixt Lùisa zarte ("Pace") und wütende ("Magical Female Rage") Stimmungen in ihrem Hexenkessel namens Album und kreiert mit Synths magische Klänge, die an Kate Bush und Fleetwood Mac erinnern.
Mit "My Love Is Easy" gewinnt die Sängerin bereits zwei Jahre vor Albumveröffentlichung den Female Producer Price von Sony - ein kleiner Denkzettel an ihre männlichen Ex-Berater, die nicht an sie geglaubt haben. Verhext geht es mit dem Titelsong des Albums weiter. Früher eher als Beleidigung wahrgenommen, erobert Lùisa den Begriff zurück und schreibt ihm mächtige und positive Eigenschaften zu. Die Melodie lehnt sich stark an Michael Jackson an, der 80er-Jahre Disco-Pop zieht sich durch das gesamte Album.
Elektronischen Gruselfaktor tischt der vierte Track auf, es geht um Werwölfe und um das Phänomen, dass sich bei Nacht jedes Problem zehnmal schlimmer anfühlt. Ich fühle mich verstanden - nur die Stimme jammert für meinen Geschmack zu sehr, aber vielleicht ist der Track ja nicht nur für das menschliche, sondern auch für das wölfische Ohr ausgelegt.
"My Mind Is A Time Machine" und "Trust" bleiben musikalisch eher unspektakulär, bei "Summer In The Woods" dürften dann Swiftie-Herzen höher schlagen, oder bin ich die Einzige, die da Taylor raushört? Ein leichtfüßiger Song zum Durchszimmertanzen.
Weibliche Wut ist legitim. So könnte die Message von "Magical Female Rage" lauten. Auch Lùisa nutzt ihre wütenden Erfahrungen aus der patriarchalen Musikindustrie und transformiert sie in eine Hymne für Empowerment: "I feel this magical female rage / little mister it-has-always-been-that-way / I melt your chains with my bare hands"
Verträumt geht das Album mit "Pace" und "The Magic In Everything" zu Ende. Dass sich die Musikerin neben Feminismus auch intensiv mit Mystik und Magie beschäftigt hat, ist klar. Eine Frage bleibt noch: Sieht sich Lùisa als Patriarchatsbusterin? Der an den Kultfilm "Ghostbusters" erinnernde Sound der Platte wäre, gemeinsam mit den feministischen Songtexten, jedenfalls eine gute Abrissbirne für veraltete Ideen.


4 Kommentare mit 5 Antworten
"Dass sich die Musikerin neben Feminismus auch intensiv mit Mystik und Magie beschäftigt hat, ist klar."
Ja ne, ist klar.
Lauwarme, probiotische Musik für richtige Juttas.
Lena Meyer Landrut für Menschen die sich auf Etsy Edelsteine und Räucherstäbchen bestellen.
Wäre das nicht Lena Meyer-Landrut?
Lena Meyer-Landrut verorte ich mehr so bei LED-Lichterketten, Ananas-Deko aus Porzellan und Kissenbezüge mit aufgedruckten Blättern
Sehr unlustig, haben viele andere vor dir schon besser gemacht, und auch bei denen ist es mindestens die 4 Jahre gähn. Das einzig witzige daran ist wahrscheinlich unbeabsichtigt.
Gerade eben live gehört in Zürich. Grossartige Sängerin, Songwriterin und Produzentin. Das von ihr betitelte Konzeptalbum ist absolut stimmig und jeder Song erzählt eine kleine Geschichte. Für mich definitiv eines der besten Alben der letzten Jahre. Woher der Vergleich zu Lena kommt ist mir ein Rätsel.
Der Vergleich ist ja auch völliger Unsinn. Das Album gefällt mir gut, ist nur etwas kurz.
Definitiv etwas kurz, aber lieber so als ein paar Füllsongs.