laut.de-Kritik
Die guten Ideen sind da.
Review von Emil DröllIm Power Metal ist das ja immer so eine Sache. Zwischen Stadion-Pathos à la Sabaton und der Werwolf-Kirmes von Powerwolf wirkt das Genre gern auch mal abschreckend. Zum Glück gibt es noch die traditionsbewusstere Fraktion um Helloween und Konsorten, die ihre Melodien lieber mit handwerklichem Songwriting als mit Gimmicks verkauft. Dort haben Masterplan ihren Platz seit jeher sicher, auch wenn sich ihr Comeback nach dem 2013 erschienenen "Novum Initium" fast schon wie das Debüt einer neuen Band anfühlt. Die wenig erinnerungswürdige Coverplatte von 2017 lassen wir dabei großzügig außen vor.
Beim Branding bleiben Masterplan allerdings ihrer Linie treu: Das Cover wirkt so generisch wie eh und je, der Albumtitel "Metalmorphosis" so platt wie kaum zuvor. Zum Glück zählt am Ende die Musik.
"Chase The Light" eröffnet zunächst mit einem filmscoreartigen Intro, das erst durch das einsetzende Schlagzeug klarstellt, dass hier kein Fantasy-Soundtrack läuft. Gleichzeitig fällt auf: Klanglich hat die Band seit "Novum Initium" hörbar aufgerüstet. Der Sound wirkt druckvoller, moderner und insgesamt wertiger. Auch das Songwriting präsentiert sich 2026 gewohnt souverän. Trotzdem drängt sich derselbe Vergleich auf wie schon vor über zehn Jahren: Rick Altzi erreicht nach wie vor nicht die Magie, die die frühen Masterplan mit Jorn Lande umwehte. Das zeigt sich auch bei "Electric Nights". Der Song macht Spaß, bleibt aber letztlich im gehobenen Power Metal-Mittelfeld hängen, weil ihm das entscheidende Quäntchen Eigenständigkeit fehlt.
"Shadow Man" kaschiert dieses Problem mit seiner düsteren Atmosphäre und dem stärkeren Songwriting, während "Bound To Fall" zwischendurch beängstigend schunkelig daherkommt. Mit "Pain Of Yesterday" unterstreichen Masterplan erneut ihre größte Stärke: Intros. Kaum eine Band der Szene eröffnen ihre Songs so spannend. Schade nur, dass viele dieser Ideen im weiteren Verlauf nicht konsequent weiterentwickelt werden. Würde die Band die Individualität ihrer Einstiege stärker durch die Songs tragen, gewänne das Album deutlich an Qualität.
Ausgerechnet der Titeltrack "Metalmorphosis" bestätigt die Regel als Ausnahme. Hier wechseln Tempo, Dynamik und Ideen Schlag auf Schlag. Der Song wirkt frischer als der Rest des Albums, selbst das obligatorische Gitarrensolo fügt sich organisch ins Gesamtbild ein, statt nur Pflichtprogramm zu sein.
"Through The Storm" legt anschließend noch einmal eine Schippe drauf. Überraschend hohes Tempo, ein bärenstarkes Riff und spürbar mehr Risikobereitschaft machen den Song zum klaren Höhepunkt des Albums. "Ghostlight" fällt danach allerdings wieder in bekannte Masterplan-Muster zurück. "The Call" punktet mit melodischer Ausrichtung und geschickt gesetzten Clean-Gitarren-Pausen, ein gelungener Kontrast, der Laune macht. Eigentlich wäre das ein passender Schlusspunkt gewesen. Stattdessen folgt mit "Rise Again" noch einmal ein schwerer, letztlich aber austauschbarer Abschluss.
So bleibt am Ende ein zwiespältiger Eindruck. Masterplan melden sich überzeugend zurück und liefern ein solides Album ab. An die Klasse der frühen Werke reichen sie dennoch nicht heran. Rick Altzi fehlt stellenweise die Ausdruckskraft und Varianz, die aber sicher irgendwo schlummern. Und auch dem Songwriting fehlt vor allem etwas mehr Mut. Die guten Ideen sind da, sie müssten nur konsequenter ausgespielt werden.


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