laut.de-Kritik
So sehr klangen Metal Church selten nach Metal Church.
Review von Michael EdeleIn der Retrospektive schwer zu sagen, ob es je ein Metal Church Album gab, das bereits auf den ersten Höreindruck mehr nach Metal Church klang, als "Dead To Rights". Man holt als Redakteur gern die Trademarks-Floskel hervor, um zu beschreiben, wie sehr sich eine Band an den eigenen Wurzeln orientiert.
Auf Anhieb fallen mir aber höchstens noch Paradox ein, die ähnlich konstant ihren Stiefel durchziehen. Eine klare Parallele ist, dass sowohl bei Paradox mit Charlie Steinhauer als auch bei Metal Church mit Kurdt Vanderhoof, jeweils ein ganz klarer Strippenzieher für das Songwriting verantwortlich zeichnet. Beide haben offenbar eine klare Vision davon, wie die eigene Band zu klingen hat. Beiden fällt es offenbar schwer, eine beständige Truppe beieinander zu halten.
Um Kurdt scharen sich mittlerweile der ehemalige Vicious Rumors-Sänger Brian Allen, Ex-Megadeth-Tieftöner Dave Ellefson, Flotsam & Jetsam-Drummer Ken Mary und Gitarrist Rick Van Zandt, der schön länger im Line-Up ist.
Kann man von back to the roots sprechen, wenn sich die Band eigentlich nie wirklich von ihren Roots entfernt hat? Vielleicht. Zumindest in dem Sinne, dass Brian Allen stimmlich so nah an Ur-Sänger David Wayne dran ist, wie es nur geht. So sehr ich das Ableben von Mike Howe nach wie vor betrauere und die Alben mit ihm hoch schätze, so sehr muss ich gestehen, dass Brian auf "Dead To Rights" wie die Faust aufs Auge passt.
Allein das Einstiegsdoppel aus "Brainwash Game" und "F.A.F.O." dürfte Fans der ersten Stunde die Tränen in die Augen treiben. Hier trifft feinster Power Metal auf ordentliche Thrash-Allüre. Das treibende "The Show" setzt sogar noch einen obendrauf, auch wenn das Solo an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten ist. Ken Mary sorgt hier ordentlich für Schlagzahl, hält sich ansonsten aber eher zurück, wenn man sein Spiel mit dem bei den Flots vergleicht.
So stark einzelne Songs auch sind, so sehr ziehen sich andere belanglos in die Länge. Brian Allen kann man dabei kaum einen Vorwurf machen, der müht sich redlich, kann Nummern wie "No Memory" oder "Wasted Time" aber auch nicht über das Mittelmaß hinausheben. Das leichte Boogie-Feeling in "My Wrath" macht zum Ende hin nochmal Laune und zeigt zum Glück, dass man die Metal Church in diesem Zustand noch lange nicht abreißen muss.


1 Kommentar
Aber zieht das die Wurst vom Teller? Schraubt einem das gepflegt die Rübe ab? ♥