laut.de-Kritik

Der Blick vom Lagerfeuer in den Sternenhimmel.

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"Mad & Noisy" heißt das Debüt der kanadischen Band aus dem Jahr 2023. Was sie mit noisy meinen, lässt sich an dröhnenden Riffs, den kraftvollen, wandelbaren Vocals, manchmal hart an der Übersteuerung, und den erfrischenden Saxophon-Einschüben festmachen. Mad wiederum erscheinen die jungen Musiker aus Toronto in ihren spannenden Live-Performances, in denen sie in ihren eigenen Sound-Gemälden zu versinken scheinen.

Auf Platte malen Moondoggy quasi lange Autofahrten auf Fernstraßen, sie liefern den Soundtrack fürs Unterwegssein und sich treiben lassen. Es entstehen romantische Momente wie in "Stick Around", ihrem bisher softesten Tune, der schwer nach 70er klingt, oder man schwelgt in "All These Years". Dass WhatsApp-Dialoge Alben inspirieren, hat man selten gehört, Moondoggy plädieren entsprechend lieber fürs direkte persönliche Gespräch: Ihre neue Scheibe "Around The Fire" knüpft an anekdotische und philosophische Dialoge am Lagerfeuer an und erzählt Geschichten von Freunden, Freundinnen und Verwandten. Am Lagerfeuer mit Blick in den Sternenhimmel gilt: "All we are is closer to the stars."

So viel Naturnähe assoziert zunächst Folk, Moondoggy stecken jedoch ein viel größeres Territorium auf der Genre-Landkarte ab. Das Quartett um die Brüder Matanowitsch blickt bereits auf enorme Streaming-Reichweite: Im Land des Ahornsirups hat sich die Garage-Southern-Bluesrock-Alternative-Kapelle bereits einen hohen Bekanntheitsgrad erspielt.

Im Mai touren die Kandier durch Deutschland und Österreich, mit einem Dutzend Stationen vom vorarlbergischen Feldkirch bis nach Frankfurt am Main. Im Sound wechselt sich eine Art gemütliche Retro-Ländlichkeit mit einem eigentümlichen crunchy Style ("Isn't Life Too Long" oder "Everything Is Never Enough"), teils schwer schlurfenden und doch knackigen, organischen Sounds frei von Plug-Ins oder Drum-Machines ab. Alles in allem tischen Moondoggy richtige Songwriter-Mucke auf.

Auch wenn lässige Mitsing-Indie-Perlen wie "All These Years" die Welt vielleicht nicht aus den Angeln heben, beeindrucken sie im Detail. In dem Song mit der Hookline "Talking shit and sitting by the fireside" taucht etwa eine Afrofunk-Bassline auf, die an die Zitat-Technik der Kollegen von Vampire Weekend erinnert.

Die bieder-harmonische Gesangszentrierung in "Still Not There" ist dagegen kein geschickter Move. Das Zeitalter von Crosby, Stills & Nash war ein anderes, und es gibt charakteristischere, bessere Versuche (etwa High South), dies nachzuahmen. Moondoggy geben an, 2026 "zu kompakteren Arrangements und einem insgesamt 'radiotauglicheren' Sound" übergegangen zu sein - das geschieht aber völlig ohne Not, waren sie mit widerborstigeren Tönen doch bislang schon durchaus populär.

So versandet der ein oder andere Tracks nun in ziellosen Wiederholungsschleifen, die lieblich wirken, aber keine wirklichen Hinhörer darstellen. Beiläufigkeit wie in "Cut And Dried" oder "Never Try It Again" verwässert das Potenzial, das die Band auf den beiden Vorgänger-Alben entfaltet hat. Nichtsdestotrotz ist "Around The Fire" ein stimmungsvolles Werk mit etlichen Höhepunkten, beispielsweise das zarte und stringente "Not So Grim". Weiterer Anspieltipp: Der Abschlusstrack "Hanging Off The Mezzanine", ein perfektes Amalgam, das alle Genre-Anteile der Gruppe wunderbar vereint.

Trackliste

  1. 1. All These Years
  2. 2. Everything Is Never Enough
  3. 3. Cut And Dried
  4. 4. Still Not There
  5. 5. Grow Up, Move Out
  6. 6. Not So Grim
  7. 7. Stick Around
  8. 8. Never Try It Again
  9. 9. Hanging Off The Mezzanine
  10. 10. Isn't Life Too Long

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