laut.de-Kritik

Cronos röchelt, Venom leben.

Review von

Für sonderlich kreative Albumtitel waren Venom noch nie bekannt. Um so leichter dürften sie verschmerzen, dass Lamb Of God die "Into Oblivion"-Freikarte für 2026 bereits gezogen haben. Und trotzdem überraschen die Black Metal-Pioniere mit dem neuen Album. Nach dem ordentlich gelungenen "From The Very Depths" kam der Absturz mit "Storm The Gates" ebenso unerwartet wie unnötig. Kein Retro-Charme mehr, seltsam klingende Vocals, nichts Halbes und nichts Ganzes. "Into Oblivion" bessert diesen 'neuen' Venom-Sound spürbar nach, wenn auch nicht bis zur Perfektion.

Schon das Intro des Titeltracks klingt deutlich angenehmer als noch auf dem Vorgänger. Überraschend melodisch schleicht sich "Into Oblivion" an, ehe die Abrissbirne zuschlägt. Cronos' Vocals verschwimmen leider noch immer etwas im Dauerfeuer, gerade hinter der nun strafferen Produktion.

"Lay Down Your Soul" spart sich jeden melodischen Anlauf. Doch je aggressiver die Wand aus Drums und Gitarren wird, desto schwächer wirken die Vocals. Die eingestreuten "Yeah" und "Hell Yeah" klingen eher nach Feierabend als nach Höllentor.

Mehr Luft bekommt die Stimme auf "Nevermore", auch wenn das Feuer weiterhin nur auf Sparflamme lodert. Das aggressive Songwriting lädt dennoch kompromisslos zum Kopfnicken ein – und verleitet zum Verzeihen.

"Man & Beast" tritt plötzlich auf die Bremse und walzt heavy durch die Gegend. Keine große Songwriter-Offenbarung, aber eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Thrash-Galopp. Mit letzterem prescht "Death The Leveller" direkt weiter, während "As Above So Below" mit Gitarrenriff und Marschdrum eröffnet. Wenn der Song dann anwächst, glimmt stellenweise jene alte Badass-Attitüde durch, die Venom einst so kompromisslos nihilistisch machte.

Während es 1981 noch "Welcome To Hell" hieß, heißt es 2026 nun "Kicked Outta Hell". Ironisch genug, dass ausgerechnet das der stärkste Track der Platte ist. Prügelndes Schlagzeug, prägnantes Riff, tatsächlich tragender Gesang, dazu plötzlich ein funkiges Basssolo. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht – und man hört es.

"Legend" liefert Pinch-Harmonic-Overload und sticht ebenfalls positiv heraus, "Live Loud" nickt sich zuverlässig weiter. "Metal Bloody Metal" kommt leider deutlich unblutiger daher, als der Titel verspricht. Dafür hinterlässt "Dogs Of War" doppelten Eindruck. Maximal überladen, im schleppenden Tempo transportiert der Track als einer der wenigen geschlossene Atmosphäre.

"Deathwitch" drischt sich zurück in den Albumalltag, ehe "Unholy Mother" den Sack atmosphärisch zumacht. Bedeutungsschwere Gitarrenlinien, etwas Schlechtwetterkulisse im Hintergrund, das ist der wohl black-metallischste Moment des Albums.

Unterm Strich ist das hier sicher nicht Venoms Speerspitze. Aber nach dem 2018er Rückschritt geht es wieder nach vorne. Die Band findet sich hörbar besser im moderneren Sound zurecht, nur die stimmliche Leistung nimmt den Veteranen noch immer etwas von ihrer alten Straßenköter-Attitüde.

Trackliste

  1. 1. Into Oblivion
  2. 2. Lay Down Your Soul
  3. 3. Nevermore
  4. 4. Man & Beast
  5. 5. Death The Leveller
  6. 6. As Above So Below
  7. 7. Kicked Outta Hell
  8. 8. Legend
  9. 9. Live Loud
  10. 10. Metal Bloody Metal
  11. 11. Dogs Of War
  12. 12. Deathwitch
  13. 13. Unholy Mother

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Venom

Herzlich willkommen zur Urmutter aller Black Metal-Bands: Venom. Das sind, waren und hätten eigentlich für die Ewigkeit sein sollen: Conrad Lant aka …

Noch keine Kommentare