laut.de-Kritik
Losgelöster Pop mit einem Schuss Electro.
Review von Kai ButterweckAls vor gut dreißig Jahren das handgemachte Singer/Songwriter-Genre mal wieder ins Rampenlicht drängte, standen selbstbewusste und emanzipierte Frauen wie Alanis Morissette, Sheryl Crow, Melissa Etheridge und Heather Nova bei neugierigen Soundentdeckern weltweit ganz oben auf der Liste. Auch Natalie Imbruglia zählte 1997 dazu, der Song "Torn" stürmte die Charts und ihr Debütalbum "Left Of The Middle" tat es ihm gleich.
Drei Jahrzehnte später ist kleine Australierin mit der unschuldigen Rehkitz-Attitüde immer noch am Start und versorgt ihre treue Fangemeinde im Fünf-Jahres-Rhythmus mit neuen Studioalben. Auf "Algorithm" zeigt sich die Urheberin gedankenversunken, aber auch voller Hoffnung auf der Suche "nach dem Licht in schwierigen Zeiten".
Die mittlerweile in England lebende, alleinerziehende Mutter und Ex-Gemahlin von Silverchair-Frontmann Daniel Johns überrascht im Titeltrack mit elektronischen Beats und blubbernden Effekten aus der Maschine. Irgendwo zwischen Grace Jones, Kylie Minogue und ihrem jüngeren Ich tänzelt Natalie Imbruglia in Richtung Zukunft. Das flotte "Upside Down" vermischt elektronische Sounds mit akustischen Gitarren und unaufgeregten Drums. Luftig leicht mit einem Schuss Melancholie: So kennt man Imbruglia nur zu gut.
Die dritte Single "Just Drive" ist Elektro-Pop pur - reduziert arrangiert und mit einer wunderschönen Gesangsmelodie versehen. Kaffee, Zigaretten und der traurige Blick zurück: "Debbie" markiert den eröffnenden Mutmacher. Handclaps und tanzflächentaugliche Vibes schließen sich an ("Catastrophe").
Der Titel "Sounds Like It Feels" ist Programm. Die 51-Jährige klingt befreit und losgelöst. Trennungsgeschichten, Verlustbewältigung, Aufbruchstimmung: Thematisch taucht sie tief ein. Musikalisch hingegen geht alles ziemlich leicht von der Hand. Die elektronischen Einwürfe fügen sich geschmeidig ein und die Melodien versprühen ein Gefühl von Leichtigkeit. Im 80s-Rausch bricht die Sängerin kurz aus ("Jesus On Mars"). "Endgame" hat ein bisschen mehr Power und Energie. Und den zuckersüßen Abschluss gibt man sich gerne auch ein zweites oder drittes Mal ("Beautiful Love").


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