laut.de-Kritik
Der Sir gibt sich wieder frischer und lebensfroher.
Review von Pascal JürgensDie meisten Leute werden "Driving Rain" zu den Beatles in die Kiste stecken. Wenn man mit seinen Fans spricht, kommt etwas anderes heraus: Paul McCartney macht überwiegend Musik für "Junggebliebene". Das ist so böse zu verstehen wie es klingt. Denn wenn ich höre, "Tiny Bubble" sei ja ach so "funky", und der Opener "Lonely Road" habe schon ziemlich harte Gitarrenriffs, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Es sei denn, es werden nur die Alben des Musikers als Maßstab ansetzt, denn persönlich hat Macca sich eindeutig weiterentwickelt.
Gegenüber den letzten Produktionen "Flaming Pie" und "Run Devil Run" klingt die vorliegende CD frischer, lebensfroher und dank der neuen Crew auch experimentierfreudiger. Das zeigt sich an der Komposition des Rhythmus oder an den Instrumenten, die über Drums, Gitarre, Bass und Piano hinausgehen. Vor allem "Tiny Bubble" und "Rinse The Raindrops" lassen neue Seiten anklingen. Was natürlich trotzdem nicht zu kurz kommt, sind bewährte Balladen.
Sonderstatus genießen die auf aktuelle Ereignisse bezogenen Songs: Sowohl "From A Lover To A Friend" als auch der Bonustrack "Freedom" erschienen als Wohltätigkeits-Singles für die am 11. September zu Schaden Gekommenen. Hier zeigt sich auch die Stärke des Pop-Veteranen: Zwei Tage nach der "Freedom"-Performance auf dem New Yorker Konzert spielte er den Publikumsreißer im Studio ein.
Ich muss zugeben, "Driving Rain" geht etwas an mir vorüber, will heißen, ich kann nichts damit anfangen. Aber obwohl sich meine Organe immer noch kopfüber drehen, wenn ich Pauls "One Two Three Four Five, Let’s go for a drive" höre, gebe ich der Platte mal drei Punkte. Einer davon geht an die Opfer des 11. Septembers.
1 Kommentar
Das nenne ich mal ne Kritik: "...ich kann damit nix anfangen...", schön für dich