laut.de-Kritik
Exzellente Beats und ein Rapper in seiner Komfort-Zone.
Review von Johannes JimenoAls gebürtiger Schwabe bin ich meinen Landsmännern im Grunde wohl gesonnen, und vor allem Rin fand ich schon immer äußerst zugänglich. Er hat die Nonchalance, Cloudrap und Trap auf Deutsch unterhaltsam und überzeugend zu performen, und bleibt dabei ein sympathischer Kerl. Er fläzte sich jedoch bei den letzten Releases in seiner Wohlfühloase, probierte hin und wieder neue Einflüsse, die dann am Ende trotzdem klangen, als seien sie eine Pastiche gewisser Vorbilder, anstatt selbst etwas Neues beizutragen.
Auf "Nostalgia" ändert sich daran leider nichts. 45 Minuten homogene Klangwelten, in denen Rin über Espresso, Wälder, Gottesfürchtigkeit, Skincare, Statussymbole (vor allem Porsche 996 oder Patek Philippe) parliert, eingebettet in kurze Verse und inflationär vorkommende Wie-Vergleiche. Insbesondere an popkulturellen Referenzen arbeitet er sich ab, gut ablesbar an den Tracktiteln.
Durch sein viertes Studioalbum pulsiert eine retrofuturistische Ader, seit jeher exzellent produziert von Alexis Troy und Minhtendo. "Startup" und "Shutdown" fungieren als schöne Albumklammer, und die zwei Interludes glänzen ebenfalls: der melancholische Cyberpunk-Synthwave "Cutscene" sowie das verträumte "Are You Still Playing?" samt Field Recordings addieren eine elegante Wertigkeit.
"Inuyasha Redux" offeriert sogar einen Beatswitch, beginnend mit traurigem Trap-House hin zu Casper-eskem Indie-Rock. Diesen beiden gilt der größte Dank, da sie den perfekten Nährboden für Rins charakteristischen Vortrag bieten. Das weiß er auch und gibt in "Odyssee" zu Protokoll: "Wer hat in Deutschland so Beats? Bringe die Szene in Schock". Frenetischer, gleißender Elektro-Beat und ein gut aufgelegter Schmyt erzeugen einen extrem coolen Vibe. In eine ähnliche Kerbe schlägt das eingängige "Bladerunner".
Ebenso gelungen natürlich Deutschlands Rap-Aushängeschild OG Keemo. Dafür ertönt der Beat standesgemäß stampfend und bedrohlich, sonst bekommt man die Gravitas des Gastes nicht gebändigt. Beide erzählen von harten Geschäften und viel Arbeit, analog zum Songtitel "Redrising", der gleichnamigen Sci-Fi-Romanreihe von Pierce Brown. Reezy hingegen verkauft sich unter Wert und tritt für gefühlt ein Dutzend Wörter vors Mikro. Da wäre mehr drin gewesen im ansonsten sinister aufspielenden "Wach".
Mehr Features gibt es nicht, den Rest bestreitet der Mann aus Bietigheim-Bissingen alleine, und da gleitet er zu oft in den Autopilot: Das kauzige "CTG" (Akronym für Close to God), der zuckrige Cloudrap "Exit Through The Gift Shop", der an Zhu erinnernde House-Track "Purpurne Flüsse" oder "Nevermind", das so klingt wie der Designstil "Frutiger Aero" aussieht, demonstrieren einen Künstler, der sich vom eigenen Stil und Habitus tragen lässt, weil er weiß, es funktioniert auch so. Ich könnte die Beats hervorragend sezieren, aber Rins Texte bleiben Mittelmaß und zweckhaft. Da fehlt es an Storytelling und Vision.
Im verspulten Trap "Totoro" säuselt er beispielsweise "Ich denk an dich beim Beten / Land oder Range Rover, nichts an dir ist basic / Wäre ich im Koma, wärst du noch mein Babe". Ganz davon abgesehen, dass der ganze Song nichts mit dem Studio Ghibli Klassiker zu tun hat. Auf "Rapcity Freestyle 2.0" strahlt er tatsächlich mal Verve und Hunger aus, eine Representer-Hymne mit kleinem Augenzwinkern. Das macht Spaß und davon hätte es gerne mehr sein dürfen.
Highlighten wir lieber nochmal die Beats, denn das Produzentenduo verwendet zwei Samples. Zum einen "Saturday Love" von Cherelle & Alexander O'Neal im trippy-legeren House "Blackberry" und zum anderen "I Like" von Keri Hilson im längsten Song der Platte "Angel Eyes" mit vier Minuten Spieldauer. Samtig, breitflächig, elegante Synth-Collagen evozieren eine Nostalgie, bei der Rin ein wenig Aura farmen darf. Besonders die Line "Ey, der Teufel vor der Tür, als wär er Bofrost" erlangte auf Social Media einen gewissen Hype, da er in einem Content Piece beim Recording an genau dieser Stelle die Reaktion der Beteiligten im Studio aufnahm und alle halb ehrfürchtig, halb ungläubig in Lachen ausbrechen ob dieses lyrischen Ergusses und Rin einfach nur selbstsicher mehrfach betont "Ich weiß, ich weiß".
Dort schließt sich dann der Kreis. Rin isch un bleibt en ordentlicher Kerle, dem mer net bös sei koh un dem i gern nebbebei zuhör. Jetzet im Sommer uff em gekühlte Tannezäpfle kommt des eh subba.


2 Kommentare mit 2 Antworten
find sobald er auf rapper macht kackt er gnadenlos ab. Seine parts rapcityfreestyle und redrising sind mit das wackste was ich dieses jahr gehört habe. wie ein vierzehnjähriger der das erste mal rappt. Ansonsten paar nette beats und auch paar süsse melos. fand die single alle sehr fade. highlight ist inuyasha.
Ist mir schon beim Outro zu Planet Megatron aufgefallen. Da rappt er auch sehr uninspirierte Bars und sagt am Ende noch "So, wer hat gesagt, ich kann nicht rappen?" Da dachte ich mir auch schon, dass der Kontrast zwischen dem Autotune-Rapper Rin und dieser Variante sehr groß ist. Und seine Rap-Stimme klang auch da schon nicht so toll.
Hat er auf „yugo“ auch schon gut hingekriegt.
Junge, als Schwabe trinkt man kein Tannenzäpfle!!!