laut.de-Kritik

Eine Herausforderung für jede Aufmerksamkeitsspanne.

Review von

"Slime Language", die Dritte: Bereits seit 2018 fungiert diese Mixtape-Serie als eine Art Lookbook für die Neuzugänge bei Young Stoner Life Records. So ganz problemlos lief dieses Projekt allerdings nie ab. Zum einen, weil die Feature-Gäste und Thugger selbst seine Neulinge in den Schatten stellten, zum anderen aufgrund der ungleichen Verteilung an Auftritten unter den Signees selbst. Jetzt hat Chef Young Thug sein Label neu aufgestellt, und das Roster, das bisher an großen Namen lediglich Gunna und Lil Keed (R.I.P.) aufwies, strahlt jetzt nur so vor jungen, vielversprechenden Talenten.

Auch der dritte Teil zeigt aber, dass so einiges schief gehen kann. Zumindest treten hier jedoch nicht dieselben Fehler wie in der Vergangenheit auf. Trotzdem zunächst zu den offensichtlichen Mängeln: "Slime Language 3" ist 135 Minuten pures Chaos. 41 Tracks ohne jegliche Struktur, und ganz Atlanta auf der Feature-Liste. Teilweise weiß man nicht einmal, wer überhaupt bei YSL unter Vertrag steht und wer nicht. Alles wirkt, als sei das gesamte Tape mit der Absicht zusammengestellt worden, das Hörerlebnis extra ermüdend zu gestalten.

Das Ganze unterstützen ein paar echt beschissene Track-Ideen, beginnend mit dem Intro. "Gotta Love Us" ist ein siebenminütiger Posse Cut über einen unglaublich einschläfernden melodischen Trap-Beat. Schade, die Features sahen eigentlich ganz vielversprechend aus. So fühlt es sich aber an, als bitte Thug seine Neulinge auf die Bühne und stelle auf dem Weg dahin jedem von ihnen ein Bein.

Ebenso wenig begeistert war ich von "Øway Remix", für den Tezzus seinen Labelchef einlädt, um für einen seiner Songs einen Verse beizutragen. Der Remix bekam vor allem Aufmerksamkeit für ein Israel-Shoutout, das Thug mittlerweile zensiert hat. Haha, ja, Tel Aviv ist schwer beeindruckt. Er hätte als Wiedergutmachung mal besser seinen ganzen Part zensieren sollen.

Doch auch die Feature-Gastauftritte verschwenden einiges an Potential. "Eaters" ist ein Trauerspiel. Future und Travis Scott, die Trap-Avengers, wenn man so will, rappen hier wie Meerjungfraumann und Blaubarschbube im Ruhestand. Das Entfernen von Yeats Vers streut noch einmal Salz in die Wunde, das war nämlich der einzig gute. Vielen Dank auch!

Auch ein Klassiker: Das Feature ist unpassend gewählt. Warum braucht "Grandma's Baby", ein Song über Verluste von nahestehenden Personen, einen Verse von Detroits lustigstem Punchline-Rapper, der nichts von seinen eigentlichen Stärken widerspiegelt? Gab es nicht ... na, ja... 40 andere Möglichkeiten für Veeze?

Bei einem Tape dieses Umfangs könnte das natürlich noch eine Weile so weitergehen. Vielleicht gebe ich euch stattdessen aber etwas Sinnvolles mit, indem wir uns die Signees einmal genauer anschauen. Ich habe ja zuvor schon von ihnen geschwärmt. Vorab: Ja, auf "Slime Language 3" lernt ihr die YSL-Newcomer kennen. Aber ihr müsst es wirklich, WIRKLICH wollen. Ich werde sie euch jetzt der Reihe nach vorstellen und ein paar ihrer nennenswerten Momente aufzählen, damit ihr euch diese Arbeit sparen könnt. Klingt gut?

Beginnen wir mit Tezzus und Diamond*. Als Duo auch bekannt als Uy Scuti Boyz, sind das die meist vertretenen Gesichter auf der Tracklist, wahrscheinlich auch die exzentrischsten. Sie haben sogar ihren eigenen, nach sich selbst benannten Track. Beide kommen aus einer gemeinsamen Crew namens ØWAY und bringen ihre Crewkollegen Pz', Lil Righteous und Sk8star für ein paar Auftritte als +1 auf dieses Tape mit.

Ich mag die beiden, weil sie zwei von Thugs besten Eigenschaften verkörpern und amplifizieren. Tezzus ist sowas wie die Kreativität und chaotische Energie. Ich kann euch Songs wie "Aubrey" oder "Jeffery Williams" von seinem letzten Tape "The Resurrectiøn" nur ans Herz legen, dort zeigen sich diese Stärken besonders gut. Auf "Slime Language 3" gibt es allerdings auch eine Menge starker Tezzus-Performances, beispielsweise auf "Cha Ney Ney", "NaNaNa" mit Sk8star und Diamond* oder dem Posse Cut "Bvlgari".

Diamond* dagegen glänzt mit Vielseitigkeit und einem Händchen für catchy Melodien. Auch er hat dieses Jahr mit seinem Mixtape "Bling Slime Vøl. 1" einen soliden Effort präsentiert und ist hier reichlich vertreten. Egal, ob auf "Tezzus & Diamond*" als schlagkräftiges Uy Scuti Boyz-Tag-Team an der Seite von Quavo, einem ruhigen, melodischen Cut wie "Losing Sleep" mit Yume, oder über Synth-lastigen Rage auf dem eben erwähnten "NaNaNa": Diamond* gibt mit die beste Figur auf "Slime Language 3" ab.

Mit nur zwei Features wirkt Yume wie ein unscheinbarer Pick unter den Neulingen, könnte sich jedoch in Zukunft als YSLs Geheimwaffe herausstellen. Sie ist gerade einmal 18 Jahre alt und hat bereits im Alter von 13 an Hits wie Young Thugs "Go Crazy" und Drakes "IMY2" mitproduziert. Ihre atmosphärischen Vocals auf "Losing Sleep" mit Diamond* und "YSL" mit Thug sind, wie gesagt, ihre einzigen Beiträge zu diesem Tape, die solltet ihr euch trotzdem auf gar keinen Fall entgehen lassen. In ihrem Fall kann ich nicht einmal auf das Werk als Solokünstlerin hinweisen, da sie bis auf ein paar Singles noch gar nichts unter eigenem Namen veröffentlicht hat. Seht es als frühes Investment, sie ist definitiv "Up Next".

1300Saint und Iyrus verdanken wir ebenfalls das ein oder andere Highlight auf diesem Tape. Saint kann sehr Hit or Miss sein, hat mich aber bereits mit seinem Solo-Projekt "Savior: +++" von sich überzeugt. "Say Dat" und "Stole It From Us" hitten. Iyrus ist mit seiner tiefen, stellenweise an Future erinnernden Stimme ebenfalls auf beiden Tracks vertreten und liefert auch auf "Bvlgari" einen mehr als passablen Beitrag ab. Zu guter Letzt haben wir mit Biggs Money noch einen klassischen Trapper. Ich empfehle "Mob Guys" mit Quavo und "Myself".

Das sollte fürs erste einen ganz guten Überblick verschaffen. Wer sich aufgrund kompletter Selbstüberschätzung der eigenen Aufmerksamkeitsspanne der Herausforderung stellt, diesen formlosen Brei an Tracks zu durchsuchen, findet dabei einige Perlen. Schlussendlich täuschen nämlich auch die Fehltritte nicht darüber hinweg, dass Young Thug als A&R gleich eine Handvoll Volltreffer gelandet hat, die uns in Zukunft sicher noch häufiger begegnen werden.

Trackliste

  1. 1. Gotta Love Us (feat. Bslime, Tezzus, Diamond*, Pz')
  2. 2. ØWAYSL (feat. BSlime, Tezzus, Sk8star, Rob49)
  3. 3. What's Up Mami (feat. Tezzus, Biggs Money)
  4. 4. Mob Guys (feat.Quavo, Biggs Money, Lil Unky)
  5. 5. Function (feat. Lil Unky)
  6. 6. Club Outside (feat. Lil Baby)
  7. 7. Wait For It (feat. Papito El Franklins, BSlime)
  8. 8. Eaters (feat. Travis Scott, Future, Tezzus)
  9. 9. Grandma's Baby (feat. Bslime, Veeze)
  10. 10. Black Friday (feat. Lito the Plug)
  11. 11. Myself (feat. Biggs Money)
  12. 12. Ønly Øway (feat. Skrilla, Tezzus, RundownZay)
  13. 13. Hood Of Atlanta (feat. Tezzus, Diamond*)
  14. 14. Øway Remix (feat. Tezzus)
  15. 15. YSL (feat. Yume)
  16. 16. Crocodile Skin (feat. Bslime, RundownZay)
  17. 17. Tezzus & Diamond* (feat. Quavo, Tezzus, Diamond*, Cash Cobain)
  18. 18. Shawty Shawty (feat. HittMan)
  19. 19. Biggest Since Michael Jack (feat. Jorjiana, Lito the Plug, Sk8star)
  20. 20. We Dead (feat. Trippie Redd, Papito El Franklins)
  21. 21. Bvlgari (feat. Iyrus, Tezzus, Lito the Plug, Biggs Money, Yung Kayo, Lil Unky)
  22. 22. Believe That (feat. Pz', Lil Unky, Iyrus)
  23. 23. Cha Ney Ney (feat. Tezzus, Diamond*)
  24. 24. Consummate (feat. 1300Saint, Tezzus)
  25. 25. Tonight (feat. Diamond*, 1300Saint)
  26. 26. NaNaNa (feat. Tezzus, Sk8star, Diamond*)
  27. 27. Say Dat (feat. 1300Saint, Iyrus)
  28. 28. Baddies (feat. Biggs Money, Cash Cobain)
  29. 29. Birthday (feat. Bay Swag, Cash Cobain)
  30. 30. Switch Up (feat. Mariah the Scientist, Lil Unky, Bslime)
  31. 31. Weird (feat. Biggs Money, Lil Unky)
  32. 32. Freaky Girl (feat. Iyrus, Diamond*)
  33. 33. Bounce It (feat. Biggs Money, YKNiece)
  34. 34. Snakes On My Collar (feat. Diamond*, Lil Keed)
  35. 35. Stole It From Us (feat. Tezzus, 1300Saint, Iyrus, Diamond*)
  36. 36. Fernando Mendoza (feat. Tezzus, Sk8star, Lil Unky)
  37. 37. Countin Up (feat. Lil Righteous)
  38. 38. Skyami (feat. Tezzus, Yung Kayo, Lito the Plug)
  39. 39. Lil Bruh (feat. Biggs Money)
  40. 40. Losing Sleep (feat. Yume, Diamond*)
  41. 41. What It Do (feat. Unfoonk)

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