laut.de-Kritik
Der Breakdown sitzt, die Ansprache nicht.
Review von Emil DröllNach ihrer Debüt-EP hielten sich Southpaw mit einzelnen Singles über Wasser, gerade genug, um das Debütalbum "The Standard" auf dem Schirm zu behalten. Und darauf geht es weiter wie gewohnt: präsenter Bass à la Kublai Khan, eine gute Portion Prügelei nach Terror, Gangshouts im Stil von Hatebreed und moderne Einflüsse von Fox Lake oder Knocked Loose.
Bereits der Opener "Rolling Stone" zeigt die Post-Hardcore-Schlagseite der Band. Daryn LaMontagne setzt sich mit seinem Gesang klar von den üblichen Tiefton-Gröhlern des Genres ab, und genau deshalb funktioniert das so gut. Musikalische Ausnahmekunst sollte hier dennoch niemand erwarten. Beatdown lebt schließlich selten von Neuerfindungen, auch hier läuft vieles nach Schema F. Ausnahmsweise spricht das allerdings eher für Authentizität, schließlich gehört das Genre nicht gerade zu den lukrativsten Spielwiesen.
"Run Game" legt noch eine Schippe drauf. Die Beatdowns sitzen, kommen nicht immer auf Ansage, und die Gangshouts werden angenehm dosiert eingesetzt: genug, um Druck aufzubauen, aber nicht so viele, dass alles in den überambitionierten Produktionsstandards versinkt. "TTG" und "Nail In The Coffin" prügeln konsequent weiter durchs Programm, ehe "The Gavel" gegen Ende noch einmal schwer auffährt und erneut kompromisslos auf die Zwölf geht.
"Torches" greift zur Cowbell und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Dass auf "The Path" ausgerechnet der nach seiner Haftentlassung zurückgekehrte Eric Ellis als Gast zu hören ist, dürfte andernorts durchaus Fragen aufwerfen. Da Southpaw jedoch ohnehin kompromisslos auf den Badass-Faktor setzen, passt das letztlich ins Gesamtbild.
Bei "Play The Fool" machen sich dann erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Wirklich unangenehm wird es allerdings bei "The Standard". Statt eines Titeltracks gibt es eine fast vierminütige Motivationsrede darüber, was auf dem steinigen Weg alles verloren ging. Geld, Drogen, Beziehungen, ja, ja. Das soll pathetisch sein und ist es auch. Funktioniert live vielleicht als Ansage zwischen zwei Songs. Auf Platte ist es dagegen ein maximal unangenehmer Fremdkörper, erst recht als Titeltrack.
Zum Abschluss räumt "DTWD" noch einmal ordentlich auf. Der härteste Song des Albums fetzt, scheppert und macht genau das, was er soll.
Am Ende zeigen Southpaw, dass sie zu den vielversprechenderen Newcomern des modernen Hardcore zählen könnten, wenn sie den Szene-Film etwas zurückfahren würden. Einige Songs haben enormes Potenzial, andere bleiben eher Durchschnitt. Und die vierminütige Selbstbeweihräucherung sorgt letztlich eher für Fremdscham als für den erhofften Badass-Moment.


1 Kommentar
Südpfote ist ein echt niedlicher Name, diesen Hardcore Bois sollte du Nachts nicht auf den Streets begegnen