laut.de-Kritik

Aggro-Debüt zwischen Oldschool-Speed/Thrash und Black Metal.

Review von

Im Jahr 1989 suchte ein 14-Jähriger im Blind-Guardian-Shirt in Dänemark nach den ersten Alben von D.A.D. – "Call Of The Wild" und "D.A.D. Draws A Circle". Seit jenen Tagen ist stets ein Sweetspot im Herzen reserviert für Bands aus dem benachbarten Königreich, deren Musik häufig von Humor, Ungestümtheit und Freiheitsträumen geprägt ist.

So auch bei Speedslut. Das junge Quartett um Sänger und Gitarrist Frederik Klitte stammt aus Aalborg in Nordjütland und setzt auf seinem Debüt "Cimbrian Rites" auf rohen Oldschool-Speed-Metal, der, getrieben von Klittes aggressiven Growls, tief im Black Metal surft. Warum gelangen jedoch gerade Speedslut mit diesen altbekannten Stilmitteln so schnell zu überregionaler Bekanntheit und einem Plattendeal? Immerhin dauerte es nach der Gründung 2023 nur zwei Jahre bis zur EP "Ferocity Of Steel" und ein weiteres bis zum Debüt "Cimbrian Rites".

Die Antwort kennt nur der Wind – oder die ersten drei Tracks, angefangen mit dem Opener "Pestridden Stallions". Die beiden Gitarristen – Klitte und Tomas Dikinis an der Leadgitarre – zelebrieren technisch hochwertig und musikalisch erstaunlich gereift Riffs, Breaks und Soli und klingen trotzdem so räudig wie eine betrunkene Kellerband aus talentierten Schulabbrechern.

Das klare Alleinstellungsmerkmal von Speedslut ist jedoch der Gesang. Klitte erinnert mit seiner existenziellen Intensität und Klangfarbe an einen irren Mix aus einem jungen Tomas Lindberg von At The Gates, Overkills Blitz und Lou Koller von Sick Of It All. Ein Nackenbrecher wie "Asbestos Born Wrath" liefe auch wunderbar und problemlos in einem Hardcore/Punk-Club. Das Solo dauert nur wenige Sekunden, und die Midtempo-Parts zaubern zufriedene Gesichter in den Slamdance-Pit.

"Dark Night Riders" führt das insgesamt 35-minütige Kopfschüttel-Aggro-Fest gnadenlos fort und veredelt den bekannten Sound mit kräftigen Gangshouts. Die übertriebenen und daher nicht ganz ernst zu nehmenden Texte über finstere Riten, Untergang und das Böse per se bilden die Brücke zum Black Metal bzw. zur heimischen Szene. Gerade in jüngster Zeit prägen Bands aus den extremeren Metal-Spielarten wie Afsky, Heltekvad, Konvent oder Nakkeknaekker den dänischen Underground.

Musikalisch bewegen sich Speedslut jedoch meistens im Speed- und Thrash-Metal. "Into The Grave" ist zum Beispiel ein astreiner Genrebeitrag. Eine leicht melodische Gitarrenführung und ein für Speedslut-Verhältnisse hymnischer Refrain sorgen für erste Lichtstrahlen im Dunkel der Dünen – weitere folgen.

"No One Escapes Death" groovt teilweise wie Judas Priest zu besten Zeiten. "Stench Of Evil" stampft und mosht, als wäre die Bay Area zum Wellenreiten in Hirtshals zu Besuch. Bei "Armageddon" legt ein klassisches Achtziger-Riff den Grundstein, und zwischenzeitlich wird sogar galoppiert. Herrlich.

Trotz der bekannten Grundzutaten in Sachen Gesang und Gitarren erreicht die Band immer dann ein neues Level, wenn sie ihren Sound sanft erweitert und ausdifferenziert. Von den Headbangern aus dem hohen Norden darf man noch einiges erwarten.

Apropos Erwartungen: Meine wurden damals bei der Suche nach den D.A.D.-Raritäten ebenfalls erfüllt. Gar nicht weit von Aalborg entfernt fand ich die Werke in einem verrauchten Laden in Løkken. Nach dem Verkauf von mehreren Tausend CDs stehen nur noch 50 ausgesuchte Meilensteine im Regal. Diese beiden gehören dazu.

Trackliste

  1. 1. Pestridden Stallions
  2. 2. Asbestos Born Wrath
  3. 3. Dark Night Riders
  4. 4. Into The Grave
  5. 5. No One Escapes Death
  6. 6. Stench Of Evil
  7. 7. Armageddon
  8. 8. Whores Of Speed
  9. 9. Cimbrian Rites

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