laut.de-Kritik
Dreampop für den entspannten Roadtrip in schwüler Hitze.
Review von Kerstin KratochwillDie Luft flirrt und wird langsam: Ja, "Slow Air" ist der perfekte Titel für das mittlerweile vierte Album des Dreampop-Duos Still Corner aus London. Bereits der Eingangstrack "In The Middle Of The Night" zieht einen in diese hypnotische schwüle Atmosphäre hinein, die man ansonsten in Perfektion nur von Mazzy Star kennt.
Doch Tessa Murray und Greg Hughes zuckern diesen schwermütigen Sound zusätzlich noch mit Synthies und süßen Erinnerungen an den Eighties-Pop. Aufgenommen haben die beiden das Album in Austin. Zuvor bereisten sie die Wüstengebiete von Texas und Arizona, entspannten an den Stränden Kaliforniens und betrachteten die Gebirgsketten im Nordosten bei New York.
Aus diesen Eindrücken entstand dann eine Art Reisemusik, ein Roadmovie für die Ohren, das am besten auf Tape in ein altes Kassettendeck im Auto geschoben wird, und mit dessen Tracks wie "Welcome To Slow Air", "Black Lagoon" oder "Dreamlands" Reistestationen abgefahren werden, die ein verschlafener David Lynch inszeniert haben könnte.
Pitchfork nannte die Musik von Still Corners einst "nouvelle-vague-nodding retro-cool". In dieser Welle schwimmen Bands wie Chromatics, Beach House, Craft Spells oder Wild Nothing mit, die allesamt geradezu dunstige Musik machen, ein bisschen Vintage-Feeling verbreiten, aber zugleich ziemlich zeitgemäß in ihrer unterkühlten Art sind, die Welt zu betrachten. Still Corners ist mit "Slow Air" ein weiteres solches Zeitzeugnis geglückt: Zeitlupenpop, der zwischen Selbstbezogenheit und Eskapismus changiert.
2 Kommentare
Auf diese Album habe ich die letzten 15 Jahre bei Air gewartet!
Schönes Album, aber ich komme über die erste Zeile in "Sad Movies" nicht hinweg. "Sad Movies Make Me Cry / I Don't Know Why." Ich mag mich ja nicht einmischen, aber ich hätte da eine grobe Idee.