laut.de-Kritik
Hardcore im Metalstudio.
Review von Emil DröllLionheart nehmen ihre Unentschlossenheit offenbar mit ins Jahr 2026. Ein bisschen Post-Hardcore-Attitüde, ein bisschen Beatdown-Klauberei, dazu ein ordentlicher Schuss Metal-Produktion. Fertig ist ein Album, das vor allem eines ist: laut. "Valley Of Death II" bringt viel Loudness und sehr wenig Dynamik.
Dabei verkörperten Lionheart einmal genau das, was sie bis heute beschwören: Westcoast-Aggrotum, roh, gefährlich, direkt. Mit "Valley Of Death II" treiben sie diesen Anspruch jedoch endgültig in den Strudel der Belanglosigkeit. Das Album kommt mit extrem lautem Mastering, massivem Editing und einer Produktion, die jeden Anflug von Dreck sofort glattbügelt.
Das Problem wird bereits beim Opener "Bulletproof" deutlich. Der Song startet ohne Vorwarnung und erschlägt einen ebenso schnell. Die Drums sind klinisch sauber, die Gitarren eine geschlossene Wand, die Gangshouts wirken mehr nach Chorprobe als nach Bedrohung. Man weiß sofort: Live würde das scheppern. Auf Platte hingegen klingt es, als hätte jemand im Studio sämtliche Regler auf Anschlag gedreht und gehofft, dass Aggression von allein entsteht.
"Chewing Through The Leash" holt sich mit Kublai Khan prominente Unterstützung ins Boot. Gerade nach ihrer letzter Single "The Mountain Of Corsicana" keimt kurz Hoffnung – und tatsächlich: Der Track funktioniert besser. Die Gitarre steht stellenweise allein, die bellenden Gangshouts klingen endlich so, wie sie müssen.
Wäre da nicht das omnipräsente "Oh yeah", das sich wie ein Werbejingle durch den Song zieht. Ein unnötiges Stilmittel, das jede Bedrohung sofort relativiert. Ohne diese grenzenlos ausgeschlachtete Hook wäre hier ein echter Banger entstanden, zumal das letzte Drittel in eine reine Kublai Khan-Demonstration ausartet. Matt Honeycutt übernimmt das Mikro, bringt den Bass mit und serviert puren Beatdown. Kurz blitzt auf, was möglich gewesen wäre.
Auch "Ice Cold" entzieht sich dem glatten Opener zumindest teilweise. Der Track punktet stellenweise mit Reduktion, ein rares Gut auf diesem Album. Der Titeltrack "Valley Of Death II" explodiert dagegen erneut im absoluten Überfluss. Instrumente, Leadgesang und Gangshouts verschmelzen zu einer einzigen, undifferenzierten Masse. Der erste Teil der Reihe war hier deutlich fokussierter und wirkungsvoller.
"No Peace" beginnt wie der Trailer zu einem dystopischen Horrorfilm. Rob Watson spricht über ein düster pulsierendes Playback: atmosphärisch, bedrohlich, effektiv. Der stärkste Track des Albums, weil er sich traut, nicht alles gleichzeitig zu sein.
Danach folgt mit "Roll Call" der Tiefpunkt: "Where my dogs at?" / "We are right here". Was mit "Salt The Earth" folgt, wiederholt leider die Fehler des Openers: Ab Sekunde eins ergießt sich der Song über sich selbst. "Release The Dogs" macht nahtlos weiter.
Erst "In Love With The Pain" bringt wieder Groove ins Spiel. "Death Grip", featuring A Day To Remember, schlägt schließlich ebenfalls in diese Kerbe. Überraschend: Bass und Gitarre sind hier klarer getrennt, die Härte wirkt wieder kontrolliert statt erdrückend. Zu spät, aber immerhin.
"Valley Of Death II" führt konsequent den bereits eingeschlagenen Weg fort: weg vom dreckigen Westcoast-Hardcore, hin zur modernen Metalcore-Produktion. Laut, sauber, kontrolliert und damit erstaunlich ungefährlich. Lionheart wollen brutal klingen, vergessen dabei aber, dass Brutalität nicht aus Lautstärke entsteht, sondern aus Reibung, Raum und Risiko. Davon bleibt hier zu wenig übrig.


2 Kommentare
Naja mal reinhören wird schon gehen, die Metalcore-Richtung geht immer.
Der Bandname ist so arg unkreativ, aber was solls.
Insgesamt ist der Befund eher ernüchternd
Hm, naja, fand das auch eher mau. Dabei mochte ich die früher ganz gerne. Love don´t live here, und vor allem die Welcome To The Westcoast II konnte ich mir in der richtigen Stimmung schon gut geben. Der erste Valley Of Death Teil war auch noch ganz gut.
Das hier is aber echt nix. 2/5 gehen klar.