laut.de-Kritik
Theatralik, Überladenheit und Redundanz.
Review von Emil DröllWährend "Idols I" noch als Yungbluds "kühnstes und ambitioniertestes Werk" verkauft wurde, soll der zweite Teil nun der Moment sein, "in dem er erkennt, dass er lebt und dass die Reise, auf der er sich befindet, ihn nicht umgebracht hat". Eine Aussage, die tief klingen möchte – vor allem aber nebulös bleibt.
Nun liegt er also vor, der zweite Teil des hoch angepriesenen Doppelalbums "Idols (Complete)". Man könnte erwarten: künstlerische Weiterentwicklung, ein ausgeklügelter Spannungsbogen, vielleicht sogar Katharsis. Oder man könnte vermuten, dass hier schlicht ein zweiter Aufmerksamkeitszyklus für ein ohnehin massiv beworbenes Projekt generiert wird. Die Wahrheit liegt, wenig überraschend, näher bei Letzterem.
Der zweite Teil umfasst gerade einmal sieben Tracks und fällt damit deutlich schlanker aus als sein Vorgänger. Schlanker bedeutet hier allerdings nicht fokussierter. Stattdessen setzt sich die Odyssee aus Theatralik, Überladenheit und Redundanz unbeirrt fort.
Bereits "I Need You (To Make The World Seem Fine)" strapaziert mit Lowtempo-Akustikgitarre und dem obligatorischen Idol-Motiv die Geduld. Selbstfindung, Unsicherheit, Projektion. Es sind die immergleichen Schlagworte, die in Endlosschleife durchdekliniert werden. Inhaltlich wie musikalisch dreht sich alles im Kreis. Man beginnt sich zu fragen, ob Yungblud wirklich nur dieses eine Thema hat und ob er es jemals aus einer neuen Perspektive betrachten möchte.
"The Postman" versucht es mit einer lebensbejahenderen Melodie, bleibt aber im wohl bekannten Gemisch aus Pop und Softrock hängen. Nett, glatt, ohne Folgen.
Mit "Zombie", diesmal im Duett mit den Smashing Pumpkins, wird der Vogel endgültig abgeschossen: Dass selbst Genre-Instanzen es nicht schaffen, einen Mehrwert zu liefern, spricht Bände. Der Song klingt nicht nur vertraut, sondern regelrecht vorbelastet – was auch daran liegt, dass man ihn in ähnlicher Form bereits auf der ersten Hälfte gehört hat. Die Duett-Version bleibt generisch und erstaunlich spannungsarm.
In "Time" steht Yungblud alleine nur mit seiner Stimme und Akustikgitarre im Raum – eine echte Chance auf Reduktion, Intimität und vielleicht Ehrlichkeit. Stattdessen schwankt der Brite zwischen geflüsterter Verletzlichkeit und ansatzlosem Losplärren. Ein Song mit Potenzial, der an mangelnder Selbstdisziplin scheitert.
"War Pt. II" hingegen wächst tatsächlich über seinen Vorgänger hinaus. Endlich eine Songstruktur, die nicht nur auf maximale Emotionen setzt, sondern mit Dynamik arbeitet. Auch "Blueberry Hill" bringt etwas Abwechslung ins Spiel und bleibt der stärkste Moment dieser zweiten Hälfte.
"Suburban Requiem" beschließt das Doppelalbum schließlich im gewohnten Maximalmodus. Am Ende bleibt die schlichte Erkenntnis: Dieses Projekt hätte kein Doppelalbum gebraucht. Das Konzept bleibt zu vorhersehbar, das Thema zu dünn, die musikalische Palette zu begrenzt. Yungblud inszeniert sich weiterhin zwischen Idol-Verehrung und Idol-Zerstörung und präsentiert doch nur den immer selben Mix aus Pop, Emo und Softrock.


1 Kommentar
Darf ich mir die Headline für meinen Grabstein klauen? Bitte, bitte!