laut.de-Kritik
Willkommen im Land der Liebe.
Review von Marie PütterEs ist angenehm, ein Album zu hören, das nicht ständig von der Suche nach dem ewigen Glück, der großen Liebe oder irgendwelchen endgültigen Antworten erzählt. "Loveland" interessiert sich für den Moment, in dem man merkt, dass man tatsächlich glücklich ist – und sich fragt, wie es eigentlich dazu gekommen ist. Suki Waterhouse klingt nicht, als würde sie noch irgendwo hinwollen. Sie klingt, als wäre sie angekommen. Nicht an einem konkreten Ort, sondern in dem Zustand, den sie selbst als "Loveland is a place where I arrived within myself" beschreibt.
Dass sie musikalisch nicht mehr dort steht, wo sie mit dem viralen Dream-Pop-Hit "Good Looking" gelandet war, wird schnell deutlich. Während dieser Song noch stark an die Klangwelt von Acts wie Beach House erinnert, öffnet sich "Loveland" deutlich weiter. Hier treffen 90er-Britpop-Rhythmen auf Classic-Rock-Piano, psychedelische Gitarren auf Gospel-Chöre und Soul-Bläser.
Schon der Einstieg "Back In Love" setzt den Ton. Mit Gospel-Anleihen, Bläsern und einer großen Portion Pathos feiert Waterhouse die Tatsache, wieder verliebt zu sein. "I'm loving my lust for life, turning the dark to light / Happiness hits me when I'm back in love again".
"Any Man" strotzt vor Selbstbewusstsein und kokettiert mit einer charmanten Arroganz. Wenn Waterhouse singt: "I haven't met one who can resist it / The model, the athlete, the stupid musician", wirkt das trotzdem weniger eingebildet als augenzwinkernd. Schließlich blickt sie tatsächlich auf eine Vita zurück, die von Schauspiel, Modeln bis zur Musik reicht. Der treibende Beat macht den Song zu einem der energetischsten Momente der Platte.
Bei "Morals" sitzt Mick Fleetwood am Schlagzeug – eine Verbindung, die auf mehreren Ebenen passt. Waterhouse spielte in der Serie "Daisy Jones & The Six" die Keyboarderin Karen Sirko, Mitglied einer fiktiven 70er-Rockband, deren Geschichte stark von der Ära und Dynamik von Fleetwood Mac inspiriert ist. Dass ausgerechnet Fleetwood auf einem Album auftaucht, das immer wieder mit klassischen Rock-Sounds arbeitet, wirkt deshalb wie ein kleiner Kreis, der sich schließt.
Der Song beschäftigt sich mit dem Gefühl, ein öffentliches Leben zu führen und trotzdem einen privaten Rückzugsort bewahren zu wollen. "But there's people outside of our home / Guess I can't say that I'm lonely" beschreibt eine ständige Begleiterscheinung von Aufmerksamkeit. Gerade seit der Geburt ihrer Tochter sei diese noch einmal größer geworden.
Mein persönlicher Höhepunkt ist "Notting Hill". Der Song ist eine melancholische Erinnerung an London und an eine Wohnung, in der Waterhouse einen wichtigen Teil ihrer Zwanziger verbrachte. "I think of London all the time" - sie erzählt von einer Wohnung mit Matratze auf dem Boden, Zigaretten und Chaos – einem Ort voller Wachstum, schwieriger Momente und Erinnerungen. Es geht um einen Lebensabschnitt, den sie hinter sich gelassen hat, ohne sich je richtig verabschieden zu können.
"Loveland" ist kein Album über den großen Neuanfang und auch keine musikalische Neuerfindung. Es ist eher eine Momentaufnahme einer Künstlerin, die sich nicht mehr auf der Suche befindet. Suki Waterhouse erzählt davon, wie es sich anfühlt, wenn nicht plötzlich alles perfekt wird – aber vieles plötzlich richtig. Vielleicht ist Loveland deshalb weniger ein Ort als ein Zustand: ein Moment, in dem man merkt, dass man angekommen ist.
Man muss es ihr lassen: Es gehört schon ein gewisses Selbstbewusstsein dazu, ein Album darüber zu machen, wie schön das Leben gerade ist. Die Frau hat eine Modelkarriere, Hollywood-Erfahrung, einen berühmten Schauspieler Partner und eine eigene Familie – und singt trotzdem nicht wie jemand, der uns davon überzeugen muss, dass alles perfekt ist. Eher wie jemand, der selbst ein bisschen überrascht davon ist.


Noch keine Kommentare