laut.de-Kritik

Das Feuer der wilden Siebziger brennt nur kurz.

Review von

Vor stolzen 53 Jahren bewies Suzi Quatro mit ihren beiden Hit-Singles "Can The Can" und "48 Crash", dass im wilden Rockzirkus nicht nur männliche Dompteure die Peitsche schwingen können. Mit viel Leder auf der Haut und einem wummernden Viersaiter in den Händen röhrte sich die gerade einmal 1,53 Meter große Sängerin aus Detroit bis an die Charts-Spitze. Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat die mittlerweile 75-jährige Suzi Quatro immer noch Hummeln im Hintern.

Getrieben von unbändiger Energie, nicht totzukriegendem Optimismus und dem "Geist des Individualismus" packt die nimmermüde Amerikanerin auf ihrem 19. Studioalbum "Freedom" noch einmal die Hardrock-Keule aus. Gemeinsam mit ihrem Sohn L.R. Tuckey, der auf dem Album nicht nur als Produzent, sondern auch als Co-Writer und Gitarrist fungiert, fokussiert sich Suzi Quatro konsequent und mit Tunnelblick auf den klassischen Hardrock der Seventies.

Der Start glückt mit einem flotten Titeltrack, der sich auch auf einer älteren AC/DC-Scheibe gut gemacht hätte. Nach quirligem Boogie-Rock schalten Suzi Quatro und ihre Begleitband einen Gang zurück. Mit der Cowbell und einem kräftigen Riff-Fundament begeistert Suzi Quatro vor allem all jene, die noch immer von einem dritten Juliette-And-The-Licks-Album träumen ("Little Miss Lovely"). Der Anfang ist gemacht. Der Einstieg überzeugt und macht Lust auf mehr.

Leider können die Verantwortlichen das Niveau aber nicht halten. Schon beim dritten Song schwächeln nicht nur Quatros Stimmbänder. Auch die Qualität des Songwritings nimmt rapide ab. Weder auf den Spuren der Stones wandelnd ("Choose Yourself"), noch im Bluesrock-Modus ("Goin' Down") reißen die Songs den Hörer mit. Irgendwie plätschert alles so dahin. Der komplette Hauptteil des Albums hinterlässt so gut wie keine Spuren, was auch daran liegt, dass einfach keine Refrain-Idee wirklich zünden will ("Here's My Boots", "Nobody Held My Hand", "Shakedown").

Erst als alles schon verloren scheint und der Cursor in Richtung Stopp-Button wandert, erinnern sich Suzi Quatro und ihre Band noch einmal an die Stärken des Einsteiger-Duos. "Kick Out The Jams, Motherfucker!", krakelt die Sängerin ins Mikro. Ein paar Sekunden später gesellt sich Alt-Schockrocker Alice Cooper im MC5-Shirt dazu.

Angestachelt vom kultigen Riff des Klassikers lassen es alle Beteiligten zum Ende hin noch einmal ordentlich krachen. Ach ja, die guten alten Zeiten. Suzi Quatro und Alice Cooper waren einst mittendrin statt nur dabei. Man hört und staunt. So viel Energie. Schade, dass man für diese Power und Spielfreude so lange ausharren musste.

Trackliste

  1. 1. Freedom
  2. 2. Little Miss Lovely
  3. 3. Choose Yourself
  4. 4. Goin' Down
  5. 5. Hanging Over Me
  6. 6. Here's Ya Boots
  7. 7. Can't Let It Go
  8. 8. Nobody Held My Hand
  9. 9. Shakedown
  10. 10. Take It Or Leave It
  11. 11. Woman's Song
  12. 12. Kick Out The Jams

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Suzi Quatro

Susan Kay Quatro - mit so einem Namen ist die Rock-Karriere schon fast vorgegeben. Dennoch ist im Jahr ihrer Geburt 1950 nicht im geringsten abzusehen, …

Noch keine Kommentare