laut.de-Kritik

Die Finnin nähert sich der Symphonic Rock- und Metal-Spitze.

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Tarjas letztes Studioalbum "In The Raw" liegt mittlerweile sieben Jahre zurück. Danach gab es reichlich Nachschlag in Form von Live-Platten und Weihnachtsalben sowie eine Best-Of. Nun legt die Finnin mit "Frisson Noir" laut eigener Aussage ihr bislang härtestes Werk vor. Textlich setzt sie sich mit Identität, Zugehörigkeit und Kraft auseinander.

Das Titelstück baut sich nach einem kurzen, instrumentalen "Intro" mit kunstvollen Pianoklängen und elektronischen Elementen behutsam auf. Diese stammen von Bart Hendrickson, der schon in der Vergangenheit mit Tarja zusammengearbeitet hatte. Danach legt es aber an Härte zu, kongenial begleitet vom Budapest Art Orchestra und dem Budapest Art Choir. Leider fällt der matschige Sound, der sich durch die gesamte Platte zieht, bei so einem ambitionierten Projekt ziemlich negativ ins Gewicht. Wer Wert auf guten Klang legt, sollte gleich zur Vinyl greifen.

"The Eternal Return" treibt mit kernigen Riffs hardrockig nach vorne, während arienartige Vocals nicht zu kurz kommen. Was die stimmliche Bandbreite angeht, macht der Finnin kaum jemand etwas vor. "Leap Of Faith" stellt ein sinfonisch rockiges Duett dar, bei dem Tarjas gefühlvolles Sopran und das Reibeisenorgan vom Ex-Kollegen Marko Hietala wunderbar miteinander harmonisieren, während das Orchester und der Chorgesang zusätzlich für Gänsehaut sorgen.

"At Sea" siedelt sich eher im Midtempo an und lässt sich für den Spannungsaufbau viel Zeit, versprüht jedoch gegen Ende mit Klaviertönen von Niklas Pokki und Geigensounds von Mervi Myllyoja eine Menge Seemannsflair. Insgesamt tritt der Gesang der Finnin zugunsten virtuos gespielter, traumhafter Instrumentalpassagen etwas in den Hintergrund.

Leider mutet "Blaze Forever" zu generisch an, um mitzureißen. Der Track könnte problemlos auf einer härteren Rockradiostation laufen, ohne großartig aufzufallen. Etwas mehr Eigenständigkeit und Charakter bekommt man wieder in "The Trace Outlives" geboten, das japanische Langhalslautenklänge, gespielt von Sayo Komada, durchziehen. In "Tango" bittet Tarja zusammen mit Apocalyptica zum Tanz, wobei man gegen Ende auch ein längeres Cello-Solo geboten bekommt.

In der Ballade "Anemoia" schweigen dagegen harte Riffs, auch wenn wieder Cello-Töne zum Einsatz kommen, die diesmal Valter Freitas spielt. Jedoch stehen mehr die Flamenco-Sounds von Julián Bedmar im Vordergrund, so dass man den Eindruck hat, dass das etwas luftigere Psybient-Projekt der Sopranistin, Outlanders, ein wenig auf die Scheibe abgefärbt hat. Auf jeden Fall eine gelungene Überraschung, gekrönt vom sehnsuchtsvollen, wunderschönen Gesang Tarjas.

Bei "I Don't Care" handelt es sich um ein Duett mit Dani Filth von Cradle Of Filth, der mit seiner etwas schwachbrüstig aufgelegten Stimme jedoch große Mühe hat, ansatzweise mit der Finnin mitzuhalten. "Against The Odds" bildet ein episches Finale, das von Tarjas emotionaler Stimme, von filmmusikalischen Streichern sowie getragenen Saiten-Klängen und den Drums von Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) lebt. Mit dem kurzen Outro schließt sich der Kreis.

Bisher hatte man bei Tarja immer das Gefühl, dass der ganz große Wurf ausblieb, da die Musik auf ihren Alben immer etwas zu konventionell und zu gefällig ausfiel. Der gelingt ihr mit "Frisson Noir" aufgrund mancher Schönheitsfehler nicht ganz. Jedoch nähert sie sich mit dem Werk der Symphonic Rock- und Metal-Spitze an.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Frisson Noir
  3. 3. The Eternal Return
  4. 4. Leap Of Faith
  5. 5. At Sea
  6. 6. Blaze Forever
  7. 7. The Trace Outlives
  8. 8. Tango
  9. 9. Anemoia
  10. 10. I Don't Care
  11. 11. Against The Odds
  12. 12. Outro

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