laut.de-Kritik
Ein Album mit zwei Gesichtern.
Review von Emil DröllDass bei Post-Hardcore-Gruppen älteren Kalibers gern mal das zu Tode produziert wird, was vor 20 Jahren noch als auf Tonträger gepresste unkontrollierte Ausrast-Eskapade durchging, ist inzwischen eher Regel als Ausnahme – ein ziemlich trüber Spiegel der Zeit. Die letzten beiden Alben von Terror konnten sich dieser Entwicklung überraschend gut entziehen. Gerade "Pain Into Power" punktete mit einem altbackenen Sound, der auf seine Weise noch überraschend kredibel wirkte und immer wieder an das überragende Debüt "Lowest Of The Low" erinnerte.
Schon bei "Erase You From My World" wird auf "Still Suffer" allerdings schmerzhaft klar, wohin die Reise diesmal geht. Erst ist da eine Basslinie, dann ein Drum-Intro, schließlich setzt ein Gitarrenriff ein – eines, das in abgespeckter Form auch als Metallica-Verschnitt durchgehen könnte. Und das ist ausnahmsweise kein Kompliment. Auf den metallischen Einstieg folgt eine Hardcore-Drescherei, die auf Platte überhaupt nicht zünden will: generische Gangshouts, vergraben unter einer ebenso generischen Wand aus Lautstärke. Live mag das funktionieren, auf Kopfhörern bleibt es totgemischt und austauschbar.
Auch der Titeltrack braucht erst wieder diesen Metal-Riff-Anlauf, bevor es sich ins Hardcore-Gewässer traut. Scott Vogels Vocals reißen hier zwar noch etwas raus, doch der Rest wirkt auffallend leblos. "Promised Only Lies" macht dann endlich, was man von Terror erwartet: keine Umwege, direkt auf die Zwölf. In 1:24 Minuten entstehen plötzlich Emotionen, ein treibendes Riff steht für sich selbst und trägt Vogels Wut endlich wieder mit.
"Destruction Of My Soul" knüpft daran an: Mehr Dynamik, mehr Pausen, mehr Raum für einzelne Sound-Schichten. "There's only one way out / Burn it down / To the fucking ground now", fast a cappella herausgeschrien, gewinnt der Moment an Dringlichkeit – wäre da nicht das weiterhin matschige Klangbild im Hintergrund.
"Fear The Panic" macht erstmals alles richtig: catchy Intro, starker Bass, lebendige Drums, zurückgenommene Gangshouts. Plötzlich hat das Ganze wieder Gewicht und Groove. "Death Of Hope" will danach wieder zu viel. Vocals und Gangshouts verschwimmen zu glatt, die Gitarren bleiben zu zahm, das Solo wirkt deplatziert.
"Beauty In The Losses" versucht sich an Atmosphäre: Sample, Beat, Piano, dann ein harter Cut. Der folgende Terror-Track wirkt schlicht drangeklatscht, ohne Übergang oder dramaturgischen Aufbau. Statt Spannung entsteht schlicht der Eindruck eines abrupten Songwechsels.
"A Deeper Struggle" startet erneut mit dieser Hardcore/Metal-Mischung, die hier überraschend gut funktioniert. Die Gitarre hat wieder Charakter, das Motiv wird am Ende sinnvoll aufgegriffen. "To Hurt The Most" bleibt in seiner Kürze wieder sehr beliebig, während "Deconstruct It" mit stilistischen Brüchen und einem kurzen Ausflug in beatdown-nahe Gefilde wieder Variation zeigt. Das folgende Sample wirkt jedoch erneut eher wie ein loses Fragment als wie ein bewusst gesetzter Schlusspunkt.
Unterm Strich liefern Terror ein Album mit zwei Gesichtern: Einige Tracks gehen in einer zu glatt polierten Produktion unter und verlieren genau den Charme, der den Vorgänger noch ausgezeichnet hat. Gleichzeitig blitzen immer wieder Momente auf, in denen die Band ihre alte Stärke andeutet – für echtes Terror-Chaos bleibt "Still Suffer" aber zu sauber.


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