laut.de-Kritik
Türen eintreten mit Grunge-Stiefeln und Rüschenkleidchen.
Review von Kerstin KratochwillLieblicher Name, lauter Sound, lauter Lindas: The Linda Lindas aus Los Angeles veröffentlichen mit "Gotta Get Out" ihr drittes Album. 2018 gründete sich das Quartett, bestehend aus Bela Salazar (Stagename: Linda Linda No. 1), Eloise Wong (Stagename: Linda Linda No. 2), und den Schwestern Lucia (Linda Linda No. 3) und Mila de la Garza (Linda Linda No. 4) und benannt nach dem japanischen Film "Linda Linda Linda", der sich wiederum auf den Song "Linda Linda" der japanischen Punk-Rock-Band Blue Hearts bezog.
Punk in all seinen Spielarten ist auch das Ding der Musikerinnen, deren Sound oft auch als Gen-Z-Punk bezeichnet wird, angereichert mit Synth-Flächen und Riot-Grrrl-Attitüde. Für die erste Single "Closer" holten sie sich Hayley Williams als Vocal-Verstärkung dazu, was dem Song einen ziemlichen Paramore-Touch gibt. Dazu eine Prise Emo und viel Teenage-Angst plus den punkigen Wunsch von Bärchen und die Milchbubis "Ich will nicht älter werden" oder den Coversong-Klassiker "I Don't Wanna Grow Up" der Ramones in den Lyrics.
Auch das eher Indie-90ies-lastige "Burning Out" behandelt dieses Thema mit hymnischen Gitarren, sommerlichem Pop-Chorus und charmanten Vibes. Doch von den Haarschleifen und Kniesöckchen im Video sollte man sich nicht täuschen lassen, denn schon in Tracks wie "Blood On Our Hands" ergießt sich jede Menge wütender Hardcore-Punk über das Publikum, vorgetragen mit heißerer und dunkler Stimme. Bikini Kill meets Deftones, Breeders treffen auf Rage Against The Machine, nach eigenen Anhaben diesmal inspiriert von Acts wie Fontaines D.C. oder The Cure. "Gotta Get Out" of habits, scheint die Band förmlich herauszuschreien und hat ein ambitioniertes Album herausgeschleudert, das zwar immer noch um die Genres Pop-Punk, Garage Rock und Power Pop kreist, aber expansiver und experimenteller als die Vorgänger geraten ist.
Musikalische Grenzen zu verschieben kann man das nicht nennen, eher werden hier Türen eingetreten und zwar mit Grunge-Stiefeln und Rüschenkleidchen. Und energiegeladen und emotional direkt bleibt der Sound der Linda Lindas sowieso, deren Tracks sich hier noch mal in Sachen Kraft und Klang potenzieren.


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