laut.de-Kritik

Abgesang auf die Menschheit.

Review von

Die immer noch recht frische All-Star-Formation Universum25, bestehend aus Mitgliedern von In Extremo, Eisbrecher, Fiddler's Green, Dritte Wahl und Slime, legt nun ihr zweites Album und somit den Nachfolger des allgemein wohl beachteten, selbstbetitelten Debüts vor. Cover und Titel lassen auf den ersten Blick erahnen, dass wir es hier mit einem Konzeptalbum zu tun haben. Der unaufhaltsame Fortschritt, die plötzlich allgegenwärtige Präsenz von Künstlicher Intelligenz und das Gefühl, dass Menschsein immer weniger eine Rolle spielt, darum geht es in "Die Maschinen wollen leben".

Ganz im gewohnten Gewand, der Schnittmenge aus Industrial Rock, 80er Synth, NDH und stampfendem Metal zeichnet die Gruppe um Sänger Michael Rhein hier düstere Visionen einer dystopischen Zukunft. Die kalt intonierte, raspelnde Gesangsstimme transportiert die Inhalte höchst authentisch, während seine Mitspieler die hervorgerufene Stimmung stets mechanisch klingend untermalen.

Die Riffmelodien sind trotz aller genrebedingten Einschränkungen gut komponiert, die Rhythmusfraktion arbeitet hervorragend zusammen. Die Keys und weise gewählte elektronische Effekte sorgen für dramaturgische Spitzen und erscheinen im ausgerechnet richtigen Maß, um niemandem unangenehm aufzufallen. Das Fundament wirkt somit erstmal absolut stabil.

"Wenn Roboter träumen" stapft ohne große, unnötige Ankündigungen direkt nach vorne und findet seine Mitte schnell zwischen brettigen Gitarren und Vocoderstimme, wobei sich auch leichte Grooves und nicht zu aufdringliche Chor-Shouts unter dem Gehörten finden. Das Spiel mit leiseren und lauteren Passagen und die zwischenzeitliche zurückgenommene Erzählstimme schaffen durchaus Atmosphäre. Wie schon beim Vorgänger arbeitet man auch hier gerne mit ausladenden Refrains und eher einfachen Texten. "Wenn Roboter träumen / fängt eine neue Ära an / wenn Roboter träumen / ja, dann rette sich wer kann". Der Sound variiert fortan kaum merklich, was als einer der größeren Schwachpunkte durchgeht.

Leichte Ausreißer aus den sehr homogen anmutenden, oft ähnlich aufgebauten Songs, finden sich vor allem im leicht balladesken "Einsamkeit", das eine gewisse Bitterkeit spürbar macht, und im fetten "Ich denke, also bin ich". Der Song ist das beste Beispiel für einige in diesem Album verbaute Kraftwerk-Reminiszenzen. Auch lyrisch wächst er über die meisten anderen hinaus und erzählt eine schlüssig aufeinander aufbauende Geschichte über Verselbstständigung künstlicher Intelligenz, illustriert mit wechselhafter, teils echt gruselig schauderhafter elektronischer Musik und harten, metallischen Gitarren. Das stets gehetzte Gefühl, das hier heraufbeschworen wird, bleibt noch eine Weile in den Knochen stecken.

Zwei der Herkunftsbands, nämlich Dritte Wahl und Slime, haben sich dieses Mal zur Kooperation eingefunden, wobei sich weder "Gardinen zu" noch "Zu deiner eigenen Sicherheit" besonders von den andere Stücken unterscheiden oder gar typische Fingerabdrücke der beiden Punk-Legenden erkennen lassen. Sehr schade. Einen punkigen Flair führen Universum25 seit Stunde Eins mit sich, und der steht ihnen streckenweise einfach gut.

"Die Maschinen Wollen Leben" ist kein schlechtes Album, gut produziert und technisch anspruchsvoll, aber zum Ende hin werden sich die Songs immer ähnlicher und schwanken zwischen Abwärts-artiger, kühler Tristesse und extrem hymnischen Hauptteilen, die stark an mittelalte Hosen oder (ich sage es einfach) ProSieben Werbepauseneinspielerbands erinnern.

Trackliste

  1. 1. Wenn Roboter träumen
  2. 2. Gardinen zu
  3. 3. Die Maschinen wollen leben
  4. 4. Einsamkeit
  5. 5. Zu deiner eigenen Sicherheit
  6. 6. Ich denke, also bin ich
  7. 7. Ich geb dir mehr (Das Milgram-Experiment)
  8. 8. Zeitmaschine
  9. 9. Der Anfang vom Ende
  10. 10. Uhrwerk

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