laut.de-Kritik

Mehr Ohrwurm als Nackenbrecher.

Review von

Drittes Album, dritte Steigerung: Prügelten die kanadischen Speed-Thrasher Warsenal auf ihrem Debüt "Barn Burner" (2015), angetrieben von irrwitzigen Gitarrenriffs, noch ungehobelt in alle Fressen, klangen sie vier Jahre später auf "Feast Your Eyes" schon wesentlich fokussierter und professioneller, jedoch ohne punkige Underground-Kante. Im Jahr 2026 greifen Mathieu Rondeau und Francis Labine nun mit ihrem neuen Schlagzeuger Zack Osiris nach den Sternen. "Endless Beginnings" kommt als Konzeptalbum über Massacre Records und hält echte Ohrwürmer bereit, wo früher vor allem Nackenbrecher regierten.

Zuerst führen Warsenal den Fan jedoch auf eine falsche Fährte und knüpfen an die wilden Vorgänger an. "Mass Grave Mass" pustet los, Rondeau fliegt über die Saiten und rotzt Zeilen wie "preparing for death" über die Massengräber, während Osiris die Doublebass malträtiert, als gäbe es eben kein Morgen mehr.

Und genau diesen gibt es in der dystopischen Welt von "Endless Beginnings" auch nicht: Eine Elitegesellschaft namens "Dawn Mowers" beherrscht diese Welt, die über den Massen in einer schwebenden Stadt – der "Flying Fortress" – lebt und den Planeten darunter in ewige Dunkelheit stürzt. Durch die Ministerien für Religion, Sucht und Arbeit wiederholt sich ein endloser Kreislauf der Knechtschaft. "Flying Fortress" swingt zu Beginn auch manchmal fast fröhlich, um die feiernden Reichen in Kontrast zu den leidenden Massen zu setzen. Danach entwickelt sich der Track aber zu einem gnadenlosen Punk-Thrasher.

Hoffnung sucht man auf "Endless Beginnings" vergebens. Das wärmende Akustikintro zu "Phantom Hope" suggeriert kurz, das Licht am Ende des Tunnels sei nah, doch das folgende Midtempo-Monster erledigt solche Sonnenstrahlen schnell. Trotzdem zeigt der Groove, initiiert von Bassist Labine, der sich hier nach Belieben austobt, zum ersten Mal die eingangs beschriebene Entwicklung der Band.

"Feeding The Wildfire" und "The Numbening" sind wieder Hochgeschwindigkeitsabrisse alter 80er Bay Area-Schule. Warsenal setzen den Weg von "Feast Your Eyes" konsequent fort, ohne neue Gefilde zu erkunden. Doch dann läuft "Dawn Mowers", und das Album startet ein zweites Mal: Die Riffs und Schreie bleiben stabil, aber das Songwriting fällt wesentlich progressiver aus.

Drummer Osiris packt wieder tanzbare Grooves und Breaks aus. Das Tempo wechselt fast so oft wie in legendären Metallica-Tracks. "Dusk Dwellers", so heißt die unterdrückte Unterschicht, erinnert in den ersten zwei instrumentalen Minuten mit kratzigen Punkrock-Parts stilecht gar an Stiff Little Fingers, nur um wieder in gewaltige Mosh-Attacken überzugehen.

Die Demonstration auf welchem Niveau Warsenal mittlerweile musizieren und ihre Songs gestalten, heben sie sich für die letzten beiden Lieder auf. Uptempo-Parts, eingängige Riffs, galoppierende Beats verändern sich auf "Onward To Our Death" im Pre-Chorus plötzlich zu einer potenziellen Mitgröhl-Passage, die direkt von Gorilla Biscuits "Start Today" stammen könnte.

"Endless Beginnings" startet mit heulenden Gitarren im Off-Beat, die an Slayer erinnern, lässt aber das melodischste Riff des Tages folgen, nur um dann wieder in einem veritablen Mosher zu münden. Wenn das die Zukunft von Warsenal ist, sollten nicht wieder Jahre bis zum vierten Werk vergehen. Das kann ein Klassiker werden.

Trackliste

  1. 1. Mass Grave Mass
  2. 2. Flying Fortress
  3. 3. Phantom Hope
  4. 4. Feeding The Wildfire
  5. 5. The Numbening
  6. 6. Dawn Mowers
  7. 7. Dusk Dwellers
  8. 8. Onward To Our Death
  9. 9. Endless Beginnings

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