laut.de-Kritik

Feel-Bad-Sound zum Feel-Bad-Kultfilm.

Review von

1977 erschien mit "Eraserhead" der verstörende und visuell überfordernde Debüt-Film von David Lynch. Der Erstling des Twin-Peaks-Machers wird gleich als 'completely sui generis' bezeichnet, also als Film, der ganz für sich steht und eigentlich zu keinem spezifischen Genre passt.

Der Plot ist schwer (in Worte) zu fassen. Grob geht es um einen schüchternen Mann, der plötzliche Vater wird und darunter psychisch wie physisch massiv leidet, sodass er schließlich zu drastischen Handlungen getrieben wird ... Die Musik zum Film komponierte David Lynch gemeinsam mit dem blinden Sounddesigner Alan Splet, der später auch die Soundtracks für "Dune" oder "Blue Velvet" schrieb. Für "Eraserhead" sollten vor allem Geräusche verwendet werden, die "knacken, summen, brummen, klopfen, blitzen, kreischen, quietschen", wie Splet sich erinnert. Kurz: Der Sound sollte so unangenehm und unbequem wie der Film selbst sein.

Nun haben sich Xiu Xiu, die Alternative-Meister des unbequemen und unkonventionellen Sounds, dieses Scores angenommen und "Eraserhead" neu interpretiert. Auf dem ambitionierten Art-Rock-Werk "Eraserhead Xiu Xiu" nähern sie sich dem Kultfilm mit unerbittlicher Dekonstruktion und Düsternis an.

Darüber hinaus reicht ein Album alleine dafür nicht aus, eine Live-Performance samt Film kommt noch hinzu. Dieses Cover-Album des US-Kollektivs um das einzige ständige Mitglied Jamie Stewart geht über eine reine Hommage hinaus. Inspiriert vom ursprünglichen Sounddesign mit Geräusch-Impact haben Xiu Xiu eigene Field Recordings aufgenommen und extra angefertigte Instrumente benutzt.

Dazu hantieren sie mit elektrischen Störgeräuschen, Taschenlampen und modularen Synths. Mit alldem errichten Xiu Xiu eine kompromisslose kakofonische Klangcollage zwischen Industrial und Indie-Electronica, die einen erst im letzten Song mit einer zärtlich zitternden Version von "In Heaven" quasi erlöst.

"Eraserhead" gilt als sogenannter Mitternachtsfilm, auf dem Cover von "Eraserhead Xiu Xiu" sieht man ebenfalls einen nächtlichen Himmel, der wenig Trost verspricht. Tröstlich aber, dass es im zugänglichsten und vielfach gecoverten Song (unter anderem von Devo, Pixies oder Fontaines D.C.) "In Heaven (Lady In The Radiator Song)" heißt: "In Heaven everything is fine".

Im Englischen gibt es einen bedeutenden Unterschied zwischen 'Sky' und 'Heaven'. Möge Lynch in Letzterem ruhen, zumal die Inschrift seines Grabsteins der Schwärze, der Nacht und des Kontrasts huldigt. Dort ist zu lesen: "Night Blooming Jasmine" – nachtblühender Jasmin.

Trackliste

  1. 1. Viento
  2. 2. Sleep Synth
  3. 3. Tetra
  4. 4. Steampipe
  5. 5. Smashy Smashy
  6. 6. Ether
  7. 7. In Heaven

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