laut.de-Kritik
Keine Altersmilde in New York.
Review von Steffen EggertSeit über 40 Jahren verteilen die Mitbegründer des New York Hardcores in regelmäßigen Abständen satte Schellen in Form von stets kurzweiligen Studioalben. Zudem erweist sich die Posse um den unglaublich unterhaltsamen Saitenmann Vinnie Stigma und den Shouter Roger Miret als überaus tourfreudig und ist in der Szene und überall auf dem Globus allzeit präsent. Natürlich gibt es dementsprechend auch gewisse Erwartungen an "Echoes Of Eternity", dem nunmehr 13. Longplayer des meist ärmellos gewandeten Kollektivs, die auch, so viel sei vorweggenommen, im vorliegenden Fall weitestgehend erfüllt werden. Merkliche Neuerungen, leise Töne, dezente Worte in den Texten oder gar eine Stilabkehr, nichts von all dem tritt im neuesten Output auf den Plan.
Bereits die Anti-Kriegs-Hymne "Way Of War" feuert aus allen bekannten und etablierten Rohren, wobei direkt die Marschrichtung festgelegt wird: irgendwo zwischen New York Hardcore und zeitgenössischem Punk, nur echt mit Tempiwechseln, Shouts, Chören und ständig spürbarer, unbändiger Aggressivität. Kleine, fette Intermezzi wie das folgende "You Say" oder der zeitlose HC-Punker "Art Of Silence" lassen Zweifel aufkommen, dass es sich wirklich um eine mit eher älteren Semestern besetzte Band handelt.
So viel Energie und beinahe jugendlich anmutende Attitüde hört man längst nicht mehr bei allen Genrenachbarn. "Turn Up The Volume" etwa kommt zwar leicht prollig daher, aber besticht mit (im guten Sinne) modernem, knackigem Sound und tiefen, schweren Riffs, die man sonst eher in der jüngeren Generation verorten würde.
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten macht sich im Laufe des Albums sogar eine gewisse Experimentierfreudigkeit bemerkbar. "Sunday Matinee" und das anschließende "I Can’t Win" leben vor allem von geilen Melodien und einem netten Fingerzeig in Richtung Schweine-Rock'n'Roll. Sensationell, wie unfassbar lebendig, fett und organisch Bass und Drums hier zu Werke gehen. Ein Ausflug in Thrash-Metal Gefilde wird mit „Tears For Everyone“ unternommen, das schon ein wenig nach 80er-Crossover klingt und mit gestandenem Schreddersolo einfach nur Spaß macht.
Apropos Genremix, eine der klaren Sternstunden des Werks ist die Kollabo mit Darryl McDaniels von den Rap-Urgesteinen Run D.M.C., der bei "Matter Of Life And Death" seinen Sprechgesang beisteuert. Bedrohlich und weit weg von harmonisch trifft der Chorus auf die Ohren wie die Faust auf den Kiefer, und die Riffs erscheinen zwischenzeitlich anspruchsvoller, als man es den Jungs zugetraut hätte.
Jetzt schon ein heißer Kandidat für den Zugabenblock bei den kommenden Shows müsste das brachiale "Obey" sein. Das Wort allein lässt sich hervorragend mit einer gen Clubdecke gestreckten Faust aus den Untiefen der Lungen pressen. "Use our voice to weaponize" plärrt der Herr Miret, und genau das sollten wir dann zu gegebener Zeit auch tun.
"Echoes In Eternity" zeigt sich als hervorragend produziertes, authentisches und immergrünes Stück Hardcore, das nur eine knappe halbe Stunde benötigt, um alle Bedenken bezüglich einer möglichen Altersschwäche der Band auszuräumen.


1 Kommentar
„Alle warten auf ‚Gotta Gotta Go‘, Sonnenstich am Dixi-Klo.“ - Miret sieht schon lange nicht mehr so aus, als hätte er noch Bock drauf.