laut.de-Kritik

Hauptsache groß und catchy.

Review von

Wer Airbourne sagt, muss auch AC/DC sagen. So will es das Gesetz. Sound und Herkunft der Band laden selbst taube Tokio Hotel-Hörer:innen zu diesem Vergleich ein. Klar, am Ende klingt fast jeder schnelle Airbourne-Track wie "Fire Your Guns" und jede Mitgröl-Hymne wie "Rock'n'Roll Train". Kreative Musikkritiker bringen noch Rose Tattoo (bitte eine Kerze für Angry Anderson anzünden) ins Gespräch. Doch auch das greift zu kurz. Airbourne sind mehr als das.

Brothers from another mother findet man zum Beispiel in Dänemark. "Sleeping My Day Away", "Bad Craziness" oder "Riskin It All" – mit fast punkigen Highway-Grooves, riesengroßen Hooks, Bodenständigkeit und extrem viel Humor stürmten D.A.D. Ende der 80er und Anfang der 90er über den großen Teich in die Herzen wie einst Erik der Rote.

Zwar nicht ganz so durchtrieben und überspitzt wie die Schelme aus dem Norden, doch mit positiver Energie und dem Fehlen jeglicher Star-Allüren reiten Airbourne zu vier starken Tracks – "Alive After Death (Last Plane Out)", "Christmas Bonus", "Hells Got No Vacancy" und "Send Me To Rock 'N' Roll Heaven" –, die alle dank extra hohem Replay- und Party-Faktor überzeugen. Gerade "Alive After Death (Last Plane Out)" mit seinen Woohoo-Chören ist eine der besten Airbourne-Kompositionen überhaupt.

Ein Garant für das Gelingen ist Sänger Joel O'Keeffe, der mit seiner kraftvoll-kehligen Stimme stärker an den grandiosen Tom Keifer von Cinderella als an Brian Johnson erinnert. Der andere ist die ungewöhnlich lange Entstehungszeit nach dem 2019er Werk "Boneshaker", die Joel und Ryan O'Keeffe zur Tiefenanalyse nutzten.

Detailgetreu wie Danny Carey stürzten sie sich in ihr Songwriting und sezierten dafür vor allem Produktionen von Robert John "Mutt" Lange, der bereits mit AC/DC, Def Leppard, The Cars und Shania Twain gearbeitet hatte. Sie zerlegten Arrangements teilweise sekundengenau, zeichneten Diagramme und suchten nach wiederkehrenden Tricks bei Hooks, Gitarren und Songaufbau. Dies hatten sie schon früher getan, doch erst jetzt sollte die Analysearbeit direkten Einfluss auf die Songs nehmen. Hauptsache groß und catchy.

Am Ende bekamen sie tatsächlich Unterstützung von Legenden der Szene. Bryan Adams und Mutt Lange arbeiteten an "Here She Comes" und "Who Put The Rhythm In You?" mit, das an Alice Cooper zu "Poison"- und "Hey Stoopid"-Zeiten erinnert. Man spürt besagte Detailarbeit von Airbourne, denn immer wieder lockern Bridges oder Background-Chöre die straighten Rocker auf. Wenn man den Hintergrund kennt, ist der Einfluss der Kanadier besonders auf "Here She Comes" unüberhörbar. Die Chöre, die Harmonien und der rockige, aber supersamtig und weich produzierte Gitarren-Sound könnten auch von Adams' "Waking Up The Neighbours"-Werk stammen. Nur die Texte bewegen sich in anderen Gaststätten: "She's dancing on the bar playing air guitar". Wow!

Natürlich dienen auch AC/DC bei diversen Songs als Referenzpunkt, warum auch nicht? "Sky High" stampft im "Back In Black"-Gewand und "Last Man Standing" schlüpft eloquent wie "Moneytalks" oder "Hells Bells" in die Gehörgänge. "Kid In A Candy Store" hätte sich dagegen neben "Heatseeker" oder "That's The Way I Wanna Rock'n'Roll" wohlgefühlt. Ausfälle gibt es keine. Das sechste Album von Airbourne macht Spaß und bläst auch nach dem zehnten Durchlauf noch frisch und hungrig aus den Boxen.

Trackliste

  1. 1. Gutsy
  2. 2. Alive After Death (Last Plane Out)
  3. 3. Here She Comes
  4. 4. Kid In A Candy Store
  5. 5. Sky High
  6. 6. Who Put The Rhythm In You?
  7. 7. Christmas Bonus
  8. 8. Last Man Standing
  9. 9. Rock 'N' Roll Ya
  10. 10. Bogotá
  11. 11. Hells Got No Vacancy
  12. 12. Send Me To Rock 'N' Roll Heaven

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