laut.de-Kritik

Gelebte Beständigkeit auf allen Ebenen.

Review von

Aus der Ferne betrachtet, fällt es nicht leicht, das Cover einer August Burns Red-Platte dem passenden Jahr oder Titel zuzuordnen. Im Detail zwar unterschiedlich, aber motivisch doch recht ähnlich aufgebaut, bestimmen Naturelemente oder fabelhafte Szenen die malerischen Artworks. Kaum eine Band hat sich rein visuell so konsistent auf eine Corporate Identity festgelegt wie die Metalcore-Altmeister aus Pennsylvania. Genau diese Beständigkeit spiegelt sich auch inhaltlich wieder.

Wer die technische Versessenheit einmal ins Herz geschlossen hat, wer den einerseits fein austarierten, aber ebenso brachialen Pathos der Band durchdringt, der wird niemals enttäuscht. An diesem ungeschriebenen Gesetz rüttelt auch "Season Of Surrender" nicht. Frei nach dem Motto "Beständigkeit ist eine Tugend" halten August Burns Red ihre Fanbase mit Qualität bei Laune und wollen vor allem all jene erreichen, die sich auf ihre ursprünglichste Vision von Metalcore einlassen können.

Die zeichnet sich auf ihrem inzwischen elften Langspieler mehr denn je durch Härte aus. In der prall gefüllten Diskografie hat die melodische Seite der Band noch nie die Oberhand gewonnen. Davon scheinen August Burns Red diesmal besonders weit entfernt. Inmitten von Blast Beats und Breakdowns blitzt sie höchstens punktuell auf. Eigentlich schade, denn dann wird es häufig interessant.

Da wäre zum Beispiel "Cerebral Malfunction", das, begleitet von heroischen Klampfensoli, aus der vorwärtsgerichteten Metal-Hommage schließlich langsam in experimentellen Strukturen an und mit der sanften Stimmfarbe von Sängerin Alex Reade (Make Them Suffer) zur Ruhe kommt. Aus der Idylle heraus nimmt der druckvolle Vortrag unter dem Mantra "Wake up from this sleep!" dann wieder Fahrt auf. Die externe Unterstützung markiert einen von mehreren gelungenen Feature-Momenten.

Gleiches gilt für den Opener. Rein stimmlich liefert Mike Hranica (The Devil Wears Prada) mit seinen kratzigen Vocals eine perfekte Ergänzung zu Luhrs technisch durchgestyltem Gepolter. Zudem verstecken sich hier auch einige massive Death Core-Ausflüge in der Dramaturgie. Ein vielsagender Einstieg, an den "The Nameless" nahtlos anschließt. Das Energiemonster des Albums bäumt sich mit fett produziertem Metalcore auf, verzettelt sich allerdings nicht im technischen Skillset, sondern kriegt die Kurve hin zum geradlinigen Songwriting. Auf dieser Grundlage kann der Breakdown schön unvorbereitet reinknallen.

Zurück zu melodischen Raritäten! Zunächst mit harter Schale und viel Anlaufzeit offenbart "New Horizons" im weiteren Verlauf gar eine Art wiederkehrenden Chorus zwischen den dumpfen Nackenschlägen der Double Base. Die Grundstimmung birgt wenig Zuversicht: "Tomorrow is a new day, I don't wanna wake up in it"". Zumindest bis die instrumentelle Zurückchaltung im unverzerrten Interlude ein Höchstmaß an Verletzlichkeit erreicht und den einzigen Ausweg gleich hinterherschiebt: "Pray for a miracle!" "Forged By Failure" übernimmt in rund sieben Minuten anschließend die komplette Traumabewältigung. Über Wut, Trauer & Erlösung werden sämtliche Gefühlswelten durchexorziert.

Apropos Erlösung. Die religiösen Bezüge bleiben bei August Burns Red natürlich nicht aus. Der Austausch mit Gott nimmt wie immer viel Platz in den Lyrics ein. Allerdings geht es wie in "Sonic Salvation" mit Jamie Hails (Polaris) weniger darum, stumpf zu predigen, als vielmehr darum, innere Kämpfe in einer harten Lebensrealität und den Glauben als verlässliche Kraft zu beschreiben. Bis die Erlösung einsetzt, gehört der Zweifel selbstverständlich dazu: "Fear, rage, frustration, and anger fade away when the sound hits the speaker."

Um den brutalen Knüppel-Faktor der Band in vollen Zügen zu erleben, lohnen sich "Behemoth", "Den Of Thieves" oder "Whispers Like Splinters" als Grenzerfahrungen. Es hagelt Breakdowns in allen Farben und Formen, Luhrs brüllt sich die Seele aus dem Leib und drumherum füllen die Instrumente die wilde Orgie wie schlafwandlerisch mit den wichtigsten Zutaten. Für die Ohren kann das schonmal in einem zähen Abnutzungskampf münden, eingefleischte Fans fühlen sich genau damit wohl. Für sie verkörpert all das ein Stück Heimat.

Trackliste

  1. 1. Legion feat. Mike Hiranica
  2. 2. The Nameless
  3. 3. Behemoth
  4. 4. Den Of Thieves
  5. 5. Sonic Salvation feat. Jamie Hails
  6. 6. Cerebral Malfunction feat. Make Them Suffer
  7. 7. Interlude: Tear Of The Clouds
  8. 8. Whispers Like Splinters
  9. 9. S.O.S.
  10. 10. New Horizons
  11. 11. Forget By Failure

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