laut.de-Kritik
Der Green Day-Boss covert gegen den Corona-Frust.
Review von Kai ButterweckAls vom Harmoniegott gesegneter Punkrock-Messias beglückte Billie Joe Armstrong im Frühjahr 1994 eine ganze Generation mit wegweisenden Pop-Punk-Dreiminütern. 26 Jahre später gewährt der Green Day-Frontmann seinen Fans einen Einblick in seine musikalische Sozialisation.
Armstrongs zweites Soloalbum "No Fun Mondays" erweist nun seinen persönlichen musikalischen Helden die Ehre. Während der Corona-Isolation in liebevoller Heimarbeit zusammengebastelt und ins unverkennbare Soundbild seiner Homeband gefasst, feuert das Pop-Punk-Aushängeschild einen Hit nach dem anderen in die weite Welt hinaus. Angefangen vom Tommy James & The Shondells-Klassiker "I Think We're Alone Now" bis hin zu Billy Braggs Evergreen "A New England": Billy Joe verpasst jedem Oldie einen frischen Neuanstrich.
Die Trademarks, mit denen sich Green Day im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte mehrere goldene Nasen verdient haben, sorgen auch bei den Erinnerungen an John Lennon ("Gimme Some Truth"), The Bangles ("Manic Monday") und den Punk-Großvätern The Avengers ("Corpus Christi") sowie den Stiv Bators ("Not That Way Anymore") für beste Laune vor den Boxen.
Abgedämpfte Powerchords, unspektakuläres aber tightes Drumming sowie Billie Joes unverkennbare Stimme: Mehr braucht es nicht, um in düsteren Zeiten Frohsinn und gute Stimmung zu verbreiten. Besonders viel Freude bereiten die Karaoke-Highlights des Albums: "Manic Monday" und "Kids In America". Hier trifft massenkompatible Nostalgie auf den Charme von unbekümmertem Bubblegum-Punkrock. Das passt e3infach zusammen.
Im Rennen um die Ohrwurmmeisterschaft ganz vorne mit dabei sind auch die melodiöse Kriegsgeschichten ("War Stories") und spaßige Sombrero-Tunes ("Amico"). Auch mit dem spanischen Wörterbuch in der Hand lässt Billie Joe Armstrong nichts anbrennen. Respeto!
Das letzte Wort gehört aber einem ganz Großen der Revoluzzer-Branche. "I was 21 years, when I wrote this song / I'm 22 now, but I won't be for long", so der Einstieg des vielleicht bekanntesten Songs Billy Braggs. Der Satz verliert auch aus Armstrongs Munde nichts an Faszination. Im angezerrten Folk-Punk-Gewand zückt der Green Day-Sänger einen letzten Trumpf aus dem Ärmel. Es ist einer von vielen, die sich mit jedem weiteren Durchlauf tiefer in den Gehörgängen festsetzen.
Harmonieverliebter Powerpop mit punkiger Attitüde gegen miese Laune und dunkle Aussichten: Danke dafür!
2 Kommentare mit einer Antwort
0/5 weils der Greendaylappen ist.
Nö, weil ich mir das gemeinsame Album mit Norah Jones immer noch besser geben kann als alles von Green Day danach.
Lieber crítico, danke für die Zusammenfassung, kann ich im Grunde teilen, auch wenn es mir dann nach drei Songs zu viel Bubblegum auf einmal ist.
Nur: "Amico" hat mit Spanisch so viel gemeinsam wie ein Ferrari mit einem Seat - das kommt eigentlich vom italienischen Celentano-Freund Don Backy!