laut.de-Kritik

Die "You're So Vain"-Attitüde ist einfach zeitlos.

Review von

Das erste Album seit 18 Jahren, das mittlerweile 24te in ihrer beeindruckenden Laufbahn: Die legendäre Singer-Songwriterin Carly Simon, die vor Kurzem in ihrem 83. Lebensjahr bekannt gab, an Parkinson erkrankt zu sein, widmet sich auf "Comes In Waves" den Themen Akzeptanz, Liebe, Schmerz, Verlust und Erinnerung. Dennoch ist es ein Werk ohne Wehmut.

Immer noch trotzig – wenn auch ein wenig brüchig und verwundet in der Stimme – singt die "You're So Vain"-Musikerin im Opener "Howl": "Before you start acting polite, sayin' everything's all right / You gotta scream like a furious child". Aber auch wenn angesichts der allgemeinen und persönlichen Einschläge einiges zum Heulen und Hinausschreien ist, sind die Songs auf "Comes In Waves" getragen von Wärme und Würde.

Soft-Rock und Folk-Pop sind die tragenden Säulen, Gaststars sind unter anderem ihr Sohn Ben Taylor und Tochter Sally Taylor, New-Age-Harfenspieler Andreas Vollenweider, Pop-R'n'B-Sängerin Natasha Bedingfield oder Paul Samwell-Smith, Mitbegründer der Yardbirds, der ihr 1971 erschienenes Polit-Lied "Share The End" mit neu arrangiert hat. Und das ist inhaltlich immer noch topaktuell, geht es darin doch um falsche Könige und das Festhalten an der Hoffnung in schwierigen Zeiten.

Das Schreiben des Albums war auch für Carly Simon selbst hoffnungsgebend. In einer Erklärung zu ihrer Diagnose sagt sie: "Die Musik wusste schon immer, wann sie kommen musste", und das Album ist unweigerlich von der Krankheit beeinflusst, aber nicht dominiert. So finden sich auf "Comes In Waves" auch Songs, die eine überraschende Klangfarbe haben wie "Peaches" mit seinem eightieslastigen Groove zwischen Talking Heads und Grace Jones Vocals oder die ergreifende Hymne "Slowly" mit ihren ätherischen Harfen sowie chinesisch anmutenden Instrumentierung.

Ein Album, fein ausbalanciert zwischen moderner Produktion und dem typischen Carly Simon-Stil, das sich gegen die Zumutungen des Alterns aufbäumt, das wie in Wellen kommt – genauso wie die Songs von "Comes In Waves", die uns überfluten.

Trackliste

  1. 1. Howl
  2. 2. Maybe I Never Loved You
  3. 3. Peaches
  4. 4. Love Has No Ending
  5. 5. Mother of Pearl
  6. 6. Slowly (featuring Andreas Vollenweider)
  7. 7. Four in the Morning
  8. 8. The More I Look for You
  9. 9. Love the Way I Do
  10. 10. The Father Daughter Dance
  11. 11. Share the End (2025 remaster)
  12. 12. Do It Anyway

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