laut.de-Kritik

Die Songtexte versprechen Neugier, Party und Herausforderung.

Review von

"Chakzilla" ist ein eher unerwartetes und glatt produziertes Comeback von Chaka Khan. Den Titel der einheizenden 'Queen of Funk' erwarb sich die Sängerin Yvette Stephens spätestens in den Achtzigern. Als Solistin reüssierte sie mit Hits wie dem von Prince verfassten und von Stevie Wonder an der Mundharmonika begleiteten "I Feel For You" oder "This Is My Night" aus demselben Album.

Schon in der Übergangsphase von ihrer Band Rufus zur Solo-"Chak!Chak!Chaka!Khan!" zwischen 1978 und '83 wurde sie mit dem zeitlos gebliebenen "Ain't Nobody" und mit "I'm Every Woman", später von Whitney Houston gecovert, zum Markenzeichen einer feurigen funky Entertainerin. Ob als Bühnen-Energiebündel, in quirligen Videos oder als Remix-Objekt für Club-Banger - Chaka Khan strahlte trotz persönlicher Probleme enormes Charisma aus.

In Europa wenig geläufig ist, dass sieben ihrer acht Rufus-Solo-LPs in Amerika Bestseller waren, sogar mehr als das vergleichsweise noch viel spannendere Live-Feuerwerk "Stompin' At The Savoy". Im Laufe der Jahrzehnte trat sie in ihrem quantitativ schmalen Spätwerk an der Seite von Guru's Jazzmatazz, MeShell Ndegeocello, De La Soul, Mary J. Blige und Dancehall-Star Popcaan gelegentlich in Erscheinung, und zuletzt zusammen mit Sia und der portugiesisch-französischen Rapperin Bianca Costa. Dass sie sich für Hip Hop, zeitgenössischen R'n'B und elektronische Stile erwärmen kann, stellte sie immer wieder unter Beweis, aber sie arbeitete im nicht-kommerziellen Bereich auch an pathetischen Balladen mit Bruce Hornsby, der noch Dekaden später von ihr schwärmt.

Sia ist auch jetzt wieder dabei auf "Chakzilla", als Ko-Autorin aller Lieder und als Duett-Stimme im Track "Cool U Down (mit Sia)". Diese Nummer bringt eine unwiderstehlich eingängige Pop-Hook mit einem ansatzweise funky Beat zusammen und fasziniert mit einer Bridge im Mezzosopran, erfindet aber keineswegs das Rad neu. Auch die anderen Tracks entziehen sich jeder Versuchung, etwas Überraschendes oder Non-Konformes zu wagen. Das ist insofern schade, als Khan immer noch einen überstrahlend großen Namen hat und gerade sie Maßstäbe setzen und etwas künstlerisch Ungewöhnliches droppen könnte - denn der Nachrichtenwert, dass sie überhaupt releast, ist so hoch, sie würde in jedem Fall Gehör finden.

Statt dessen läuft "Heart Of Gold" vom Dancefloor-Fließband, und die Melodie bezirzt zwar ein bisschen. Es wird jedoch bald zu repetitiv. "Now And Forever" hat zwar mehrere Merkmale einer Hymne, empowernden Text mit Imperativen, der sich für Selbstvertrauen stark macht, gute Laut-Leise-Dynamik, gekreischten Chorus, simple Akkordverläufe. Aber das Strickmuster ist dann doch zu durchsichtig, um emotional zu berühren.

Wie füreinander geschaffen scheinen die Persönlichkeiten Kravitz und Khan. Ihre Kollabo hätte enormes Potenzial. "Bring The Party (mit Lenny Kravitz)" hat zwar eine gute Akkordfolge, und Chaka phrasiert in den Strophen sexy. Die Party bringt der Track jedoch beileibe nicht. Wenn er sich nach drei Minuten Trip durch blubbernde Belanglosigkeit restlos erschöpft hat, nimmt er Anlauf zu einer überflüssigen vierten. "Always Love The Challenge" probiert sich zwar wenigstens an einer ganz anderen Klang-Couleur. Doch das Stück bewältigt die eigene Challenge nicht, obschon Chaka im Text kundtut, "alles zu geben". Der Soundclash strotzt vor schlecht ausgesuchten Effekten, baut ein Hardrock-Riff und AOR-Keyboards ein, und will sich in seiner lärmigen Abmischung wohl für den Soundtrack eines trashigen Science-Fiction-Films qualifizieren (daher wohl die "Chakzilla" genannte "Godzilla"-Anspielung auf dem Cover). Leider armselig.

"Dreamy Stuff" lehnt sich hinsichtlich der Beats-Tonalität ein wenig an die diversen Remixes von "Ain't Nobody" an und transportiert den Chaka-Spirit in die euphoriearme Jetzt-Zeit. "Curious Subject" als eine der kaum spektakulären Vorab-Singles vermählt immerhin die Souligkeit der frühen Rufus-Platten mit heutigem Wabbel-Electro-Pop und könnte zwischen Pnau, Empire Of The Sun und Foster The People gut Platz nehmen. "Curious", neugierig, macht der Tune trotzdem nicht. Unterm Strich ereignet sich nichts rundum Gelungenes, und so lässt sich "Chakzilla" trotz großen Respekts fürs Lebenswerk der Künstlerin nun nicht empfehlen.

Trackliste

  1. 1. Chakzilla
  2. 2. Boogie's In My Soul (mit Snoop Dogg)
  3. 3. Curious Subject
  4. 4. Cool U Down (mit Sia)
  5. 5. I Know You Can
  6. 6. Bring The Party (mit Lenny Kravitz)
  7. 7. Always Love The Challenge
  8. 8. Heart Of Gold
  9. 9. Now And Forever
  10. 10. Dreamy Stuff

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