laut.de-Kritik
Wie eine B-Seite des Vorgängers.
Review von David Maciej LaskowskiAls Chief Keef rund zwei Jahre zuvor mit "Almighty So 2" den Nachfolger seines legendären Mixtapes aus dem Jahre 2013 veröffentlichte, gaben sich viele mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch wenn dieses Album sound- und raptechnisch kaum noch etwas mit "Almighty So" zu tun hatte. Auf "Skeletor" führt Sosa die Formel seines letzten Albums fort und stößt dabei an seine Grenzen.
Schon damals erschloss sich mir der Stil von "Almighty So 2" nicht so richtig. Ich habe eher ein Faible für den jungen, super-ignoranten und nuscheligen Chief Keef auf fast schon billig klingenden Chicago-Drill-Beats der frühen und mittleren 2010er. Sein neuer Stil erschien mir zunächst direkter, stimmlich klarer und zum Teil auch Punchline-lastiger, und das auf eher schnelleren Beats, alles Merkmale, die ich mit einem Chief Keef nicht konnotiere. Aber der damals so jugendliche Glory Boy muss ja auch mal erwachsen werden. Nachdem ich "Almighty So 2" eine zweite Chance gab, entpuppte sich die Platte für mich sogar als eines seiner konsistentesten Werke überhaupt. Doch es scheint, als hätte der sich neu erfundene Sosa hier seinen kreativen Zenit erreicht.
Denn als zu "Skeletor" die Singles "Harry Potter", "Video Shoot" mit Ian und "Talking Ish" mit Ballout erschienen, klangen die Songs ganz okay, aber auch irgendwie wie B-Seiten vom Vorgänger. Das verwundert kaum, da sich einige der Tracks dieses Projekts schon zur Entstehungsphase von "Almighty So 2" formten. Chief Keef fährt seine Aggressivität hier größtenteils zurück - "Harry Potter" und "Talking Ish" ziehen sich viel zu lang (ersterer ganze fünfeinhalb Minuten), dafür, dass Keef thematisch nicht viel zu bieten hat außer dem üblichen Flexen mit Geld, Autos, leichten Damen sowie Stress mit der Opposition. Auf der Platte finden sich auch die Stücke "Only For The Night" und "Slide" mit G Herbo, die sich beide jeweils über sechs Minuten strecken und unter ähnlichen Problemen leiden. Sosas Kumpanen Ballout und Herbo bringen kaum Abwechslung, und die Beats keinen Wow-Faktor.
Dabei hat die erste Hälfte des Albums ein paar ordentliche Nummern zu bieten. Nach dem soliden und gut nach vorne gehenden Intro "Breaking Down" folgt "The Real Chief Keef". Dass der Häuptling Cannabisstaub jemals einen auf Eminems "The Real Slim Shady" machen würde, stand nicht auf meiner 2026er Bingo-Card: "Keef please stand up / Can the real fuckin' Chief Keef please stand up?" Gut wird der Song dadurch, dass Keef hier seine nuschelige Delivery aus alten Zeiten gekonnt zurückholt. Auf dem zweiten Part von "24Hrs" klingt seine Delivery ebenfalls herrlich blöde und sogar noch verspielter. "Mark Of Buddah" überzeugt mit dem wahrscheinlich besten und wütendsten Beat auf der Platte und einer funny Zeile: "Yeah, I'm from the hood, I was born in the hood hospital / Nah, n****, there's literally a hospital up in the hood."
Auf der zweiten Hälfte der Platte reduzieren sich die Lichtblicke. Bei so manch einem Track hier, der viel zu lange läuft, musste ausgerechnet "Number 2" mit etwas mehr als zwei Minuten zu kurz geraten. Sosa auf einem Drumless Beat bekommt man nicht alle Tage, weswegen die Nummer ungewöhnlich, aber geil kommt. Er berappt hier einen Melody Loop, der sich so anhört wie ein Mix aus 80er-Synth-Pop und JRPG-Soundtrack: "Ridin' with that Charizard / I got that Poké Ball on me, it's in my Carhartt / 'Cause they'll make your ass a target up in Walmart / Bitch, I'm a god and I can make the water fall hard."
Der Beat von "PS5" scheppert wortwörtlich. Hier rollt nahezu das ganze Drumpattern: Hi-Hats, Snares, ja sogar die Kicks. Es wirkt fast schon amateurhaft, aber trotzdem cool und vor allem abwechslungsreicher als die fast schon zu klassischen Trap-Loops, die man auf einem Großteil dieser Platte vernimmt. Zudem gefällt mir der Gastpart von Rich The Kid hier wesentlich mehr als noch kürzlich auf Denzel Currys "Strictly 4 The Scythe", wo er auf dem müdesten Song des Albums mitperformte.
Generell weist die LP einige verspielte und spaßige Momente auf. Nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass abgesehen von "Number 2", den ich zugegebenermaßen sehr faszinierend fand, jeder gute und solide Track hier höchstens nur ans obere Mittelmaß des Vorgängers herankommt.


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