laut.de-Kritik
Hat den Charme einer Wurzelbehandlung beim Zahnklempner deines Misstrauens.
Review von Eberhard DoblerLang, lang ists her, dass sich Clawfinger mit ihrem Debut "Deaf Dumb Blind" auf den Tanzflächen der Clubs verewigten. Zwar waren damals die Texte schon äußerst ungelenk daher gerappt, aber das Teil hatte schon gehörig Pfeffer.
Bei "Use Your Brain" hätte man sich die Platte vorher mal anhören sollen, bevor man für teuer Geld zugreift, diesen Fehler habe ich dann aus guten Gründen bei der dritten - selbstbetitelten - Scheibe nicht mehr gemacht. Gute Voraussetzungen für "A Whole Lot Of Nothing". Denn wo keine Erwartungen sind, können auch keine enttäuscht werden, insofern konnte meiner einer ruhigen Gewissens an den Ohrenschmaus heran gehen.
Leider musste bei der Vergabe des Albumtitels wieder einmal eine Self Fullfilling Prophecy herhalten. Zwar werden die altbewährten Dampfhammer-Sounds mit zappeligen Beats aus der Konserve aufgepäppelt, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es den Songs an allen Ecken und Enden an Substanz und Pep mangelt - eben nicht viel mehr als gar nix. Zaks Shouts und Raps haben sich auch durchgenudelt und bergen keinerlei Abwechslung.
Wenn sich zu diesen traurigen Tatsachen auch noch eine der beschissensten Coverversionen der letzten Dekaden ("Vienna" von Ultravox) gesellt, offenbart sich das Desaster. Was sich anhört wie der Fanclub des FC Bayern nach der erfolgreichen Champions League-Schlacht, ist allem Anschein nach wirklich ernst gemeint. "Siss miehns naffing tu mieeeeeehhhhh, oooohhh Wiennnaaaaaahhhhhh" hat den Charme einer ausgiebigen Wurzelbehandlung beim Zahnklempner Deines Misstrauens und würde sich im Bierzelt im Verbund mit DJ Ötzi und anderen kakophonischen Straftatbeständen ganz gut machen.
Eine Freude ist es nicht, einer Band zu bescheinigen, dass sie offensichtlich die Ausfahrt verpasst hat, aber außer einem passablen Track ("Nothing Going On") passiert hier nichts. Ja, lang, lang ists her.
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