laut.de-Kritik
Die japanische Metalcore-Band ist kaum noch wiederzuerkennen.
Review von Paula FetzerMit "The Weight Of Sound" veröffentlichen Crystal Lake ihr erstes Album in neuer Konstellation. Zugegeben, wirklich neu ist sie nicht mehr. Im Frühjahr 2023 stieß John Robert Centorrino als neuer Frontmann hinzu, nachdem Ryo Kinoshita nach zehn Jahren die Gruppe 2022 verlassen hatte. Leider bedeutet das in Hinblick auf die neue Platte einen Verlust. Die japanische Metalcore-Band ist kaum noch wiederzuerkennen.
Der Opener "Everblack" macht erst noch Hoffnung. Das Quintett verliert keine Zeit und startet heavy in den Song. So bleibt es auch bis auf eine kurze Klavierpause kurz vor Schluss. Ein Breakdown würgt das jedoch sofort wieder ab. Es scheint, als würde sich die Band nicht mehr so viel Zeit nehmen wie früher.
Auf "BlüdGod" rasen die fünf wieder los. Doch spätestens nach einer Minute fragt man sich, warum das ein Crystal Lake-Song sein soll und keiner irgendeiner anderen generischen Metal- oder Hardcore-Band. Die Raffinesse von vor wenigen Jahren scheint verschwunden.
Beim Songwriting von "Neversleep" hat man sich offenbar auch wenig Gedanken gemacht. Die Lyrics sind einfallslos ("It's gonna be alright, it's gonna be okay / Not anymore, not anymore" oder "It's 2AM, I'm trying to give you a call / But you didn't pick up so I sipped more alone") und eigentlich fällt das Lied schon wegen des KI-Musikvideos durch. Also lieber weiter zu "King Down" – obwohl, auch das ist kein großer Genuss. Die Instrumente sind eindeutig zu heavy für die Vocals. Als Rocksong hätte es vielleicht noch funktioniert, so aber nicht.
Auf "The Undertow" passiert dann eindeutig zu viel, aber zu wenig Gutes. Es wirkt überladen und gehetzt, als hätte man fünfzehn Ideen in einen Song pressen wollen. Den Bläsereinsatz zum Schluss hätte es wirklich nicht gebraucht. Mit etwas Melodie versuchen sie es auch auf dem Titeltrack, was da schon besser klappt. Ein Pluspunkt an dieser Stelle.
Den ziehe ich ihnen für den Rausschmeißer "Coma Wave" wieder ab. Um es simpel zu beschreiben: Es handelt sich um eine schlechte Klavierballade mit noch schlechteren Vocal-Effekten. Ab der Mitte kommt dann die Gitarre dazu, aber auch Shredding und das ergänzende Geschrei hilft nicht.
So viel Hoffnung in den ersten Sekunden des Albums vielleicht noch da war, so wenig ist am Ende für die Zukunft der Band übrig. Keiner der Tracks kommt annäherungsweise an Lieder wie "Sanctuary" oder die ultimative Kombo "Denial // Rebirth" heran. Schade.


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