laut.de-Kritik

Covers von Avicii, Ozzy Osbourne, Green Day, Die Toten Hosen u.a.

Review von

Vor rund zehn Jahren schickten sich D'Artagnan an, als musizierende Musketiere die deutschen Albumcharts zu erobern. Dass der bierselige Folk- und Mittelalter-Rock klanglich nicht so recht zum Image passen wollte, änderte nichts am Erfolgskurs. Nun präsentieren die fränkischen Degenschwinger mit "Helden X Hymnen" eine Auswahl bekannter Charthits sowie mit dem Titeltrack einen eigenen neuen Song.

Der stimmt mit seiner rockigen Ausrichtung und viel akustischem Geklampfe und Sackpfeifen den Hörer nostalgisch auf die restliche Spielzeit ein. Die Neuinterpretation von Aviciis "Wake Me Up", die gemeinsam mit der US-amerikanischen Dudelsackspielerin Piper.Ally entstanden ist, gestaltet sich in den Strophen recht ruhig, dringt im Refrain aber in stampfendere Party-Gefilde vor, wobei sich ein gewisser Schlagertouch nicht verleugnen lässt.

Das Cover von "Holding Out For A Hero", im Original von der erst kürzlich verstorbenen Sängerin Bonnie Tyler, überzeugt mit nach vorne gehenden Klängen ein wenig mehr. Dabei schreckt die Formation auch vor Steeldrums nicht zurück. Die Neuversion von Ozzy Osbournes "Crazy Train" erweist sich als genauso geradlinig. Dabei spiegeln die akustischen Töne die melodischen Feinheiten des Originals wider.

Die Neuinterpretation von Phil Collins' "In The Air Tonight" bewegt sich eher im Midtempo, lädt aber im Refrain mit kraftvollen Vocals Ben Metzners zum Mitsingen ein. Schön, dass D'Artagnan auch das berühmt-berüchtigte Drumsolo der Ursprungsversion berücksichtigen. Danach geht den Musketieren jedoch so ziemlich die Puste aus.

Céline Dions "My Heart Will Go On" glich schon 1997 einer Katastrophe in Songgestalt. Daran ändern auch D'Artagnan nichts. Die punkigen Coverversionen von Green Days "Basket Case" und Die Toten Hosens "Alles Aus Liebe" wirken wie ein bemühter Versuch, im Fahrwasser von Saltatio Mortis mitschwimmen zu wollen. Mike Oldfields und Maggie Reillys "Moonlight Shadow" sowie Sportfreunde Stillers "Ein Kompliment" kommen in einer flotteren Fassung daher, wirken gegenüber den Neuinterpretationen von "Holding Out For A Hero" und "Crazy Train" aber etwas blass.

Als Highlight kristallisiert sich die hymnische und mit leicht metallischer Härte versehene Neuversion von Fleetwood Macs "Go Your Own Way", die sogar mit einem kurzen Gitarrensolo aufwartet. Schade, dass die Franken am Ende auch noch die unsäglichen Imagine Dragons bearbeiten müssen. Zwar kommt die D'Artagnan-Version von "Believer" ohne die stampfenden Trommel-Klänge im Refrain aus. Das ändert aber auch nichts daran, dass man bei der lautstark dargebotenen Hook unweigerlich Aggressionsgefühle bekommt.

Zumindest muss man anerkennen, dass sich tatsächlich eine gewisse Musikalität heraushören lässt, wenn D'Artagnan hier und da die eigene schunkelige Komfortzone verlassen, so dass man durchaus gespannt sein darf, wie sich die Formation in der weiteren Zukunft entwickelt. Dennoch dürfte es für die Band immer noch ein langer Weg sein, bis sie zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz von Schandmaul und Co. heranwächst.

Trackliste

  1. 1. Helden X Hymnen
  2. 2. Wake Me Up
  3. 3. Holding Out For A Hero
  4. 4. Crazy Train
  5. 5. In The Air Tonight
  6. 6. My Heart Will Go On
  7. 7. Basket Case
  8. 8. Alles Aus Liebe
  9. 9. Moonlight Shadow
  10. 10. Ein Kompliment
  11. 11. Go Your Own Way
  12. 12. Believer

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