laut.de-Kritik
Dieses Album denkt konsequent in Bühnenbildern.
Review von Emil DröllLeider gelingt DJ Bobo ausgerechnet das, was seiner Namensinspiration nie vergönnt war: der Ausbruch. Denn was auf "The Great Adventure" passiert, ist von Alltimern wie "Let The Dream Come True" oder "Everybody" nicht nur weit entfernt, sondern bewegt sich in einer anderen Erlebniswelt. Wo früher simple, aber effektive Hooks auf trashige Rap-Einlagen trafen und dabei zumindest Charme entwickelten, regiert heute ein überambitionierter Mischmasch aus Disney-Soundtrack, Dance-Pop, Latin-Versatzstücken, Schlagersynths und maximal aufgedrehtem Bass.
Schon beim Albumcover erahnt man nichts Gutes: Entweder soll hier ein neuer Casino-Spielautomat beworben werden – oder DJ Bobo dreht endgültig frei. "Intro The Great Adventure" macht die Marschrichtung sofort klar: Show statt Songs. Dieses Album denkt konsequent in Bühnenbildern, nicht in musikalischen Ideen.
Der Übergang in den Titeltrack ist noch vielversprechend: düsteres Intro, eingängige Melodie, Hoffnung. Doch dann kippt alles in eine Art bassgeboosteten Abenteuer-Pop, der Legenden, Aufbruch und Entdeckergeist beschwört, ohne jemals mehr zu liefern als plakativen Pathos. Dass dieses Konzept ernsthaft tragen soll, wirkt ambitioniert bis größenwahnsinnig.
Spätestens mit dem Wissen, dass "The Great Adventure" dem Europapark zuspielen soll, fügt sich das Bild: Arena-Shows, thematische Bezüge, später sogar ein eigens dem Park gewidmeter Song. Das Album wirkt dadurch weniger wie eine Sammlung von Liedern, sondern wie der Soundtrack zu einer Attraktion, die man einmal mitnimmt und danach abhakt.
"Without You" tritt nach dem Vorgänger abrupt auf die Bremse. Statt Vorwärtsdrang gibt es eine Ballade, die den ohnehin fragmentierten Flow des Albums weiter zerlegt. "Sombrero" lässt keinen Zweifel, in welcher Parksektion das laufen soll.
"We Make A Change" schwelgt weiter im Pathos, musikalisch schwankt der Track irgendwo zwischen Musical-Nummer und Motivationsmacher. Spätestens hier lässt sich der Musical-Charakter nicht mehr leugnen: große Gesten, große Gefühle, aber wenig musikalische Substanz.
"Eldorado" bedient die Abenteuer-Klischeekiste so routiniert, dass selbst diese Ermüdungserscheinungen zeigt. Immerhin wird es wieder tanzbarer, wenn auch konsequent disneyfiziert. "You Are My Life" bleibt im Pop-Fahrwasser. "Dancing On The Ceiling Tonight" schrammt im Intro gefährlich nah an "Walk In The Park" vorbei, löst sein Potenzial danach aber nicht vollständig ein, auch wenn der Song kurz aus dem Kinderunterhaltungs-Schema ausbricht.
"Queens & Kings" bringt schließlich kurz Leben ins Album: DJ Bobo rappt herrlich trashig durchs Set. Leider wird auch hier jede Dynamik mit trailerhaften Spannungsbögen zugeschüttet, als liefe permanent ein Actionfilm im Hintergrund. Trotzdem bleibt dies der interessanteste Track des Albums. "Big Ben" setzt den Zirkus fort und klingt, als hätte man eine Musicalnummer versehentlich in einen Dance-Ordner verschoben. Langsam stellt sich weniger die Frage nach dem Genre als nach der Zielrichtung.
"Let Your Dreams Come Alive" bleibt solide, aber blass. "Fire & Ice" bringt produktionstechnisch keine neuen Impulse, "Sing It" ist schnell vergessen. Die Europapark-Hommage "Celebrating Under The Stars" beschließt das Album schließlich konsequent als großes Finale – mehr Musical als Pop, mehr Inszenierung als Song.
Was feststeht: "The Great Adventure" ist bis ins Detail durchkonzipiert. Was ebenso feststeht: Die musikalische Idee dahinter bleibt diffus. DJ Bobo klatscht Stile, Stimmungen und Zielgruppen zusammen und erschafft damit ein Album, das weniger als eigenständiges Werk funktioniert, sondern als Begleitmusik für ein Erlebnis. Und das ist am Ende schlicht zu wenig.


8 Kommentare mit 6 Antworten
Gerade wenn man denkt, Rap sei tot.
Gut, dass es ein Intro gibt, sonst wäre es vielleicht etwas viel Abenteuer auf einmal. Nicht, dass noch Magie oder Piraten auftauchen und man unvorbereitet ist.
Auch wenn das Genre klar auf'm absteigenden Ast ist, kommen dann und wann doch Meisterwerke wie dieses heraus! Deshalb liebe ich Hip Hop ♥
Ich habe immer bedauert, dass es kein MTV Unplugged-Album von ihm gibt...
Krasse Show. Sound etwas zu altmodisch, dafür erreicht es aber viele Menschen. Es geht auch eher um die spirituellen Botschaften, als um die Person selbst. Von daher, Daumen hoch.
Bobo No Money
Absolute Legende!
Kölliken represent! RIP HOOBEE! RIP OBEROPI!
Hoobee hat mit "Heute hab ich keine anderen Pläne, ausser Bier zu trinken" mehr Samstagnachmittags-Lebensrealität des durchschnittlichen Malochers in eine Line gedropt, als es den vielen Textakrobaten in ihrer kompletten Laufbahn gelingt.
Schon 2 Jahre. Zeit vergeht. Sein Input für uns, mein Gedenken an ihn, bleibt.
Kölliken bleibt stark!
Niemals vergessen.
DJ Bobo ist genau wie Böhse Onkelz, nur ganz anders.
Beim Intro dachte ich kurz gleich kommt Livin on a Prayer oder Money for Nothing:
Aber DJ Bobo ist glaube ich seit 20 Jahren mit der Bühnenshow im Fokus unterwegs. Er ist damals auf den Piraten-Hype aufgesprungen und hat mit seiner Frau große Shows konzipiert und führt das seitdem auch konsequent weiter. Teils auch im Europapark. Also ganz neu ist die Entwicklung nicht.
HipHop + irgendwas mit saufen = die andere Hälfte der Miete auf laut.de