laut.de-Kritik

Vom kleinen Jungen zum Rapstar, der sein Leben hinterfragt.

Review von

"On June 3rd, a wolf was born, I'm king to you Chauncey's / Mama work and pops hustlin', I'm home alone, Macaulay." Harlem-Native Dave East schließt sich nach "Hoffa" vor fünf Jahren auf "Price Of Pain" ein weiteres Mal mit dem umtriebigen Beatbastler Harry Fraud zusammen und erzählt über 14 Songs hinweg seine Geschichte – vom kleinen Jungen auf den Straßen Harlems bis zum Rapstar, der sein Leben hinterfragt. In jedem Track finden sich kleine Facetten und neue Perspektiven. Reines Storytelling oder zu viel sozialkritischen Kitsch lässt der schauspielende Rapper links liegen – und Fraud sorgt dafür, dass die Musik stets zünftig kickt.

Der Reigen beginnt in "Papaya Juice" als Kind allein zu Haus'. Der Sommer ist in der Stadt und der drumlose Sound aalt sich im Soul. Als sich der Beat zu einem Kanye-West-Gedächtnis-Kopfnicker wandelt, steigt auch der Adrenalinspiegel. "Witness in the courtroom sweatin', that's the shit a coward do / In Harlem, you live longer in the army than at a barbecue / If you become a star, this shit you started'll start to bother you." Dave East gibt sein Leben nicht chronologisch preis, vielmehr springt er selbst innerhalb der Stücke zwischen verschiedenen Phasen hin und her.

Für "Everything Is Up" holt er sich den Drogenbeauftragten Benny The Butcher in die Booth und Benny-Kumpel Harry packt auf Kommando die melancholischen Psycho-Loops aus. Der Butcher schlachtet natürlich bekannte Kühe in der Drogenküche, während East im Hook positive Zeichen aus Zeiten des Erfolgs sendet: "Never catch me complainin', I'm blessed, and highly favored / Came a long way from watchin' my mother stressin' to pay rent / Now nothin' we do is basic, everything is up."

Überall finden sich einfache, aber sehr nahbare und bildliche Verse. Im soulig-leichten "Hot Peas & Butter" spannt East innerhalb weniger Worte den Bogen von Spritzen auf den Parkbänken zum Mercedes vor der Haustür: "At the park, I used to see syringes, and now it's Benzes / Alcoholics used to bleed the benches." Doch jetzt gefällt Mama, wie sie lebt. Im tief in den Achtzigern vibenden "Minding My Business" offenbart er fast nebenbei die eigene Dealer-Vergangenheit und wie sehr sie ihn stresste: "I used to wake up and hope that my custy ain't overdose / They said he just caught the Holy Ghost."

Keine Angeberei, kein aufgesetztes Gangsta-Getue. Dave East gestaltet mit seiner reifen, rauen Stimme jeden Track interessant. Er ist kein Flow- oder Punchline-Gott, doch man hört gern zu, wenn er rappt. "Price Of Pain" lebt zudem von der Chemie mit Harry Fraud. Der Produzent spielt ihm stabile, aber unaufgeregte Beat-Bälle zu – ob Vocal-Pitch-Boom-Bap auf "Clyde Frazier", Frauds Trademark-Miami-Vice-Saxophon-Vibes bei "Hussle In My Nature", funkiger R'n'B auf "Thirsty" oder das RZA-Loop-Monster "Stay With Me". Dave verwandelt die Vorlagen gekonnt.

Am Ende schließt East den Kreis zum Opener, musikalisch wie lyrisch. Harry spiegelt für "Fill A Casket" den drumlosen Soul von "Papaya Juice", diesmal mit positiven Gospel-Samples. Auch die hart arbeitende Mutter aus dem ersten Track taucht gedanklich wieder auf. Der Junge, der einst allein zu Hause saß, ist erwachsen, unabhängig und kann seiner Familie etwas zurückgeben. "I told my mom I fill a million before I fill a casket."

Trackliste

  1. 1. Papaya Juice
  2. 2. Everything Is Up
  3. 3. Hot Peas & Butter
  4. 4. Minding My Business
  5. 5. Follow My Lead
  6. 6. Rasta Pasta
  7. 7. Alley Oop
  8. 8. Clyde Frazier
  9. 9. No One Like You
  10. 10. Thirsty
  11. 11. Life Cycle
  12. 12. Hussle In My Nature
  13. 13. Stay With Me
  14. 14. Fill A Casket

Videos

Video Video wird geladen ...

1 Kommentar