laut.de-Kritik
Zwischen Liebesglück und Selbstzweifeln verheddert.
Review von Karina SadkovGanz schön verstrickt, was Dominik Hartz auf seinem neuen Album "Verstr!ckt" so alles beschäftigt. Zwischen Liebesglück, Selbstzweifeln und alten Verletzungen versucht der Hamburger, seine Gefühle irgendwie zu sortieren. Dazu gibt es mal Indie-Pop, mal Indie-Rap und zwischendurch auch einen Ausflug in Richtung Hip-Hop. Viele der Songs funktionieren für sich genommen ziemlich gut, sie passen nur nicht so richtig zusammen.
Los geht es mit "Fast Vergessen", für das sich Hartz Unterstützung von Jolle geholt hat. Der Song handelt von diesem schönen Gefühl, wenn nach einer langen, schwierigen Zeit plötzlich wieder alles ein bisschen leichter wird. Während Hartz vor allem auf das blickt, was inzwischen wieder gut läuft, beschäftigt sich Jolle in ihrer Strophe noch ziemlich ausführlich mit den schlechten Zeiten. Das passt zwar grundsätzlich zum Thema, nimmt dem Song aber auch ein wenig von seiner eigentlich hoffnungsvollen Stimmung. Trotzdem ein gelungener Einstieg.
Mit "Ich Schmeiß Mein Leben Weg Und Lach Dabei" greift er auf die schlechten Zeiten zurück. Hartz singt über selbstzerstörerisches Verhalten und darüber, wie er mit seinen eigenen Problemen umgeht. Die Lyrics sind durchaus interessant, musikalisch überzeugt der Song allerdings weniger. Gerade der Anfang zündet nicht so richtig, und auch danach bleibt nicht besonders viel hängen.
Ganz anders sieht das bei "Alles Geht Vorbei" aus. Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier einen ziemlich unbeschwerten Indie-Pop-Song vor sich zu haben. Der Beat ist eingängig, die Melodie fast schon verträumt und die Strophen erinnern stellenweise an Kasi und Antonius. Im Refrain klingt Hartz dagegen wieder ganz nach sich selbst. Doch wer genauer auf den Text hört, merkt schnell, dass es hier alles andere als fröhlich zugeht. Hartz erzählt von seiner Vergangenheit, von Selbstzweifeln und dem Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Besonders die Zeile "Fuck, kann denn keiner von euch Pissern seh'n" bringt seine Verzweiflung ziemlich auf den Punkt. Da möchte man den Sänger am liebsten einmal fest in den Arm nehmen. Und während die Lyrics einen emotional völlig mitnehmen, lädt der Beat gleichzeitig dazu ein, auf einem Festival ordentlich mitzusingen. Dieser Gegensatz funktioniert erstaunlich gut und macht den Song zu einem der stärksten des Albums.
Nach so viel emotionalem Ballast kommt "Atme Aus" gerade recht. Der Song klingt mit seinem leicht jazzigen Einschlag erst einmal ganz anders als seine Vorgänger. Statt großer Gefühlsausbrüche gibt es hier eine entspannte, fast schon beschwingte Stimmung. Auch inhaltlich scheint Hartz endlich an einem Punkt angekommen zu sein, an dem er mit seinen Problemen etwas besser umgehen kann. "Welch ein gutes Gefühl", singt er, als die Schwere der Vergangenheit langsam von ihm abfällt. Die alten Verletzungen sind zwar nicht einfach verschwunden, aber sie scheinen ihn nicht mehr so sehr zu belasten. Manchmal ist es eben schon ein Fortschritt, wenn man endlich wieder richtig durchatmen kann.
Dass er sich dabei inzwischen ziemlich "federleicht" fühlt, ist auch gleich die perfekte Überleitung zu "Schwerelos". Gemeinsam mit Paula Engels liefert er hier einen Liebessong ab. Und der kann sich durchaus hören lassen. Die Stimmen der beiden passen wunderbar zusammen und der verträumte Sound, der stellenweise fast ein bisschen an R'n'B erinnert, lässt einen tatsächlich kurz schwerelos fühlen. Seine Partnerin scheint für Hartz vor allem jemand zu sein, der ihm zwischen all seinen Problemen wieder etwas Halt gibt. Schade nur, dass der Song so abrupt endet.
Überhaupt nimmt die Liebe auf "Verstr!ckt" einen ziemlich großen Platz ein. Auch "Seh Nur Dich" und "Wenn Du Einfach Mit Deinen Händen Mein Gesicht So Nimmst" widmen sich den romantischen Seiten des Lebens. Beide Songs sind nett anzuhören, bleiben im Vergleich zu den stärkeren Momenten des Albums aber etwas unscheinbar.
Wer jetzt glaubt, Hartz hätte sich endgültig auf gefühlvollen Indie-Pop eingeschossen, wird mit "Turbofresh" eines Besseren belehrt. Plötzlich wird es deutlich tanzbarer. Der Beat hüpft ordentlich vor sich hin und erinnert stellenweise an Viko und Penglord. Nach den eher ruhigen und romantischen Songs kommt dieser Richtungswechsel ziemlich unerwartet. Spaß macht die Nummer trotzdem.
Auf "Riss In Der Fassade" zeigt er anschließend, wie viel Gefühl in seiner Stimme schlummert. Besonders im Refrain singt er nicht einfach nur, sondern schreit sich seine Emotionen regelrecht aus der Brust. Gerade diese ungefilterten Momente stehen ihm gut. Man nimmt ihm ab, was er da singt, ohne dass es dafür besonders viele musikalische Spielereien braucht.
An guten Ideen mangelt es ihm definitv nicht. Seine persönlichen Texte und die unterschiedlichen musikalischen Einflüsse sorgen imm wieder für starke Momente. Nur finden die einzelnen Songs auf "Verstr!ckt" nicht so richtig zusammen. Am Ende bleibt eher eine Sammlung guter Songs als ein rundes Album.


1 Kommentar mit einer Antwort
sein viertes Album kann er ja Hartz IV nennen
Hartz !V wohl eher