laut.de-Kritik
Die leisen Seiten der Lebensfreude.
Review von Emil DröllFerris & Sylvester machen es sich auf ihrem dritten Album erstaunlich gemütlich. Wo "Otherness" noch gerne mehr mit Bluesrock und kantigen Gitarren um sich schlug, setzt "It's A Joy To Be Alive" häufiger auf Wärme, große Melodien und austarierte Arrangements. Das klingt zunächst weniger aufregend, erweist sich aber als die bislang stimmigste Seite des britischen Ehepaars.
Dabei haben die beiden ihr Rezept keineswegs über Bord geworfen. Blues, Americana, Garage-Rock und zweistimmiger Gesang bilden weiterhin das Fundament. Nur muss nicht jeder Song beweisen, wie laut eine Gitarre sein kann. Stattdessen lassen Ferris & Sylvester ihren Songs Luft und gewinnen dadurch überraschend viel.
Schon der Titelsong baut altbekannt auf das Rezept aus Garage-Gitarren und zweistimmigem Gesang. In "It's A Joy To Be Alive" wird das Leben gefeiert. Nicht mit Konfetti, eher allein mit Kopfhörern. Aber auch das funktioniert wunderbar.
"Jealous" baut wiederum stärker auf Bluesrock. Sylvesters Gitarrensoli brechen die poppigen Strukturen auf, dennoch lebt der Track von seinem ausgeprägten Ohrwurmcharakter und bleibt damit ziemlich schnell im Gedächtnis.
"The Game" setzt sein Alleinstellungsmerkmal mit Streicherklängen geschickt ein und wird zum leichtfüßigsten Track der Platte. Dazu ein fast funkiger Beat, und fertig ist das Ding. Der Song wirkt wie ein kleiner stilistischer Ausreißer, fügt sich aber erstaunlich gut ins Gesamtbild ein.
"Tiny Little Love" schraubt wieder alles zurück. Issy Ferris trägt den Gesang allein und lässt dem Song entsprechend viel Raum. Wo das Album sonst gerne auf große Arrangements und harmonische Wechsel setzt, funktioniert hier gerade die Reduktion.
"Strange Thing" überzeugt mit feinster 70er-Jahre-Gitarre samt Jimi Hendrix-artiger Verzerrung. Dazu eine Perkussion, die den Song noch weiter in Richtung Rock schiebt. Einer der wenigen Momente, in denen die beiden etwas lauter werden.
"5-4-3-2-1" zieht dann endgültig weiter in den Garage-Rock. Das Schlagzeug kurbelt die BPM hoch, der Gitarrensound trägt auch hier wieder maßgeblich die Atmosphäre und Ferris legt endlich einmal komplett offen, was gesanglich in ihr steckt. Der Song wirkt dadurch wie ein kleiner Befreiungsschlag innerhalb des ansonsten eher entspannten Albums.
In "Peach Tree Street" lösen sich die beiden wieder etwas vom 70s-Flair. Das Stück klingt moderner, nicht zuletzt Sylvesters Stimme trägt dazu maßgeblich bei. Hier übernimmt er den Hauptgesang und verleiht dem Album damit noch einmal eine andere Färbung.
In "Stupid & Young" hat wieder Ferris die Vorherrschaft. Die Americana-Anleihen kehren zurück. Nicht unbedingt der spannendste Track des Albums, aber selbst diese reduzierten, unscheinbareren Momente bleiben musikalisch auf hohem Niveau und machen immer noch Freude beim Hören.
"Fishing Song" pfeift sich durchs freudenvolle Leben. Hier kommt der Gesangsduett-Charakter der beiden besonders schön zum Vorschein. "Lucky Night" dreht anschließend wieder alles einmal um: Plötzlich wird das Arrangement voll, beinahe überladen, nicht zuletzt, weil Sylvester den Bass ordentlich aufdreht. Die groovigen Gitarren entschärfen den Viersaiter in seiner Präsenz allerdings wieder etwas. So entsteht ein leicht düsterer, gleichzeitig aber lebensfroher Track.
"The Sun Will Shine Again" beschließt das Album schließlich mit dem, was Ferris & Sylvester am besten können: Streicher, Gefühl, etwas Epos und Lowtempo. Ein versöhnlicher Abschluss, der die Grundstimmung der Platte noch einmal bündelt.
Ferris & Sylvester klingen auf "It's A Joy To Be Alive" so stimmig wie nie zuvor: etwas ruhiger, aber dafür mit umso mehr Gefühl, Ohrwurm-Melodien und bluesigen Gitarrensoli. Ein Album, das seine Lebensfreude nicht herausbrüllt, sondern ganz entspannt ausspielt.


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