laut.de-Kritik
Das Warten hat sich gelohnt.
Review von Kai ButterweckBeinahe auf den Tag genau vor 21 Jahren veröffentlichten Gluecifer ihr letztes Studioalbum "Automatic Thrill". Nun melden sich die Norweger zurück. Im Gepäck haben sie den Comeback-Longplayer "Same Drug New High" – ein beeindruckender musikalischer Gegenentwurf zur gängigen Wer-rastet-der-rostet-These.
Die beiden Gründungsmitglieder Biff Malibu (Gesang) und Captain Poon (Gitarre) und ihre langjährigen Bandkollegen Raldo Useless (Gitarre), Danny Young (Drums) und Peter Larsson (Bass) schließen die Lücke, die in den vergangenen Jahren keiner in der Lage war zu füllen, einfach selbst. Mit "Same Drug New High" macht die Band genau da weiter, wo sie vor zwei Jahrzehnten mit "Automatic Thrill" aufgehört hat und legt damit auch den Finger in die Wunde einer Branche, die sich viel zu lange auf ihren Lorbeeren ausruhte.
Drummer Peter Larsson ist der erste, der aufs Gaspedal drückt und im fulminanten Opener "The Idiot" die Richtung vorgibt. Seine Kollegen sind Ruckzuck mit an Bord und legen nach. Die Gitarren röhren, der Bass pumpt und die Chöre im Refrain bewegen sofort die Massen: Alles beim Alten, als wären sie nie weg gewesen.
Die selbsternannten "Kings of Rock" toben sich richtig aus ("Same Drug New High", "Armadas"), ehe sie den heiß gelaufenen Motor etwas drosseln und mit "I'm Ready" einen wahren Schweinerock-Hit an den Start bringen. Der Refrain will so schnell nicht mehr aus dem Ohr. Es folgen noisige Powerchords, die im abgedämpften Modus auch dem einen oder anderen Metal-Fan ein Lächeln ins Gesicht zaubern ("The Score"). Das rockige "Pharmacity" weckt Erinnerungen an glorreiche The Cult-Zeiten. Die Klampfen rauchen wie wild ("1996"). Und der Bass kommt auch nicht zu kurz ("Made In The Morning").
Kurz vor dem Finale schnaufen Gluecifer durch und schalten für knapp vier Minuten in den Verwaltungsmodus ("Mind Control"). Sei ihnen gegönnt. Eine weitere Mitsing-Hymne, die man hoffentlich ins zukünftige Live-Programm mit aufnimmt ("Another Night, Another City"), sowie eine atmosphärische Prise Psycho-Rock bilden den krönenden Abschluss einer wilden Comeback-Sause, für die sich das lange Warten definitiv gelohnt hat.


1 Kommentar
"Kurz vor dem Finale schnaufen Gluecifer durch"
*schniefen