laut.de-Kritik
Psych-Pop-Perlen im verdunstenden texanischen Nebel.
Review von Kerstin KratochwillDer Zufall als schöpferisches Prinzip: Die Kunstszene um den Dadaismus strahlte schon immer in den Pop. Ob nun in Franz Ferdinands Clip zum Hit "Take Me Out", Helge Schneiders genialen Quatschlyrics oder im lakonischen NDW-Klassiker "Da Da Da" von Trio – die Bewegung hinterließ viele Spuren.
Nun reklamiert die texanische Band Holy Wave auf ihrem aktuellen Album gleich für sich: "I'm Dada", und stellt dies in Songtiteln wie "s33.u.in/HAL", das musikalisch an die Dreampop-Shoegazer DIIV oder Cigarettes After Sex erinnert, unter Beweis. Auch der Sound mutet durchaus dadaistisch an, vermengt er doch disparate Elemente wie Surreales, Grooviges, Noisiges und Psychedelisches.
Manche Songs wie beispielsweise "First Dae" klingen wie eine softere Stereolab-Version, andere wie das titelgebende "I'm Dada" an an verspielte Varianten von Veteranen wie NEU! und Can oder neue Acts wie Peel Dream Magazine. Aufgenommen in Ensenada, Mexiko, wo der Horizont des Pazifiks eine klare, unveränderliche Linie zieht, verschwimmt Holy Waves Musik im verdunstenden Nebel, um jedoch an anderen Stellen mit treibendem Lo-Fi-Rock wieder aufzutauchen.
Viele Tracks zirkulieren um Loops, entfalten eine hypnotische Kraft und fallen schließlich wie ein fluffiges Sample-Soufflé in einer Downtempo-Trägheit in sich zusammen. Dabei zieht sich das Prinzip motorischer Beat versus verschwommene Gitarrenklänge durch das Album, der Zufall spielt hier sicherlich nicht mit – denn durch das scheinbare Chaos zieht sich eine Struktur.
Die Musik korrespondiert mit dem Inhalt – es geht ums Stabilbleiben in einer beschleunigten Welt, das sich Entfremden und Zusammenfinden. Das hier ist Hippie-Rock mit Handbremse, Psych-Pop mit Pointe und Storytelling mit Storyline.
"I'm Dada" vereint gleich einige Kunstkonzepte in sich und ist dennoch kein verkopftes Werk, sondern spricht wegen seiner mitreißenden Melodien, traumgetränkten Texturen und schwebenden Sounds instinktiv an. Ein zufälliges und zielloses Dahintreiben wie in früheren Alben umschiffen Holy Wave durch die geschärften und geerdeten Melodien.


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