laut.de-Kritik
Durch jede Ritze dieser coolen Indie-Platte scheint die Sonne.
Review von Kerstin KratochwillVor drei Jahren erschien mit "Versions Of Modern Performance" das erstaunliche Debüt dreier (Schul-) Freundinnen aus Chicago, deren zauberhafter Indie-Schrammel-Sound klang, als würden sie zusammen Pferde stehlen und dem braven Ponyhof-Leben einen ordentlichen Tritt verpassen. Horsegirl sei "party music for sad people", befanden ihre britischen Kolleginnen von Wet Leg und mit dem Song "Anti-Glory" hatten sie dies schon 2022 aufs Eindrücklichste bewiesen: Ein Instant-Klassiker, irgendwo zwischen Sonic Youth, The Breeders und Elastica angesiedelt und in seltener Perfektion strahlend.
Vom oft zitierten schwierigen zweiten Album keine Spur: Penelope Lowenstein (Gitarre, Gesang), Nora Cheng (Gitarre, Gesang) und Gigi Reece (Schlagzeug) verhelfen "Phonetics On And On" gleich mit dem Opener "Where'd You Go" zu charmanter Lässigkeit, wobei sich in die psychedelische Spielfreudigkeit jede Menge Stereolab einschleicht. Die diesmal von Cate Le Bon (u.a. Deerhunter, St. Vincent, Wilco) produzierte Platte verschiebt die Koordinaten von Horsegirls Sound mehr in Richtung Pop, Minimalismus und Experiment.
Dies zeigt sich auch im Instrumentenkasten, in dem sowohl Violinen und Synths zum Zuge kommen, als auch Gamelan, Perkussives wie Gongs, Xylophone und Trommeln, die den Songs ein warmes repetitives Grundrauschen verleihen. Mit den intimen wie innovativen Melodien sind sie ihren Vorbildern Yo La Tengo, Guided By Voices oder Pavement entwachsen, überhaupt klingt der Nachfolger des gefeierten Debüts eigenständiger.
Klare Sound-Gefilde treffen auf dichte Flächen und sperrige Konstrukte – Krautrock meets Weird-Folk, Art-Pop spielt mit Noise und Jangle flirtet mit Indie-Rock. "Phonetics On And On" ist ein cooles, charmantes Indie-Rock-Puzzle für verspielte und verschrobene Freund*innen von experimentierfreudiger Musik, wobei durch jede Ritze Sonne, Liebe und Originalität strahlt.
Noch keine Kommentare