laut.de-Kritik
80er-Hits als Melodic Rock fürs Auto.
Review von Stefan JohannesbergOoh, take a look at me now...", wahlweise krakeelen Mariah Carey oder Phil Collins den legendären "Against All Odds"-Schmachtfetzen in die Gehörgänge, während die geballten Fäusten pathetisch an die Brust wandern. DIe Hamburger Power Metal-Veteranen Iron Savior interpretieren die Power Ballade auf ihrem Coveralbum "Awesome Anthems Of The Galaxy" nun als schmissigen Mitempo-Tune, der dank der Herzschmerz-Harmonien der Originals als Melodic Rock fürs Auto hervorragend funktioniert.
Eine Coverversion darf dann in der Nähe des Original stehen, wenn sie die Essenz und Seele des Tracks findet, respektiert und neu vertont. Pop-Perlen wie "Suburbia" oder "Take On Me" werden ja nicht besser, nur weil gute Musiker dieselben Noten mit Gitarre statt Synthie spielen. "Against All Odds" erfüllt diese Kriterien jedoch - und ist überraschenderweise damit nicht alleine.
Die Tracklist des vierzehnten Albums ließ schon Schlimmes befürchten, doch Piet Sielck und Kollegen finden einige spannende Ansätze für die Hits der 80er. Irene Caras wummernder Disco-Feger vom gleichnamigen Film "Fame" gerät mit wippender Bass-Snare-Kombi und kraftvoll-kehligem Gesang fast bluesig. Erinnerungen werden wach an Iron Savior allererstes, offizielles Cover zu Seals "Crazy", als Bonustrack veröffentlicht vor fast 25 Jahren. Bei Caras zweitem Cover "What A Feeling" aus dem ultimativen 80er Tanzfilm schwant einem schon Fototapeten-Böses, eignet sich der Song doch perfekt für billigen Party-Metal. Iron Savior kriegen zum Glück im starken Refrain die Kurve, als der Beat beginnt zu galoppieren und statt an Schlager-Move-Kompatibilität an Härte gewinnt.
"Maniac", einem weiteren Klassiker aus dem Film, garnieren sie dagegen nur mit ein paar Riffs und ein paar mehr Drums-Breaks und Fills. Ähnlich verfahren sie bei "All I Need Is A Miracle" von Mike & The Mechanics. Beide Tracks entwickeln sich so nicht zu den erwarteten Highspeed-Metal-Tunes. Ähnlich wie bei den Coverversionen von Leatherface, die einfach alles in ihren Style hinein saugen und durchballern, wäre es auch ein Heidenspaß gewesen, 80er Hits als irren Mix aus Highspeed-Attacken und bombastischen Chören zu hören. Aber: Der Melodic Rock-Sound, der auch schon "Against All Odds" so kurzweilig machte, funktioniert.
Natürlich funktioniert nicht alles, doch Mut muss auch goutiert werden. Bei "Take On Me" versuchen sie gar nicht erst, dessen Power zu matchen, sondern interpretieren ihn bis auf den originellen Frauchen-Chor konservativ. Ähnlich egal fährt "Forever Young" im Midtempo an einem vorbei. Die emotionale Tiefe geht hier komplett flöten. Die "Für immer Punk"-Nummer der Goldenen Zitronen steht auch nach 40 Jahren noch an erster Stelle. An der Vielschichtigkeit von "Suburbia" scheitern sie mit Wah-Wah-Gitarrenklängen kläglich.
Die oben noch umschiffte Party-Bühne erklimmen sie mit "When The Rains Begins To Fall" und "Here Comes The Rain Again" dann leider doch noch. Schlager-Power-Metal, der jegliche Dynamik oder Eigenständigkeit missen lässt, sind eigentlich unter dem hier aufgetischten Niveau der Hamburger. Auch "(I Just) Died In Your Arms" der großartigen Cutting Crew spiegelt zu keiner Zeit die Dynamik und Zärtlichkeit des Originals.
Einen versöhnlichen Schlusspunkt setzen Iron Savior mit dem besten Track des Albums. Auch "Catch Me I'm Falling", den 83er Hit der australischen New Wave-Truppe Real, transformieren sie in einen Melodic Rock-Banger, der dir jede Fahrt von Hamburg durch die Galaxy verzaubert.


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