laut.de-Kritik

Auch besoffen eher mäßig.

Review von

Ich habe mir von den Kollegen in der Redaktion sagen lassen, J.B.O. sei nur unter Einfluss von Alkohol erträglich. Also habe ich das mit dem neuen Projekt "Haus Of The Rising Fun" selbst versucht. Wir wollen ja fair bleiben, oder nicht? Bevor ich auf den Einfall kam, das Album besoffen zu bewerten, habe ich es beim ersten Durchgang nüchtern ertragen und ich musste danach tatsächlich heulen. Dani ist mein Zeuge.

Fangen wir doch mal mit einigen Parodien an. Bei dem Titeltrack "Haus Of The Rising Fun" haben wir es, wie der Name schon impliziert, mit einer Metal-Bastardisierung des Animals-Klassikers "The House Of The Rising Sun" zu tun. Der Song erfüllt die Funktion eines Legacy-Tracks: "There is a house in Erlangen / They call the rising fun / Viel ist dort blöd / Viel macht dort Sinn / Yes it is wo alles begann". Ein ziemlich schläfriger Anfang für ein Projekt mit dem Wort "Fun" im Titel.

"I Kissed A Girl" macht sich nicht mal die Mühe, den schon fast zwei Jahrzehnte alten Hit von Katy Perry zu parodieren. Es bleibt ein rottiges Metal-Cover eines alten Radio-Pop-Schinkens, der an sich schon verhältnismäßig rockig klingt. Das auf Hüttengaudi konzipierte "Bussi" hört sich so an, als würde man Till Lindemann in ein Oktoberfestzelt sperren, ihm eine Waffe an seinen Kopf halten und zwingen, etwas Wiesn-taugliches über die Lippen zu bringen.

Die größte Frechheit ereignet sich aber mit "Woke On The Smater", eingeleitet mit dem kurzen Skit "Ein Sehr Gutes Lied": "Warnung: Das folgende Lied ist sehr gut." Mir ist ja bewusst, dass sich J.B.O. absolut nicht ernst nehmen, aber das bringt nichts, wenn der Witz einfach nicht zündet. Denn der super innovative Joke des gesamten Tracks ist lediglich die Vertauschung von Anfangsbuchstaben: "Ich bin zu alt für Bustin Jieber / Und auch für Sailor Twift / Ich steh' halt noch für Fink Ployd / Und auf diese Peep-Durple-Riff". Im Namen der gesamten Nation möchte ich mich bei Deep Purple für diese musikalische Anbiederung entschuldigen. Zum Schluss bietet uns "Mein Arsch" noch eine nervtötende Parodie von Desireless' Klassiker "Voyage Voyage".

Immer mal wieder serviert uns die Band eine schmerzhafte Dosis stereotypische Boomer-Nörgelei. Als Beispiel "Vito, Wir Machen Krach", eine Kontrafaktur von Vicky Leandros "Theo, Wir Fahr'n Nach Lodz": "Überall nur R und B, nur Hip und Hop / Stets der gleiche Trott statt Rock nur Pop." Gegenüber diesem Haus-Maus-Reimemassaker bevorzuge ich sogar Deutschrap. Heutzutage absolut keine Selbstverständlichkeit. An der Stelle ist es wenigstens das Mindeste, dass sich die Gruppe eingesteht, keinerlei Message zu vertreten, wie sie es auf "Stinkefinger" verlautbaren: "Wenn man nix zu sagen hat, dann singt man oh oh ooh / Gar nix is' ja auch ziemlich genau unser Niveau."

Kurzum: Nüchtern unausstehlich. Nachdem ich also ein paar Bierchen gezischt habe, verbesserte sich das Hörerlebnis aber von "unausstehlich" auf "passabel". An der Stelle verlor ich kaum noch einen Gedanken an die läppischen Lyrics, zwischenzeitlich erwischte ich mich beim ganz zarten Headbangen, hier und da ein bisschen Luftgitarre, jedoch ohne eine merkliche Steigerung des Enthusiasmus. Bei "Power Sucht Wolf" verspürte ich möglicherweise sogar das Bedürfnis, mitzujaulen. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt geradeso klar genug im Kopf, dass ich es lieber vermied, die Redaktion mit meinen autistischen Ticks zu belästigen. "Woke On The Smater" bleibt aber auch nach paar Bier intus unentschuldbar.

Allgemein lässt sich auch sagen, dass mir garantiert bessere Songs oder Alben einfallen, die man zu einem ausgiebigen Besäufnis hören könnte. Vielleicht würde ich auch meine Meinung ändern, wenn ich noch mehr getrunken hätte. Aber sich für "Haus Of The Rising Fun" die Leber ruinieren? Schwierig. Sobald man auch nur den kleinsten Funken Anspruch an Musik (und Humor) stellt, spricht es schon für sich, dass man diese Platte, geschweige denn diese Band, erst dann mehr oder weniger ertragen kann, wenn man sich volllaufen lässt.

Trackliste

  1. 1. Ma Ma Ma Metal
  2. 2. Haus Of The Rising Fun
  3. 3. Vito, Wir Machen Krach
  4. 4. I Kissed A Girl
  5. 5. Stinkefinger
  6. 6. Ka-Fump!
  7. 7. Power Sucht Wolf
  8. 8. Nur Für Euch
  9. 9. Weißt Schon Was Ich Meine
  10. 10. Bussi
  11. 11. Ein Sehr Gutes Lied
  12. 12. Woke On The Smater
  13. 13. Mein Arsch

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3 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Stunden

    Ich muss sagen, ich habe dieses Album durchgeskippt und ich verstehe es einfach nicht. Also ich mein, das kann ja sein, dass man wirklich nichts zu sagen hat (auch wenn ich eigentlich glaube, dass jeder Mensch eine unendlich komplexe eigene Welt in sich trägt, die er ausdrücken konnte, auch wenn das etwas idealistisch sein mag), aber das ist doch noch kein Grund, Woke on the Smater zu machen. Ich bin der erste, der stolz verkünden wird, Flink Poyd Fan zu sein. Also wirklich mit diesem Schüttelreim. Höre auch aktuelle Musik so. Aber gerade wenn man sich als diesen Boomer sieht, der sich auf diese klassische Periode der Rockmusik zurückbesinnt, schämt man sich nicht für dieses Cover? Wieso muss gerade die Musik, die sich über den Humor definiert, genau die sein, die am unlustigsten ist? Fragen, die mir wahrscheinlich nie beantwortet werden.

    • Vor 2 Stunden

      Möchte noch ergänzen: Ich war auf einem HGIch.T Konzert (eine Gruppe, die ich kennengelernt habe, durch ein Poster, welches im laut Büro an der Tür hing, shoutouts dafür). Ich habe deren Musik zuerst schätzen gelernt, weil ich sie unfassbar lustig finde. Ich wusste nicht, was ich bei deren Liveshow zu erwarten hatte. Aber was ich vorfand, war eine der lebensbejaenden, existenziellsten, wunderschönsten musikalischen Darbietungen, die ich je erlebt habe. Man kann das wahrscheinlich kaum begreifen, wenn man es nicht selber gesehen hat. Es war natürlich auch blöd und lustig, brainrot, wie meine Generation sagen würde, aber es war eben auch beautiful. Die haben sogar auch Vicky Leandros gecovert tatsächlich. Und irgendwie scheint es mir, als würde genau dann, wenn du die Aufrichtigkeit und die Emotionen aus der Musik rauslässt, sie plötzlich auch noch unlustig werden. Und dann hast du dieses Album, bei dem ich mich wirklich frage, wer sich das freiwillig anhört und wieso.

      Es sei denn, J.B.O. Live Shows sind auch eine farbenfrohe, das Leben zelebrierende, existenzielle Erfahrung und beinhalten eine dreiminütige Traumreise auf dem Boden eines Techno-Clubs, in dem Fall nehme ich alles zurück.

    • Vor 2 Stunden

      J.B.O. Shows sind genauso Scheiße wie J.B.O. Alben.

  • Vor 36 Minuten

    Obligatorischer "die gibt's noch?" Kommentar.

  • Vor 9 Minuten

    Was rechtfertigt den zweiten Stern der Redaktionswertung?