laut.de-Kritik

Überragendes Spätwerk der beiden Veteranen.

Review von

Ruhe, die OGs predigen! Schon verrückt, dass die beiden Brüder Juicy J und Project Pat bisher noch kein gemeinsames Album veröffentlicht hatten. Juicy lieferte Pat meist nur die Beats, doch nun – weise und in ihren Fünfzigern – fühlt sich Familie Houston genötigt, "the truth to the young black youth" zu kicken, wie es Inspectah Deck einst auf "C.R.E.A.M." formulierte.

Beide haben in den vergangenen 30 Jahren im Rapgame viel gelernt – und wollen insbesondere nach dem gewaltsamen Tod Young Dolphs verhindern, dass weitere Rapper, gerade in ihrer Heimatstadt Memphis, sterben oder im Gefängnis landen. Dafür bringen beide ihr bewährtes A-Game ins Studio.

Project Pat rappt gewohnt leicht hinter dem Beat, was seinen warnenden und rückblickenden Geschichten zusätzliches Gewicht verleiht, während Juicy J mit seinen markanten Chants und Adlibs die Songs zusammenhält. Der meist klassische Memphis-Trap geht vorrangig auf das Konto von Juicy J und dem aufstrebenden Memphis-Beatschmied Hitkidd, der zuletzt unter anderem A$AP Rockys "HIGHJACK" mitproduzierte.

Vom Opener "Still The Same" an versucht das Duo, in die Gehörgänge der jungen Generation zu gelangen. Der Beat bounct mit sphärischen Keyboard-Sequenzen und lässt den Emcees Raum für ihre Weisheiten: "Slid up on him in the highway, bullets rain out / You hit a child, caught on death row, different pain now / This ain't juvenile, ain't no gettin' out on probation / Pulled a death move, so you got a dead situation."

Project Pat verweist auf die Gefahr von Schießereien, bei denen unbeteiligte Familien und Kinder getroffen werden. Sein Wort "juvenile" besitzt dabei zumindest einen möglichen doppelten Boden: Gemeint ist zunächst das Jugendstrafrecht, das bei einer solchen Tat eben nicht mehr schützt. Gleichzeitig lässt sich die Zeile als Anspielung auf den Rap-Kollegen Juvenile lesen, der in seiner Karriere ebenfalls mit Verhaftungen, Drogenvorwürfen und Bewährungsstrafen konfrontiert war.

Im weiteren Verlauf erzählt er, wie er sein erstes Rap-Money für Luxusartikel und Goldzähne ausgab, danach jedoch klugerweise in Immobilien investierte und seitdem durch Mieteinnahmen nachhaltigere Einkünfte generiert: "Spent that bread up at the Lenox, Johnny Dang, that's the dentist / Realer cake, got some real estate, money from the tenants."

Juicy J dagegen warnt die Youngins und gibt ihnen im Grunde vier Tipps: "I'm tryna give you niggas some game, don't step out your lane / It's already too many niggas in chains in exchange for a piece of fame / Make your move, then put up some change and get out the game / Watch them hoes, they'll get you backdoored, they ain't got no shame / Bros turn to foes, want a piece of everything you got."

1. Mach dein Ding.
2. Wenn du Erfolg hast, investiere in legale Geschäfte und verlasse das Game.
3. Vertraue niemandem blind, auch deinen Freunden nicht.
4. Sei vorsichtig, wem du Zugang zu deinem Leben gewährst.

Im Chorus fühlen sie sich dann genötigt, noch einmal zu erwähnen, dass sie trotz gewissenhafter und rechtschaffener Ratschläge immer noch die OGs sind, mit denen nicht zu spaßen ist. Du kriegst das Großmaul eben nicht aus dem Straßenrapper.

Im hart hittenden "Eye For A Eye" mit Monster-Snare warnt das Duo davor, dass junge Menschen, teilweise noch nicht einmal volljährig, keine Grenzen mehr kennen: "These young niggas killin' each other for nothin', it's eye for an eye." Noch dunkler wird der Sound auf "Out Of Order". Dramatische Piano-Loops schweben über minimalistischen, fast zerbrechlichen Drums, während Project Pat den Weg durch Gerichte und Instanzen nachzeichnet, nachdem ein Komplize zum Kronzeugen geworden ist. Juicy J ergänzt den bildgewaltigen Track um moderne Details wie Fentanyl-Teststreifen oder die Mutter, die im Gerichtssaal einem Verräter gegenübersitzt.

Fast jeder Song – egal ob "Don't Do It", "Life Be Lifing" oder "To Be Real Witcha" – verdient eigentlich eine solche intensive Auseinandersetzung. So gut ist "Dem Goats". Doch hört lieber selbst, wir widmen uns noch den Gastauftritten. Denn auch diese setzen Akzente.

That Mexican OT brilliert auf "Bank Of" mit seinem dichten, heiseren Flow und Humor: "I'm a rapper, but feel like a scammer / No, bitch, I'm Bob the Builder, I got a hammer." Anderson .Paak senkt mit seinem Soul auf "Wasting Time" die Temperatur des gesamten Albums, während KARRAHBOOO aus dem Concrete-Boys-Kollektiv auf "Tap" mit wenigen Zeilen allen die Show stiehlt: "Gun after gun like a motherfuckin' battle rap / Beat niggas up like a motherfuckin' bottle cap."

Killer Mike berichtet in "Choose Wisely" gewohnt intensiv und ehrlich von einem ehemaligen Kumpel, der das Gangsterleben wählte: "Man he robbed just couldn't take it / Came back, shot him up, left him bleeding, left him shaking / And his lady, and his baby, they survived, but barely made it / Cut him off, amputated, he deserve it, can't debate it." Am Ende schließen Kenneth Whalums Bläser und die Lyrics des christlichen Rappers Lecrae auf "Yes Lord" das Werk nachdenklich ab.

"Dem Goats" ist insgesamt ein überragendes Spätwerk zweier Veteranen, die ihrer Rolle als erfahrene OGs im Game mehr als gerecht werden. Wer auch sonst als Juicy J und Project Pat sollte im trappenden Süden Weisheit und Wissen glaubhaft an die Kids weitergeben?

Trackliste

  1. 1. On The Porch 2026
  2. 2. Still The Same
  3. 3. Eye For A Eye
  4. 4. Out Of Order
  5. 5. Southern Hospitality
  6. 6. Don't Do It
  7. 7. Bank Of feat. That Mexican OT
  8. 8. Wasting Time feat. Anderson .Paak
  9. 9. Blessing In Disguise
  10. 10. Cut All That
  11. 11. Free My Dog
  12. 12. Never Coming Back
  13. 13. These Streets
  14. 14. Life Be Lifing feat. Hanumankind
  15. 15. Choose Wisely feat. Killer Mike & Anthony Q.
  16. 16. Hold On
  17. 17. Tap feat. KARRAHBOOO
  18. 18. Red Carpet Treatment
  19. 19. To Be Real Witcha feat. Snoop Dogg
  20. 20. Yes Lord feat. Lecrae & Kenneth Whalum

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