laut.de-Kritik

Lieber Kinderheim, als so einen Daddy zu haben.

Review von

Deutschrap 2026. Welche Platte hat die Ehre, das Hip Hop-Jahr zu eröffnen? Was? Ein neues KC-Rebell-Album namens "Daddy Is Back"? Oh nö.

Bevor wir zum Wesentlichen kommen, gibt es anfangs ein bisschen Positives einzuwenden. Der minimalistische E-Gitarren-Beat auf "Super Daddy" macht Laune, zumindest nur solange, bis Yung Kafa & Kücuk Efendi die Hook übernehmen. Ja, irgendwie passt es zum Vibe des Songs, aber ich persönlich habe nie viel von diesem putzigen Kopfstimmen-Geträller des Duos gehalten. In diesem Sinne: Geschmackssache. Wie man sieht hat es nicht lange gedauert, bis ich wieder negativ werde. Sonst noch was Gutes?

Oh ja. Der Beat von "Hade" hat meine Schwäche für fette arabische Synths total exposed. Zusammen mit dem Post-Refrain von Hakim Lokman und dem Part von Eno macht der Track ordentlich Stimmung. Dabei zeigt sich allerdings auch, dass alles Gute an diesem Album nicht KC Rebell zu verdanken ist.

Wie auch schon beim letzten Album schafft der Kerl es kein einziges Mal, irgendetwas interessantes zu berichten: "Entweder spucke ich Heat und es burnt, oder es drippt und ich surf' / Frag' deine Chaya mal, wen sie so hört, die kleine Kah ist ein billiger Flirt". Flexen, Flirten, die üblichen Verdächtigen. Meine Güte, erzähl uns mal was Neues.

Okay, es gibt eine Line, die in mir Emotionen ausgelöst hat. Ich schäme mich dafür, dabei kurz aufgelacht zu haben, weil es so eine läppische Bad-Bar ist. Im Titeltrack heißt es: "Alles hat ein Ende, nur die Sucuk zwei". Ich bin mir 110-prozentig sicher, dass BossXplosive schon mal in seinen schlechtesten Deutschrap-Lines so eine ähnliche Wurst-Zeile von Bushido implementierte.

Das Schlimme daran: Nach den ersten drei Songs klingt "Daddy Is Back" so marktkonform und öde, dass ein paar mehr Bad-Bars vielleicht nicht geschadet hätten. Gerade der "Brr-Uzi-Schniedelwutzi"-Rapper gilt in dieser Kategorie ja als Experte. Stattdessen erhalten wir bis zum Rest des Albums üblich träge Genrekost. Meine Fresse, es ist schon so generisch, sogar die verfluchten Songtitel sind generisch. Siehe "Bling Bling" und "VIP". Mit "Drilla" einen serienmäßigen Drill-Song anzudeuten, ist auch ein waschechter 500-IQ-Move. Chapeau.

Ab "Manchmal" verläuft sich "Daddy Is Back" für den Rest der Laufzeit in lasche, melancholische Nummern, die ebenso kaum Erwähnung verdienen. Im letzten Song "Demons" kriegen wir auch Samra zu hören: "Du warst die Stimme, wenn der Engel mich ruft / Ich war die Kippe, du der allerletzte Zug, Baby".

Es fasziniert mich immer wieder, wie dieser Typ es nicht lassen kann, seit Ewigkeiten seine Nikotinsucht in Rap-Form zu gießen und damit Kohle zu verdienen. So startet das Jahr des charttauglichen Deutschraps trotz eines passablen Anfangs mit einem Totalausfall. Ich habe jetzt schon keine Lust mehr.

Trackliste

  1. 1. Super Daddy (mit Yung Kafa & Kücük Efendi)
  2. 2. Daddy Is back
  3. 3. Hade (mit Eno und Hakim Lokman)
  4. 4. Drilla (mit Murda)
  5. 5. Rude Boy
  6. 6. Bling Bling (mit Der Yavuz)
  7. 7. VIP
  8. 8. Ausgesorgt (mit Sido und AK AusserKontrolle)
  9. 9. Manchmal
  10. 10. Ozean
  11. 11. Wenn Du Lachst (mit Calo)
  12. 12. Verdient (mit Capital Bra)
  13. 13. Demons (mit Samra)

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