laut.de-Kritik
Cormega-Shirt in Einheitsgröße.
Review von Zabih Safdari2021 war Rome Streetz Griseldas großer Neuzugang. Die Crew, die sich seit Ende der 2010er Jahre durch Boom-Bap-Sound und fleißigen Output definiert, landete 2022 mit "Kiss The Ring" einen Volltreffer, nachdem die Hochphase eigentlich schon überschritten war. Die Jahre darauf nahm der Release-Übereifer allerdings keine Pause. Daher dürfte es weniger überraschend und mehr wie ein logisches Resultat dieser Release-Flut rüberkommen, wenn ich sage: Es nutzt sich doch etwas ab.
Auf "Sock It 2 My Pocket" befindet sich Rome Streetz in seinem gewohnten, wortverspielten Spitter-Modus, erinnernd an einen jungen, hungrigen Joey Bada$$ oder Cormega. Mit letzterem vergleicht er sich auch gerne selbst, etwa auf "'95 Mega On Shrooms". Dort spittet er Seite an Seite mit LOX-Veteran Styles P über einen Drum-Loop dermaßen roher und sperriger Sorte, er könnte eine Feldaufnahme sein.
Gleichermaßen ungeschliffen, dafür ganz ohne Drums: "Shoot Your Trophies" - Alchemist loopt das Sample und Rome Streetz erzählt mit eiskalter Delivery vom Trapper-Lifestyle: "Live by the code, my cracked iPhone got CEO's and coke connects (Uh-huh) / Hoes for sex, or clientele that know my dope's the best"
"Belt 2 Ass" gibt uns hingegen ein wenig Abwechslung. Nach einem kurzen Verse schiebt Conductor Williams den nächsten Beat hinterher und der Track geht in einen lebhaften Storyteller über. Wir lernen "Malik with the scar on his cheek" kennen, einen Dealer, der bei einem bewaffneten Raubüberfall angeschossen wurde und mit einer schweren Behinderung überlebte.
"Fucked up, 'cause I know the n*gga that did it / He sent me a couple beats, we did a song I never finished / Died in a car crash with his sister on Thanksgivin' / Karma's a bitch, don't ever lack and think different / She'll always come back and give you a real ass-whippin'", schließt Rome Streetz ab, indem er seine Verbindung zu den Begebenheiten erklärt. Hinter diesem unscheinbaren, fast schon wertneutralen Unterton verbergen sich deutlich spürbare Gefühle von Überlebensschuld. Leider legt er diese Facette schnell wieder beiseite und führt das reguläre Programm fort.
Ähnlich sieht es mit den Instrumentals aus. Ja, wir haben es mit den typischen Boom-Bap-Produktionen zu tun und ja, die tun ihren Zweck, hinterlassen über weite Strecken jedoch wenig Eindruck. Entsprechend überrascht war ich, als ich die Producer-Credits von so manchem Track las.Havoc hat ".22" produziert? Ja, richtig. Ein Havoc-Beat, der sich so sehr nach Griselda-Einheitsgröße anhört, dass ich ihn im Leben nicht als solchen identifizieren hätte können. Neben dem bereits erwähnten "Shoot Your Trophies" bildet einzig das von 9th Wonder produzierte "High Speed" mit seinen chaotisch platzierten Hi-Hats eine Ausnahme und trägt hörbar die Handschrift des Produzenten.
Trotz den mehr als soliden Raps durch die Bank erweckt auch "Sock It 2 My Pocket" dieses Gefühl von Erschöpfung, das sich schleichend durch die Griselda-Alben der letzten Jahre zieht.


Noch keine Kommentare