laut.de-Kritik

Ein pulsierendes Herz voller Ambient- und Space-Sounds.

Review von

Nach 15 Jahren des Abtauchens* kehrt die ikonisch verehrte britische Band Seefeel zurück. So geheimnisvoll wie der Titel des Albums "Sol.Hz", so schwebend der Sound darauf.

Seefeels einzigartige Fusion aus Ambient, Electronica und Shoegaze machte sie schnell zu Pionieren, ihr Debüt "Quique" aus dem Jahr 1993 war lange Zeit Geheimtipp und gilt heute als Grundstein von Indietronica. Nun also "Sol.Hz", das der Act um Mark Clifford und Sarah Peacock selbst als sein Dub-Album bezeichnet.

Als Klammer stimmt das auch, im Herz pulsieren jedoch wieder Gitarrenloops, Hallräume, Ambientklänge sowie die stark verfremdete Stimme von Peacock, die organisch fließend, aber auch dramaturgisch und dekonstruierend die Stücke durchziehen. Wummernd, hallend und flirrend erscheinen die Tracks wie Cocteau-Twins-Stücke, die von Aphex Twin seziert wurden. Sie erinnern an verwandte Seelen wie Autechre, Boards Of Canada oder auch Slowdive in ihrer "Pygmalion"-Phase.

Atmosphärisch und luzide zugleich saugt man diese Musik am besten über Kopfhörer ein, in einer eigenen Kapsel kauernd, die den White Noise von Seefeel hineinlässt und dem dreckigen Lärm der Welt draußen. Trotz des klaren elektronischen Experimentiergedankens ist "Sol.Hz" niemals steril, Seefeel pflanzen ein Gefühl in die Maschine wie im sphärischen "AM Flares", ähnlich wie es zum Beispiel auch Tangerine Dream mit ihrem außerweltlichen Space-Sound entfalten.

Und wie diese neue Generationen von Künstlern inspirierten, entdecken auch neue Acts wie Maria Somerville, The Sight Below, LFO oder Yu Su das schwerelos schöne Werk von Seefeel wieder. Alte Fans werden "Sol.Hz" ob des wieder einmal zeitlosen Charakters sowieso lieben.

*Abgesehen von der EP "Everything Squared" von 2024 und dem von Slowdive-Drummer Simon Scott gemasterten und nur digital erschienenen "Squared Roots".

Trackliste

  1. 1. Brazen Haze
  2. 2. Everydays
  3. 3. Ever No Way
  4. 4. Humidity Switch
  5. 5. Behind The Seen
  6. 6. AM Flares
  7. 7. Falling First
  8. 8. Until Now
  9. 9. Scrambler

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