laut.de-Kritik

So schön wie Steiner & Madlaina singt sonst in Zürich keina ...

Review von

Nora Steiner und Madlaina Pollina aus Zürich legen mit "Wünsch Mir Glück" ihr zweites Album vor. Das gute Stück ist vor allen Dingen ein Beziehungsalbum, ein Reflektionsalbum über die eigene Stellung und Bedürfnisse in der Zweisamkeit – und zu einem Teil auch in der Gesellschaft.

Im Gegensatz zum Debüt, das englische, deutsche, und schweizerdeutsche Songtexte vereinte, sind Steiner & Madlaina diesmal komplett deutschsprachig unterwegs. Nach wie vor schreiben die beiden unabhängig voneinander die Songtexte, und diese Aufteilung fällt auf "Wünsch Mir Glück" deutlich ins Gewicht, da Madlaina zum Beziehungslied neigt und Steiner eher zur Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Diese Klamotte steht den beiden aber nicht so wirklich. "Wenn Ich Ein Junge Wäre (Ich Will Nicht Lächeln)" ist eine denkbar ungeeignete Single, da sie schlicht fad ist. Textlich ist das Stück überaus konservativ, regelrecht bieder in seiner Harmlosigkeit: Ja, Frauen können einparken, haha, Männer glauben das nicht, hoho. "Du regst dich auf / dann geh weg / sei lieber still": Das ist dann wohl die deutschsprachige Antwort auf Savages, wie wir sie verdienen. Auch das durchaus flotte "Ciao Bella" ist zu eindimensional in seinem Kampf gegen Frauendiskriminierung, packt einen auf zu wenig Ebenen im Vergleich zu den musikalisch hier nicht weit entfernten Wanda.

Trotzdem sind die Texte und die Souveränität von Steiner & Madlaina einer der großen Pluspunkte dieser Scheibe, denn vieles anderes ist hervorragend gelungen. Die beiden Züricherinnen giften mit Vorliebe gegen sich selber und ihre Erwartungen an sich. So stellen sie auf "Denk Was Du Willst" einem ruhigen texmex-Vibe, der eher verletzlich als cool wirkt, die "Lust, mich zu zerstören" gegenüber. Das Stück gerät zwar zu lang, zeigt aber die auffallende musikalische Vielseitigkeit von "Wünsch Mir Glück". Hin und wieder verfallen die Sängerinnen in eine beliebige Schunkelstimmung ("Es Geht Mir Gut" und das fürchterliche "So Schön Wie Heute"), die sie sich bei ihren Tourpartnern Element of Crime abgeschaut haben könnten.

Es überwiegen aber die Lieder, in denen beide teils wahnsinnig nah und unmittelbar wirken, so wie auf "Prost Mein Schatz". Madlaina deutet boshaft und larmoyant, aber packend eine bevorstehende Trennung an, die sie übrigens dann nach eigenen Angaben auch umgesetzt hat. Das Spannungsfeld zwischen dem polierten Song und der Message erinnert an Lana Del Rey, und in diesem grellen Zwielicht agieren die beiden Schweizerinnen mit beeindruckender Souveränität.

So kluge, unerbittliche Songs wie "Casanova" und "... Und Die Bin Ich" würden Die Heiterkeit und Blond auch gerne schreiben. Gerade letzterer ist ein Albumhighlight, Steiner & Madlaina demonstrieren hier eindrücklich, dass sie sägende Gitarren und eine fast schon an Shoegaze erinnernde Kulisse beherrschen. So könnten sich die Pixies heute auch anhören.

Der Titeltrack erinnert wieder etwas an das Vorgängerwerk, da darf man die früher bemühten Vergleiche mit First Aid Kit wieder aus der Mottenkiste kramen. Insgesamt wären die beiden mit mehr Mut gut beraten gewesen, einem schwächeren Warpaint-Song wie "Klischee" oder dem in seiner schallenden Helle interessanten "Heile Welt" fehlt nicht viel, um ihre guten Ideen auszuformulieren und an Kontur zu gewinnen. Vielleicht bräuchte es dafür einen stärkeren Produzenten.

Das Titellied "Wünsch Mir Glück" überzeugt auch durch den herrlichen gemeinsamen Gesang, der auf dem Album leider wenig Platz findet. Stattdessen singen die beiden alleine oder die eine dient als deutlich zurückgesetztes Backing für die andere. Dabei haben beide nicht nur gute, sondern auch sehr unterschiedliche und einander harmonisch ergänzende Stimmen.

Dem Album ist durchgehend anzuhören, wie sehr die beiden versuchen, mit ihren Stimmen zu arbeiten, Akzentuierung und Tonlagen zu variieren, und das oft durchaus mit Erfolg. Künstlerisch, als Sängerinnen und Songschreiberinnen, ist "Wünsch Mir Glück" ein respektabler Fortschritt.

Trackliste

  1. 1. Es Geht Mir Gut
  2. 2. Prost Mein Schatz
  3. 3. Heile Welt
  4. 4. Denk Was Du Willst
  5. 5. ... Und Die Bin Ich
  6. 6. Wenn Ich Ein Junge Wäre (Ich Will Nicht Lächeln)
  7. 7. So Schön Wie Heute
  8. 8. Ciao Bella
  9. 9. Klischee
  10. 10. Wünsch Mir Glück
  11. 11. Casanova

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4 Kommentare mit 39 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    So ein Müll... Kurz reingehört... Musik für Lesben, Transgender und solche die es gerne werden wollen

  • Vor 5 Jahren

    Paar Tracks wurden vor nicht allzu langer Zeit in einem DLF-Feature vorgestellt. Die empfand ich unterhaltsamer als das, was z.B. Sophie Hunger so während der Pandemie am aufnehmen und veröffentlichen war.

  • Vor 5 Jahren

    Niemand liebt scheiss Musik so sehr, wie die Redakteure von laut.de

    Das wird kein Rant, keine Sorge. Aber sobald 1-2 Frauen irgendwie WG-Zimmer-tingel-pop mit freeware machen und dabei ne vermeintliche Message transportieren, gibts pauschal 3 Sterne.

    Meine Fresse, ihr könnt mir doch nicht WIRKLICH erzählen, dass ihr das gehört habt und seitdem immer wieder einschaltet, weil ihr das so toll findet. Ernsthaft jetzt. Keiner geht abends nach Hause und denkt "Boah! Gleich schön nach Hause und erstmal Steiner & Madlaina pumpen!"

    Reviews von euch zu solcher Musik erinnern mich immer an Menschen, die der Meinung sind, dass Comedians nicht lustig sein müssen, so lange sie "aufrütteln" und "ne tolle message" haben.

    Newsflash: Scheiß entertainment bleibt scheiss entertainment, ob message oder nicht.

  • Vor 5 Jahren

    dene das suhlborn un Psycho könne noch were best frend wen suli verstehe das psych oft nur makke humor un wolle nur vertrete andre meinun aus joy un justice.

    • Vor 5 Jahren

      Hey, ich freu mich für dich, dass ElMassivo dich anscheinend inspirieren konnte, hier dein inneres Kind wiederzuentdecken. Auch wenn es furchtbar tragisch ist, dass dir zur Selbstentfaltung desselben dann nichts besseres einfällt als eine noch flachere und in jeder Nuance verzichtbaren Kopie. Dabei ist es mir auch offen gesagt scheißegal, welcher prügelnde und/oder vernachlässigende Elternteil dafür maßgeblich verantwortlich war, dass du deine anale Pipipopokacka-Phase nicht schon vorher ausleben konntest, dann hier für alle lesbar in den Regress gehst und das dann versuchst, als deine Auffassung von "Humor" zu verkaufen - es ist weder lustig noch entfernt unterhaltsam.

      Wenn du an einem Austausch ernsthaft interessiert bist, dann wirst du in Zukunft das Minimum an Respekt aufbringen und mit mir im Rahmen deiner tatsächlichen Ressourcen kommunizieren - oder du wirst gelöscht.

    • Vor 5 Jahren

      "ist weder lustig noch entfernt unterhaltsam."

      this.

    • Vor 5 Jahren

      Achso. Na, das war's dann wohl für den Sir :(.

    • Vor 5 Jahren

      "Dass dein Vater dich schlägt kann man ihm nicht verübeln; Deine Mutter kann ja die Hausarbeit nicht ganz alleine machen"

    • Vor 5 Jahren

      Leb wohl, psycho. Bitte wähle als nächstes nicht einen der Abklatsche von Nutzernamen, die gerade so blöd die Runde machen!

    • Vor 5 Jahren

      wie wärs mit Sir*MadamePsychoIN187 ^^

    • Vor 5 Jahren

      Am Besten wäre natürlich einfach komplett wegzubleiben. ;)